Bensheim

Bürgerbüro Terminal an der Alten Faktorei geht als eines der ersten in Deutschland in Betrieb / System der Bensheimer Firma Kern

Ausweise abholen mit Fingerabdruck

Archivartikel

Bensheim.Zehn Jahre vergehen manchmal schneller, als man denkt – und schon ist der alte Ausweis abgelaufen. Abgesehen von einem diensttauglichen Foto, für das man keine Miene verziehen sollte, heißt das: Auf zum Bürgerbüro, neuen Perso oder Reisepass beantragen und ein paar Wochen später wieder hin zur Abholung.

Das funktioniert in Bensheim noch relativ gut, weil das Bürgerbüro in der Alten Faktorei auch freitags bis 18 Uhr sowie samstags seine Dienste anbietet. Aber nicht immer passen Öffnungszeiten und persönlicher Tagesablauf zusammen. Oder die Freude hält sich in Grenzen, mit möglichen Wartezeiten bei den Mitarbeitern vorstellig zu werden – vor allem in Zeiten der Corona-Pandemie, Stichwort Kontaktreduzierung.

Eine neue Option

Die Verwaltung bietet deshalb ab sofort eine weitere Option an, um beantragte Dokumente abzuholen. Im Außenbereich der Faktorei in der Hauptstraße 39, neben dem Gedenkstein, wurde ein Ausweisabholterminal der Firma Kern installiert. Dort hat man rund um die Uhr sieben Tage die Woche Zugriff auf seinen Pass, nachdem dieser fertigstellt und deponiert wurde.

Am Dienstag präsentierten Bürgermeister Rolf Richter und Rainer Rindfleisch, Geschäftsführer der Kern GmbH, die Neuanschaffung. „Wir steigern damit unseren Bürgerservice“, betonte der Rathauschef mit einem Verweis auf die aus seiner Sicht ohnehin schon kundenfreundlichen Öffnungszeiten des Bürgerbüros.

Zudem freue ihn, dass mit dem in Bensheim ansässigen Unternehmen ein lokaler Partner für die Umsetzung gefunden wurde. „Die Stadt Bensheim erweist sich hier einmal mehr als serviceorientiert, zugleich aber auch als offen für neue, digitale Lösungen. Zum anderen ist es schön zu sehen, dass erneut ein hier ansässiges Unternehmen zukunftsweisende Impulse setzt.“ Kern hatte vor eineinhalb Jahren in Ludwigsburg ein Pilotprojekt gestartet, das noch bis Ende dieses Jahres läuft. Im September wurde in Leonberg ein weiteres Terminal eingeweiht. Vor einem Jahr etwa kam Richter mit Rindfleisch wegen eines Terminals ins Gespräch. Er sei sofort begeistert gewesen, meinte Richter.

Kosten von 25 000 Euro

Im Haushaltsplan wurden schließlich entsprechende Mittel eingestellt. Etwa 25 000 Euro musste die Stadt inklusive Verkabelung und Fundament investieren, ein Teil des Betrags kann mit einer Förderung durch das Land für Digitalisierung aufgefangen werden. Dafür gab es insgesamt 47 000 Euro aus Wiesbaden. Die Summe fließt anteilig in mehrere Vorhaben.

Abgesehen vom Testpartner Ludwigsburg sei das Bensheimer Terminal bundesweit eines der ersten, das in den Echtbetrieb gehe, sagte Richter. Der städtische Mitarbeiter Attilio Pazzanese demonstrierte, wie die Bürger an ihren Pass kommen. Zunächst müssen sie bei der Beantragung angeben, dass sie eine Abholung am Terminal bevorzugen und dafür einen digitalen Fingerabdruck sowie persönliche Daten (E-Mail-Adresse, Handynummer) hinterlassen. Liegt das neue Dokument vor, erhält der Antragsteller eine Mail mit einem Barcode oder einer Pin.

Um sich bei der Abholung zu identifizieren, gibt man den zugesandten Code ein. Zusätzlich liest das Terminal den Fingerabdruck aus, bevor eines der insgesamt 22 Ausgabefächer freigegeben wird, in dem das Dokument bereitliegt. „Damit erfüllt die technisch innovative Dienstleistung höchste Sicherheitsstandards“, hieß es dazu aus dem Rathaus, was von der Firma Kern bestätigt wurde.

„Das System ist sicher“

Probleme mit Vandalismus oder Diebstahl befürchte man an dieser Stelle in der Stadt nicht, bemerkte Rindfleisch. Ein hauseigener Versuch habe ergeben, dass es mehr als fünf Minuten brauche, um mit roher Gewalt ein Fach aufzubrechen – und dann wisse man nicht, ob es überhaupt bestückt sei. Zudem seien die Abläufe mit der Bundesdruckerei abgestimmt. „Das System ist 100 Prozent sicher“, so der Geschäftsführer. In Ludwigsburg habe man gute Erfahrungen gemacht.

Das Produkt aus seinem Haus sei als Smart-Terminal konzipiert, die Anwendungsgebiete sind vielfältig. Ursprünglich habe man es als Paketstation entworfen, so dass es auch zum reinen Warenaustausch eingesetzt werden kann – oder mit größeren Klappen für Kfz-Kennzeichen, was es wiederum für Zulassungsstellen interessant mache.

Bislang liegen Bestellungen aus 14 Städten und Gemeinden vor. „Wir sind auf einem guten Weg, das System hat Potenzial“, verdeutlichte Rindfleisch. Immerhin gebe es in Deutschland 11 000 Kommunen, für Großstädte sei das Terminal auch eine Alternative, um es in Stadtteilen aufzustellen.

Seit Dienstag ist das Terminal, dessen Gestaltung übrigens mit der Denkmalschutzbehörde abgestimmt wurde, in Betrieb. Bis die ersten Ausweise abgeholt werden, dürfte es aber noch drei bis vier Wochen dauern – weil man praktisch jetzt erst bei der Beantragung den Abholwunsch am Terminal angeben kann.

Erhält man dann seine Benachrichtigung, hat man 14 Tage Zeit, um seinen Pass aus dem Fach zu holen. Der Fingerabdruck wird sofort gelöscht, sobald der Vorgang abgeschlossen ist.

Im Bensheimer Bürgerbüro wurden nach Auskunft der Pressestelle 2019 insgesamt 4529 Reisepässe und 4300 Personalausweise ausgegeben.

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