Bensheim

Konzert Werke von Franck, Reger, Buxtehude und Bach

Adventliche Orgelfreuden

Bensheim.Besonderheit für Orgelmusikfans: Bei seinem traditionellen Adventskonzert an der großen Klais-Orgel in Sankt Georg hatte Regionalkantor Gregor Knop erstmals gleich drei bedeutende Solostücke von César Franck (1822-1890) auf dem Programm. Mit dem Dreisätzer „Prélude, Fugue et Variation“ h-moll (1862), der weniger bekannten A-Dur-Fantasie (1878) und dem späten Choral Nr. 1 E-Dur (1890) waren Beispiele aus allen zentralen Sammlungen des belgischen Meisters vertreten. So ergaben sich immerhin rund 40 Minuten Franck pur, die Liebhaber der klangmächtigen französischen Orgelromantik voll auf ihre Kosten kommen ließen. Seinen Franck-Schwerpunkt just zu diesem Anlass begründete Knop im Programmblatt: Dessen „sehnsuchtsvoller Ton“ mit entsprechend suggestiv gesteigerter Werkdramaturgie treffe genau den „Erwartungscharakter der Adventszeit“.

Konzentrierte Raffinesse

Auf explizit adventliche Kompositionen mussten die etwa 100 Konzertbesucher natürlich dennoch nicht verzichten. Als wahre Kostbarkeiten des Miniaturengenres faszinierten besonders „Nun komm, der Heiden Heiland“, „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ und „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ aus Max Regers 52-teiliger Choralkollektion opus 67 von 1901/02. Die meisterhaft konzentrierte Raffinesse dieser erlesenen kleinen Bearbeitungen wurde in Knops ebenso klar wie vital phrasierten Wiedergaben schier exemplarisch erfahrbar. Für barocke Formvielfalt à la Dietrich Buxtehude (1637-1707) standen die verzierungsreiche Kurzversion von „Nun komm, der Heiden Heiland“ BuxWV 211 und der umso großzügiger angelegte Variationenzyklus über „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ BuxWV 223, den der Bensheimer Organist superb spielfreudig auskostete und so zu einem echten Highlight des Programms machte. Ähnlich prachtvoll klang Bachs berühmter erster Schübler-Choral „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ BWV 645, der absolut titelgerecht beflügelt wirkte.

Schönste Bestätigung

Knops schon oft bewiesene Kompetenz für das sinfonisch-virtuose Orgelrepertoire der französischen Romantik fand mit seinem aktuellen Franck-Dreierpack erneut schönste Bestätigung. Innigkeit und Weiträumigkeit zugleich atmete der eröffnende E-Dur-Choral, in dem sich plastische Linienführung und präzise Farbgebung trefflich ergänzten. Francks Ohrwurm-Qualitäten bezeugte am besten das zentral platzierte h-moll-Juwel „Prélude, Fugue et Variation“, das vom stilistisch wie spieltechnisch souveränen Interpreten mit aller notwendigen Anmut und Eleganz erfüllt wurde. Vom melodischen Genie des Komponisten kündete auch die programmkrönende A-Dur-Fantasie, deren vielgestaltig aufblühende Opulenz nicht zuletzt an den grandiosen Improvisator César Franck zu erinnern schien. Trotz langen Schlussbeifalls folgte leider keine Zugabe.

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