Bensheim

Woche junger Schauspieler Schauspielhaus Düsseldorf riss das Publikum mit einer Inszenierung von "Jugend ohne Gott" mit

Beeindruckende schauspielerische Leistung

"Der Name auf einem Kriegerdenkmal ist der Traum ihrer Pubertät." Ein völlig normaler Gedankengang zur Zeit des Nationalsozialismus 1936, der auch im Theaterstück  „Jugend ohne Gott“ im Parktheater Bensheim vom Jungen Schauspiel des Düsseldorfer Schauspielhauses aufgegriffen wurde. Unter der Regie von Kristo Sagor und ursprünglich von Ödön von Horváth geschrieben, beschäftigt sich das Theaterstück mit den Folgen der politischen Manipulation und dem Mangel an Zivilcourage zur Zeit des Deutschen Reiches.

Ein junger Lehrer (Thomas Kitsche), der zwar selbst gegen den Nationalsozialismus ist, aber sich trotzdem, aus Angst vor dem Verlust seiner Arbeitsstelle, systemtreu verhält, bekommt den Einfluss des Regimes auf seine Schüler zu spüren. Schnell brennen sich die Grundprinzipien der NS-Ideologie in die Köpfe der Schüler ein und Entindividualisierung und Rassenhass stehen an der Tagesordnung. Dies macht sich durch die Reduzierung auf die Anrede mit nur einem Buchstaben bemerkbar, und so gibt es den N (Paul Jumin Hoffmann), der bereits früh durch seine rassistischen Äußerungen heraussticht, oder auch den Z (Jonathan Gyles), der seine Zweifel am System lediglich seinem Tagebuch offenbaren kann. Schon bald beginnt die vormilitärische Ausbildung in einem Zeltlager, geprägt durch die Vermittlung von Zucht und Ordnung. Als es zu Diebstählen kommt und Nachtwachen auserkoren werden, bemerkt der Lehrer, dass sein Schüler Z ein Tagebuch führt und beschließt, dieses heimlich zu lesen. Er erfährt von einer Liebesromanze zwischen Z und Eva (Selin Dörtkardes), der Anführerin einer Diebesbande. Als N am nächsten Tag tot vorgefunden wird, verstrickt sich das ganze Geschehen gleich in mehrere Intrigen. Das Geständnis des Lehrers, dass er das Tagebuch des Z gelesen hat, lässt andere Schüler den Mut gewinnen, etwas zu sagen. Somit stellt sich am Ende heraus, dass T, der bisher nur eine Nebenrolle gespielt hat, der Mörder ist. Schlussendlich hat ihn seine durch das System vermittelte Unfähigkeit zur Empathie dazu verleitet, einen unschuldigen Menschen zu töten.

Das Bühnenbild, das ausschließlich aus einer beweglichen Ebene bestand, zeigte sehr schnell seinen intelligenten Zweck. Durch diese Art der Inszenierung war es möglich, die verschiedenen Machtverhältnisse zwischen den Schauspielern zu verdeutlichen und gleichzeitig zu zeigen, dass zur Zeit des Nationalsozialismus jegliche Stabilität verloren ging, da ein falscher Schritt reichte, um die Konstruktion ins Wanken zu bringen. Auch wenn durch diese Wahl des beweglichen Bühnenbildes die Arbeit mit Requisiten verloren ging, konnten die Schauspieler durch ihre beeindruckende schauspielerische Leistung überzeugen, die auch in der Nachbesprechung des Öfteren zur Ansprache kam. Den Akteuren gelang es, die Eindringlichkeit ihrer Aussagen durch das ständige Sprechen im Chor so zu verstärken, dass man sich sehr gut in die Situation hineinversetzen konnte. Dieser Effekt wurde ebenfalls durch die von Iris Kraft getroffene Kostümwahl (Uniformierung in den Farben blau, weiß und rot) verstärkt, welche bei allen Akteuren gleich war und somit keine Entfaltung der Individualität zuließ. Sehr interessant war außerdem die Entscheidung, das Theaterstück sehr nah am Roman zu inszenieren, da nur zwei Wörter von Horvaths ursprünglichem Antikriegsroman verändert wurden. Somit wurde auch gleichzeitig die Aktualität des Themas  verdeutlicht. Auch musikalisch schaffte es Felix Rösch, durch die Verwendung einer auf das Stück abgestimmten und selbst komponierten Musik, stets an den richtigen Stellen Spannung aufzubauen und den Zuschauer somit regelrecht mitzureißen. Für Verwirrung sorgte jedoch die Tatsache, dass die Schauspieler immer mehrere Rollen übernahmen, sodass oftmals unklar war, welche Rollen gerade gespielt wurde, vor allem, wenn der Roman dem Zuschauer vorher nicht bekannt war. Schlussendlich schaffte es das fünfköpfige Nachwuchs-Ensemble aber, die Zuschauer mitzureißen und somit gelang es ihnen, ihre Leistung mit einem tosenden Applaus abzurunden.

 Lena Rettig, Q 2, AKG Bensheim

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