Bensheim

Niederwald Forstwirte schaffen Platz für Neuanpflanzungen / Nachhaltige Planung

Alte Eichen müssen weichen

Bensheim.Das Interesse am Bensheimer Niederwald ist groß, im August waren 30 Teilnehmer zu einem Waldrundgang erschienen, zu dem Revierförster Dirk Ruis-Eckhardt eingeladen hatte. Derzeit beginnen wieder Arbeiten im Niederwald, deshalb sollen schon im Vorfeld einige Zusammenhänge aufgegriffen und beleuchtet werden, so der Förster.

Trotz der extremen Trockenheit in diesem Jahr trugen viele Bäume eine große Zahl an Früchten. Auch die Eichen im Niederwald zeichnete eine „Vollmast“ aus. Forstleute nutzen diesen Begriff, um eine extreme Eichelproduktion zu beschreiben. Unter nahezu allen Eichen – nicht nur im Niederwald – liegen so viele Eicheln, dass man schon aufpassen muss, nicht das Gleichgewicht zu verlieren.

Diese Überproduktion bietet die Chance, eine neue Generation von Eichen im Wald zu etablieren. Hierzu werden im Bestandsdach des alten Waldes Lücken geschlagen, die Lichtschächte für die kommende Generation schaffen. „Aus diesem Grund werden zum einen einige alte Eichen gefällt“, so Ruis-Eckhardt. Über viele Förster- und Waldarbeitergenerationen gepflegt, würden jetzt einige Stämme geerntet und über einen Meistgebotstermin, eine sogenannte Submission, versteigert.

Für Weinfässer in Frankreich

Interessierte Kunden sind Furnierproduzenten, aber auch Fassdaubenhersteller, besonders aus Frankreich. Eichen aus dem Niederwald seien vielleicht in kommenden Jahren für das Bouquet der barriquegereiften Rotweine ausschlaggebend. Zum anderen sind es aber oft „halbstarke“, tiefbeastete Bäume, die den Keimlingen auf dem Waldboden das Licht nehmen und deshalb genutzt werden.

Die Arbeiten beachten dabei klar die Nachhaltigkeit – im Stadtwald Bensheim wird nie mehr Holz eingeschlagen, als nachwächst, erklärte der Fachmann. Heute werde Nachhaltigkeit aber noch viel umfassender verstanden: Sowohl der Wald als Erholungsraum als auch Natur- und Artenschutz stehen bei der Bewirtschaftung im Mittelpunkt.

Besonderes Augenmerk wird auf sogenannte Habitatbäume gelegt. Bäume mit Spechthöhlen und Horsten, auch bekannte Fledermausbäume oder Bäume mit Vorkommen seltener Insekten werden markiert und erhalten, wenn nicht im absoluten Einzelfall Sicherheitsgründe entgegenstehen.

In den nächsten Wochen werden in den westlichen Teilen des Niederwaldes Baumfällungen durch die Forstwirte der Stadt durchgeführt. Hierbei müssen zeitweilig Wanderwege gesperrt werden. „Die Einschränkungen für die naturliebenden Waldbesucher werden hoffentlich durch die Freude am ökologischen und naturnahen Rohstoff Holz wieder ausgeglichen“, meint Dirk Ruis-Eckhardt. red

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