Bensheim

Parktheater Neujahrskonzert am 19. Januar für einen guten Zweck

Auftakt mit Philharmonie Merck

Archivartikel

Bensheim.Neujahr wird von den Zeitgenossen gerne als Zäsur genutzt. Die Geschehnisse des vergangenen Jahres werden abgehakt und aus einer mit Feuerwerk unterfütterten Gegenwart lassen sich Hoffnungen, Erwartungen und Chancen leicht in die Zukunft projizieren.

Doch dem klugen Menschen bleibt bewusst, dass all die Abläufe im Kontinuum der Zeit vor sich gehen. So lässt Hugo von Hofmannsthal, der Librettist der Strauss-Oper „Der Rosenkavalier“, die Marschallin sinnieren: „Die Zeit, die ist ein sonderbares Ding. Wenn man so hinlebt, ist sie rein gar nichts. Aber dann auf einmal spürt man nichts als sie; sie ist um uns herum, sie ist auch in uns drinnen.“

Die Zeit als roter Faden

Diese philosophische Betrachtung des Phänomens Zeit greift die Deutsche Philharmonie Merck musikalisch auf: Das Verfließen der Zeit und das Schlagen von Stunden ziehen sich wie ein roter Faden durch das mit „Auftakt 2020 – die Uhr tickt“ betitelte Neujahrskonzert am 19. Januar im Parktheater. Folglich kommt im ersten Teil die Sinfonie D-Dur Nr. 101 (Hob I: 101) von Joseph Haydn (1732-1809) zur Aufführung. Dieses Werk, das Haydn 1794 schuf, erhielt vermutlich von den Londonern wegen der gleichmäßig „tickenden“ Begleitfiguren im zweiten Satz – die Achtelfiguren der Pizzicati-Streicher und der Fagott-Staccati – den Beinamen „The Clock“, aber erst später in Wien etablierte sich endgültig der Beiname „Die Uhr“.

Man ist sich heute einig, dass Haydn mit diesem „Ticken“ nicht die Geräusche der Uhrmechanik kopieren wollte, sondern vielmehr den gegliederten Zeitablauf als wesentliches Element der gesamten Musik bewusst machen wollte. Die viersätzige Sinfonie, die mit einem dunklen Adagio einleitet, klingt mit einem geistvollen und vitalen Finale Vivace meisterlich aus. Haydn im Zenit seines Könnens.

Im zweiten Teil des Konzerts wird der Zeitgedanke durch die Ballettmusik „Tanz der Stunden“ aus Amilcare Ponchiellis bekannter Oper „La Gioconda“ (1876) aufgegriffen. Zum Thema passt auch die Ouvertüre zur Operette „Eine Nacht in Venedig“, die bekanntlich nie enden soll, von Johann Strauss (Sohn, 1825-1899). Aus seiner Feder stammen auch die ungarische Polka schnell „Eljen a Magyar“ op. 332 und die überwältigenden Walzerklänge „An der schönen blauen Donau“ op. 314, bei der man leicht das Ticken der Zeit vergessen kann.

Von Franz Lehár erklingt die Polka mazurka „Korallenlippen“, ehe die Strauss-Dynastie wieder die Musikherrschaft übernimmt. Von Josef Strauss (1827-1870) werden die Walzer „Sphärenklänge“ op. 235 und die Polka mazur „Die Libelle“ op. 204 zu hören sein. Bei der Libelle handelt es sich übrigens nicht um das Insekt, sondern um jenen für den Wiener Technikerball des Jahres 1856 komponierten Widmungswalzer, also jenes schwerelose Luftbläschen als dem entscheidenden Teilchen in einer Wasserwaage.

Man muss kein Hellseher sein, um zu befürchten, dass irgendwann der überschwängliche Melodienreigen dieses Neujahrskonzerts mit dem Radetzkymarsch op. 228 von Johann Strauss (Vater, 1804-1849) an sein traditionelles musikalisches Ende kommt. Aber die Uhren werden weiterticken.

Die musikalische Leitung des Konzerts liegt in den Händen von Kiril Stankow. Der 1982 in Neubrandenburg geborene Dirigent entwickelte schon während seines Studiums bei renommierten Professoren vielfältige Aktivitäten. Seit September 2017 ist Stankow als Kapellmeister und Assistent des Chefdirigenten am Staatstheater am Gärtnerplatz in München tätig. Im Sommer 2018 debütierte er mit der Norddeutschen Orchesterakademie in der Elbphilharmonie.

Zum elften Mal sind die „durchtrainierten Herren“ der Mittwochssportler Veranstalter des Neujahrskonzerts. Ihr Dank geht an alle Sponsoren und Unterstützer der Veranstaltung. Alle Erlöse gehen wieder zu gleichen Teilen an das Bensheimer Netz und die Bensheimer Tafel.

Karten für das Konzert, das am Sonntag, 19. Januar, um 19.30 Uhr im Parktheater beginnt, gibt es im Medienhaus Bergstraße, Telefon 06251/100816, in der Musikbox sowie unter www.philharmonie-merck.de Peter J. Zeyer

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