Bensheim

Reise BdV-Vorsitzende Brigitte Sattler besuchte mit einer 40-köpfigen Gruppe Städte wie Jekaterinburg, Kasan und Perm

Auf den Spuren der russischen Seele

Archivartikel

Bensheim.Eine Gruppe mit 40 Teilnehmern – Bensheimer Senioren, ergänzt durch auswärtige Freunde – begab sich auf eine privat organisierte 14-tägige Reise in den Osten des europäischen Teils von Russland.

Brigitte Sattler hatte als Vorsitzende der BdV-Ortsgruppe Bensheim dazu eingeladen. Die Tour führte über Moskau zum Ural nach Jekaterinburg, dort an die Grenze zwischen Europa und Asien, dann westwärts mit der Transsibirischen Eisenbahn nach Kasan. Dort startete eine sechstägige Kreuzfahrt auf dem Fluss Kama, dem größten Nebenstrom der Wolga, in Richtung Nordosten bis zur Stadt Perm, mit Landgängen beiderseits des Flusses. Zurück ging es über Kasan und Moskau nach Frankfurt. Bei der Reise wurde auf den Spuren von Kultur und Geschichte besonders auch der verbindende Kontakt zu weltoffenen russischen Menschen gesucht.

Nahe von Moskau galt ein Besuch dem deutschen Friedhof, auf dem sich das noch bis heute gepflegte Grab des von Russen hochverehrten „heiligen Doktors“ Joseph Haas (gestorben 1853) befindet, der als deutscher Arzt und Seelsorger im Land wohltätig gewesen ist – auch ging die Fahrt zu einem Massengräberfeld der „Stalinschen Säuberungen“, wo der mehr als 20 000 Erschossenen der Region gedacht wird. Ihre Namen sind in langer Reihe auf Steintafeln eingraviert, darunter auch viele deutsche.

In Jekaterinburg konnte im monumentalen Boris-Jelzin-Zentrum ein geschichtlicher Lauf durch die umwälzende Demokratie-Entwicklung nachvollzogen werden, beginnend mit Gorbatschows Perestroika. Es folgte die Besichtigung der „Kathedrale auf dem Blute“ an der Stelle der Ermordung der letzten Zarenfamilie 1918. Ein anliegendes Museum beschreibt hautnah das Leben und Sterben der Romanows. Bei einem vereinbarten Treffen mit dem General-Konsul von Jekaterinburg gab es in einer Fragestunde Informationen über aktuelle wirtschaftliche Aktivitäten. Nahe der Stadt erreichte die Reisegruppe die markierte Grenzlinie von Europa zu Asien.

Nach einer 13-stündigen Fahrt mit der Transsib war Kasan erreicht, die Hauptstadt der autonomen Republik Tatarstan – eine moderne, elegante Millionenstadt mit großer historischer Vergangenheit. Im dortigen Kreml bezeugen, dicht beieinanderstehend, Moschee und Kathedrale das friedliche Zusammenleben von Muslimen und Orthodoxen. Auch die einzige kleine evangelische Kirche wurde besucht, deren erfreuter Pastor über seine Minderheitsgemeinde berichtete.

Die Kama- Kreuzfahrt ließ die gewaltige Weite von Wasserflächen des Stromes und urwaldartiger Uferlandschaft erleben. Von den interessanten Landgängen sind zu erwähnen: die heilige Quelle in Nizhnekamsk, nahe Sarapul der überaus warmherzige Empfang bei den „Buranowskije Babushki“, welche als Gesangsgruppe alter Damen durch ihren furiosen Auftritt beim Eurovision Song Contest berühmt geworden sind, dann die Stadt Perm mit ihrer wechselvollen Geschichte von „Potemkinschen Dörfern“ über Stroganows Salzgruben, der Industrieperiode mit Stadtnamen Molotow bis zur heutigen Wandlung in eine moderne Kulturhauptstadt. Für Pasternak war Perm der literarische Ursprung für seinen Doktor Schiwago – aber auch eine unselige Zeit von Gulag-Lagern hat sich hier abgespielt.

Bei einem Begegnungsabend mit russischen Reisenden auf dem Schiff gab es die Möglichkeit, mit falschen Meinungsbildern aufzuräumen. Überraschend wurde die ehrende Bezeichnung „die deutsche Gruppe mit der russischen Seele“ ausgesprochen. Diese Anerkennung konnte dann mit einem Bühnenauftritt als Laienchor bekräftigt werden, indem ein eigens auf russisch eingeübtes Volkslied vorgetragen wurde.

Die Reihe von Sehenswürdigkeiten ging in Kasan zu Ende mit dem Anschauen der „Kasanskaja“, der berühmtesten Mutter-Gottes-Ikone, die als Beschützerin Russlands von den Gläubigen verehrt wird. Und schließlich gab es zum Abschied noch eine exklusive Einladung in die Musikhochschule zu einem wunderbaren Klassik-Konzert. Der Klang der Domra und die vielen anderen Erlebnisse der Reise bleiben allen Teilnehmern in wertvollster Erinnerung. red

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