Bensheim

Gronauer Kerb Fest ist nach 25 Jahren im Dorfgemeinschaftshaus heimisch geworden

Alle Generationen feierten gemeinsam

Archivartikel

Bensheim.Vor 25 Jahren feierten die Gronauer erstmals eine Kerb im Saal des im April 1994 eingeweihten Dorfgemeinschaftshauses.

„Mit dem Bau des neuen Dorfgemeinschaftshauses haben sich viele neue Perspektiven ergeben. Natürlich wurde hierbei nicht an den alten Sitten und Gebräuchen gerüttelt, die in Gronau seit vielen Generationen vermittelt werden“, kündigte der Bergsträßer Anzeiger in seiner Ausgabe vom 5. Oktober 1994 die erste Kerb am neuen Veranstaltungsort an, zu der damals die „Daltons“ und die „Polterband“ aufspielten.

Allerdings trat das Volksfest an seiner neuen Stätte ein schweres Erbe an. Denn die Kirchweihfeste in der Wagenhalle des Feuerwehrgerätehauses, wohin die Kerb Mitte der 80er Jahre vom Mehrzwecksaal der „Dorfmühle“ im Unterdorf umgezogen war, hatten einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

„In de Feijewehr wor’s oafach schenne“ lautete der wehmütige Vergleich von DGH und zwischenzeitlichem Veranstaltungsort, der fortan jedes Jahr im Oktober von etlichen Kerwebesuchern zu hören war. Selbst nach der Jahrtausendwende noch. Sie vermissten die besondere Atmosphäre, die das Feuerwehrgerätehaus mit seinem Zelt-Vorbau ihrer Meinung nach geboten hatte, die das DGH für sie aber offenbar nicht auszustrahlen schien. Zu ungemütlich wirkte der dortige Saal in Turnhallengröße vielen Gronauern.

Als 2003 die Interessengemeinschaft Gruneme Kerb, der das Fest ausrichtende Zusammenschluss aus Freiwilliger Feuerwehr und SG Gronau, entschied, die Live-Musik am Kerwemontag zu streichen, redeten Pessimisten gar das Ende der Traditionsveranstaltung herbei.

Doch während man andernorts versuchte, die örtliche Kerb mit Events wie Mallorca-Motto-Partys zu beleben, blieben die Gronauer in vielerlei Hinsicht den Säulen ihres Brauchtums treu. Sie stellten ab 2007 noch stärker den Ursprung der Kirchen-Einweihung heraus. So stark, dass die Kerwemädchen und Kerweborsch inzwischen am Sonntagmorgen von alleine aufstehen, um den Gottesdienst zu besuchen.

Die Kerweredd wird zelebriert

Bis heute ist die Gruneme Kerb ein Fest geblieben, bei dem Gesellschaftstänze getanzt werden. Und die Kerweredd wird in Gronau ohnehin regelrecht zelebriert. Wohl auch, weil die IG Kerb die Generationen nicht getrennt anspricht, wuchs in Gronau eine Kerwejugend heran, wie es sie im Dorf schon seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben hat.

Die Früchte dieser Beständigkeit fuhr das Organisationsteam um Uwe Lutz nun erneut ein, denn die Kerb 2019 wurde von allen Besuchern überschwänglich gelobt. Schon der Kerwetanz am Samstagabend mit der Band Pink Panthers war ein Publikumserfolg. Bis in den Mittelgang Richtung Hütchenbar drehten sich die Tanzpaare.

Die Bandbreite der Musiker um Jean Diehl, der erstmals 1978 mit der Formation Blue Birds bei der Gruneme Kerb gespielt hatte, reichte von aktuellen Charts-Hits bis zu Evergreens. Wie in alten Zeiten kamen Klaus Werner und Willi Stephan zu kurzen Einlagen auf die Bühne. Mit Party-Oldies wie „Poor Boy“ und den Kerwemusik-Klassikern „Hörst du die Regenwürmer husten?“ oder „Baiao bongo“ heizten die beiden ehemaligen Vorsitzenden der IG Gruneme Kerb die Stimmung weiter an.

Ursprünglicher gestaltete sich der Kirchweihsonntag. Am Nachmittag lud die Lindenfelser Trachtenkapelle zu Polka- und Walzerschritten ein, am Abend tanzte Alt und Jung beim „Singenden Landwirt“ aus Raidelbach Fox und Polonaise. Immer wieder waren zwischendurch umgedichtete Odenwälder Volksweisen und natürlich der Ruf „Wem is die Kerb?“ zu hören.

Am Kerwemontag kam die Musik aus der Konserve, was aber der Stimmung keinen Abbruch tat. Erneut zog sich der Dämmerschoppen bis in die Nachtstunden hinein. Die Neuerung, den per Vorhang flächenmäßig halbierten Saal mit Loungemöbeln auszustatten, kam bei den Besuchern gut an. Und die neckischen Darbietungen der Altkerweborsch, unter anderem das aus der Mülltonne heraus parodierte Lied „Manamana“ aus der Fernsehsendung „Muppet Show“, sorgten für Heiterkeit.

Nach einem Vierteljahrhundert im DGH kann man sagen: Die Gruneme Kerb ist am neuen Veranstaltungsort angekommen. Dem Volksfest kommt dabei zugute, dass das Kirchweihbrauchtum allgemein wieder „in“ ist, was man am Boom der Kerwejugend-Gruppen in der Region ablesen kann.

Darauf waren die Gronauer vorbereitet. Denn wie 1994 im BA verlautbart, haben sie sich in den letzten 25 Jahren neuen Perspektiven geöffnet, ohne von den alten Kerwebräuchen abzurücken. Stefan Hebenstreit

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