Bensheim

Innenstadt Die Verwaltung präsentiert die Planungen für das Gewässer und den Spielplatz vor der Stadtbücherei / Lichtkonzept soll Rücksicht auf die Natur nehmen

Auf Trittsteinen durch die Lauter

Bensheim.Das Patent für die Aufwertung der Lauter in der Innenstadt zwischen Stadtmühle und Rinnentorturm wird von vielen beansprucht. Im Bürgernetzwerk ist es seit mehr als eineinhalb Jahren ein Dauerthema. Im Innenstadtdialog mit dem roten Sofa (nicht nur die Älteren erinnern sich) gab es Ideen – und wenn man lange genug wühlt, finden sich sicherlich Aufzeichnungen einer vergangenen Zukunftswerkstatt, in der man sich ebenfalls schon um den Bach kümmern wollte.

Abgesehen von Ruhm und Ehre für die Initiatoren spielt es aber letztlich keine Rolle, wer den finalen Stein ins Rollen gebracht hat. Vielmehr kommt es darauf an, dass ein entsprechendes Projekt so ausgeführt wird, dass es tatsächlich zu einer Belebung kommt. Jetzt gab es bei einer Info-Veranstaltung der Stadt an Ort und Stelle einen detaillierten Einblick, was genau umgesetzt werden soll.

Kein Spielplatz am Wasser

Schließlich geht es nicht nur um das Gewässer, sondern auch um den Spielplatz vor der Stadtbücherei. Der wird bekanntlich gut angenommen und befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Bächlein. „Wir wollen die Lauter erlebbar machen, aber keinen Spielplatz am Wasser einrichten“, erklärte Landschaftsarchitektin Maren Benetka Uher vom Büro Hofmann/Röttgen in Bensheim die zentrale Maßgabe.

Dafür wird der vorhandene Spielplatz umgestaltet und aufgewertet. Die Kletterkombination mit Rutsche wird ausgetauscht, das neue Modell verfügt über mehr Möglichkeiten, nach oben zu gelangen. Ein Bodentrampolin, das auch von jungen Rollstuhlfahrern genutzt werden kann, „kommt als zusätzliches Highlight dazu“, so die Diplom-Ingenieurin. Und auf die Wipptiere müssen die Kleinen ebenfalls nicht verzichten.

Optisch die größte Veränderung dürfte durch einen gestalterischen Eingriff anstehen: Von den Geräten aus wird über einen farbigen Bodenbelag ein Flusslauf angedeutet, den die Kinder durch Überspringen oder auf kleinen Brücken und Findlingen queren sollen. Das blaue Band führt Richtung Ufer, wo ein bereits vorhandener Abgang genutzt wird, um den Wasserlauf mit einbeziehen zu können. „Ich bin sicher, dass es die Fantasie anregen und ins Spiel einbezogen wird“, betonte Maren Benetka Uher, selbst zweifache Mutter.

Auf richtiges Nass muss verzichtet werden, weil nach Auskunft der Ersten Stadträtin Nicole Rauber-Jung keine Wasserleitung direkt vor Ort liegt. Man hätte auf einer Länge von 80 bis 100 Metern das Pflaster aufgraben und eine neue Leitung legen müssen. Darauf hat man nicht zuletzt aus Kostengründen verzichtet.

Wasser gibt es dann an der Lauter in Hülle und Fülle. Mit großen Natursteinblöcken sollen der Uferbereich erschlossen werden. „Das gibt aber kein Strand zum Liegen“, schickte die Landschaftsarchitektin voraus. Vielmehr kann man über Trittsteine in der Lauter auf die andere Seite und wieder nach oben gelangen. Die dortige Fläche, auf der zurzeit hauptsächlich geparkt wird, will man mit Sitzgelegenheiten aufwerten, um Aufenthaltsqualität zu schaffen. Trampelpfade entlang der Lauter sollen nicht entstehen. „Wir richten nur die Möglichkeit ein, den Bach zu überqueren. Eine Störung der Pflanzen- und Tierwelt soll vermieden werden“, erläuterte Nicole Rauber-Jung.

Die Resonanz der Teilnehmer an der Freiluftveranstaltung war bis auf wenige Ausnahmen positiv. Angeregt wurde unter anderem, bei den Spielgeräten die etwas älteren Kinder nicht aus den Augen zu verlieren. Maren Benetka Uher ist überzeugt davon, dass die Kletterkombination, das Trampolin und Stämme zum Balancieren nicht nur die Jüngsten ansprechen werden. Und die Chance, über das Wasser zu wandeln, werden sicher auch Erwachsene ergreifen.

Lediglich eine Schaukel, so lautete die Forderung von Jochen Henke, der sich mit dem Wipptieren als Attraktion für die Kleinen nicht anfreunden kann, könne nicht aufgestellt werden, weil diese zu viel Platz wegnimmt.

Eine Nachfrage zum Schutz der spielenden Kinder bei Hochwasser hatte die GLB-Fraktionschefin Doris Sterzelmaier. Florian Schumacher vom Gewässerverband Bergstraße konnte Aufklärung leisten, in dem er die Weschnitz in Einhausen als Beispiel heranzog. Dort kann man auf Trittsteinen den Fluss von Klein- nach Groß-Hausen überqueren. „Bei Hochwasser verschwinden die Steine komplett im Wasser. Dann gibt es keinen Anreiz mehr, sich zu verweilen.“ In Einhausen funktioniere es bedenkenlos. Bis zum nächsten Sommer sollen die Arbeiten laut Rauber-Jung abgeschlossen sein. Im November wird es eine entsprechende Vorlage für die Stadtverordnetenversammlung geben. Geld sei im Haushaltsplan vorhanden.

Lichtkonzept als dritte Säule

Neben Spielplatz und Lauterzugang stellt ein Lichtkonzept die dritte Säule des Plans dar. „Es ist ein Spagat zwischen Illumination und Naturschutz“, bemerkte Walter Bamberger, der ein Ingenieurbüro für Elektrotechnik und Lichtplanung betreibt und mit der Aufgabenstellung betraut ist. Demnach soll der Bachlauf mit Rücksicht auf Flora und Fauna so weit wie möglich nicht beeinträchtigt werden.

Akzente will man aber unter den Brücken (von der Mittelbrücke bis zum Rinnentorturm) setzen. Besondere Aufmerksamkeit erfahren die vorläufigen Endpunkte: der Turm und die historische Brücke, auf der auch die Brückenheiligen in Szene gesetzt werden. Wichtig nicht nur für Bamberger: „Wir wollen keinen Lichtsmog erzeugen.“ Die LED sind dimmbar und werden nicht die ganze Nacht durch brennen.

Bei Veranstaltungen wie Maiway wird über eine Schnittstelle die Möglichkeit bestehen, „die Beleuchtung aufzustocken. Aber das gilt nur für einzelne Aktionen“, fügte die Erste Stadträtin an. Generell habe man eine Verpflichtung gegenüber dem Artenschutz, die man erfüllen werde. Dazu gehört, dass die eingesetzten LEDs nicht zur Insektenfalle werden.

Sanjin Maracic vom Bürgernetzwerk freute sich, dass es nach eineinhalb Jahren endlich an die Umsetzung geht – und die Lauter „zu einem Erlebnis- und Begegnungsort werden kann“.

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