Bensheim

Parktheater Vor sehr spärlich besetzten Rängen wurde am Dienstag die Komödie „Das Haus“ aufgeführt / Erste Vorstellung nach Corona-Zwangspause

Am Ende steht die Küche in Flammen

Archivartikel

Bensheim.Es hätten 114 Karten verkauft werden können, doch am Ende war nur etwa ein Drittel der verfügbaren Plätze belegt. Es hätte sich auch bei voller Auslastung luftig gesessen, denn jede zweite Sitzreihe war gesperrt und auch zwischen den einzelnen Zuschauergruppen müssen laut Hygienekonzept Plätze frei bleiben. Doch waren offenbar viele aus dem Stammpublikum aus Sorge vor einer Ansteckung mit Covid-19 zu Hause geblieben – im Vorverkauf waren gerade einmal 29 Karten bestellt worden. So eine schwache Resonanz gab es noch nie, hieß es von Seiten der veranstaltenden Stadtkultur Bensheim.

Es war die erste Vorstellung nach der Corona-Pause und die Abonnement-Reihen wurden mangels Planbarkeit für diese Saison ausgesetzt. Einen gewissen Hunger nach Kultur hätte man deshalb eigentlich unterstellen können. Auf dem Programm stand eine Aufführung des Gastspieltheaters Theaterlust, das in Bensheim schon früher guten Eindruck gemacht hatte. Mit „Das Haus“ war eine Komödie des New Yorker Stückeschreibers Brian Parks ausgesucht worden, übersetzt von dem mehrfach mit Preisen ausgezeichneten deutschen Schriftsteller und Dramaturgen John von Düffel. Es spielten Anja Klawun, Gabriele Graf, Sebastian Gerasch und Ulrich Zentner unter der Regie von Thomas Luft.

Das Bühnenbild zeigt zu Anfang ein gediegenes Wohnzimmer, dessen gepflegtes Ambiente von einem Kamin mit sanft flackernden Gasflammen betont wird. Noch gehört das Haus dem älteren Zahnarztehepaar Martin und Doris, doch gerade kommt man vom Notartermin mit Lilli, Rechtsanwältin, und Moritz, der in der Finanzbranche arbeitet. Das junge Paar hat das Haus gekauft, um hier eine eigene Familie zu gründen, während Martin und Doris Abschied von der Familienphase nehmen, denn die beiden Kinder sind schon aus dem Haus. Gemeinsam stoßen die beiden Paare auf den Vertragsabschluss an.

Das Vierpersonenstück erinnert vom Setting sofort an Vorbilder wie Yasmina Rezas „Der Gott des Gemetzels“ oder Edward Albees „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ – der Zuschauer weiß natürlich, dass es ein verhängnisvoller Abend werden muss, voller Vorwürfe, Peinlichkeiten und Abgründe.

Zu Beginn ist die Atmosphäre von nervöser Albernheit geprägt. Die junge Käuferin spricht aufgedreht kieksend, das ältere Paar gibt sich selbstgewiss in seiner Entscheidung, nun einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Das Haus soll aber nur in gute Hände übergeben werden und trotz eines höheren Gebots anderer Interessenten hat man sich für Lilli und Moritz entschieden.

Dass das mit einer gewissen Anspruchshaltung einhergeht, ist klar. Und so driftet der Abend unter zunehmendem Alkoholgenuss der Katastrophe entgegen: Das junge Paar will die Küche umbauen und die Wände rot streichen, sprich das mit so vielen Erinnerungen verknüpfte Heim von Doris und Martin zerstören. Diese wollen deshalb den Kaufvertrag rückgängig machen und haben noch gar nicht verstanden, dass sie den Anspruch auf ihr Haus längst verloren haben, auch wenn sie laut Vertrag noch einige Wochen darin wohnen bleiben dürfen.

Schnell erfinden die beiden Schauergeschichten von Asbest, verstopften Abflüssen und Einbrüchen, doch Lilli und Moritz lassen sich nicht beirren. Es kommt zu derben Handgreiflichkeiten im Kampf um den Vertrag, und am Ende setzt Doris ihre geliebte Küche in Brand, nur damit die anderen sie nicht bekommen.

Zwischendurch bröckelt der Putz auch in Hinblick auf die Beziehung der Paare untereinander, doch bleibt es hier bei kurzen Einwürfen, die nicht wirklich zu plausiblen Charakterisierungen führen. Unter der Fassade von Toleranz und Weltoffenheit werden Rassismus, Homophobie oder Diskriminierung von psychisch Kranken sichtbar. Als Running Gag durchziehen Anspielungen auf Astrid Lindgrens heile Welt das Stück, die Kinder von Doris und Martin heißen zum Beispiel Thomas und Annika, und der Klingelton des Telefons ist die Titelmelodie von Pippi Langstrumpf.

Doch trotz so manchen lustigen Einfalls enttäuschte das Stück. Die Atmosphäre war von Anfang an betont nervös, so dass kein echter Spannungsbogen zustande kam. Manches erschien schon in den ersten Szenen sehr plakativ, wo eine subtilere Entwicklung interessanter gewesen wäre. Vielleicht war auch der Fokus auf dem Haus als Folie für unterschiedliche Lebensentwürfe zu eng gefasst, um die einzelnen Charaktere plastisch gestalten zu können. Die vom etwas plötzlich wirkenden Ende des Stücks überraschten Zuschauer applaudierten trotzdem freundlich.

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