Bensheim

Weltbildungsbericht Christoffel-Blindenmission fordert Chancengleichheit und mehr Geld

Behinderte Kinder benachteiligt

Bensheim.Die Corona-Pandemie hat bestehende Probleme in vielen Bereichen noch verstärkt. Das gilt auch für Bildung. Schon vor der Pandemie ging die Hälfte der Kinder mit Behinderungen in Entwicklungsländern nicht zur Schule.

Jetzt wurde durch Kontaktsperren und geschlossene Schulen auch der Rest abgehängt. Sie werden vom Lernen ausgeschlossen, weil barrierefreie Lernformate fehlen. Außerdem haben viele arme Familien in Entwicklungsländern keinen Zugang zu den notwendigen Technologien.

Darauf macht die Christoffel-Blindenmission (CBM) aufmerksam und verweist auf den am Dienstag veröffentlichen Weltbildungsbericht. CBM-Vorstand Rainer Brockhaus fordert deshalb mehr Investitionen in inklusive Bildung: „Bildung für alle ist ein Menschenrecht. Jungen und Mädchen in Entwicklungsländern sind auf ein größeres Engagement der Geberländer angewiesen. Das gilt für Kinder mit Behinderungen genauso wie zum Beispiel für Kinder aus armen Familien. Die deutsche Regierung muss daher in ihrer Entwicklungszusammenarbeit mehr Inklusion fördern.“

Laut Bildungsbericht gibt es im Ländervergleich große Unterschiede zwischen arm und reich. Länder mit niedrigem Einkommen sind in Sachen Bildung schlecht aufgestellt. 40 Prozent der ärmsten Länder haben sich gar nicht erst überlegt, wie sie Kinder und Jugendliche mit Behinderungen während der Corona-Krise beim Lernen unterstützen können. Daneben werden auch innerhalb eines Landes die Unterschiede zwischen ländlichen Regionen und Städten und vor allem zwischen arm und reich verstärkt. Die CBM kann das aus ihrer Projektarbeit bestätigen: „Der Lernstoff wurde in vielen unserer Projektländer über Radio und Fernsehen vermittelt, Hausaufgaben über Smartphones verteilt. Arme Familien haben aber noch nicht einmal ein Radio, geschweige denn Internetzugang“, erklärt Brockhaus.

In diesen Familien leben häufig Mädchen und Jungen mit Behinderungen. Sie sind gleich doppelt benachteiligt. Denn ihnen würde selbst der Zugang zu den Technologien nicht helfen. Einem Mädchen, das nur hell und dunkel unterscheiden kann, bringt ein Fernseher wenig, ihr bleibt nur die Tonschiene. Und ein Junge mit einer Hörbehinderung ist komplett außen vor, wenn der Lernstoff nur per Radio zu ihm kommt.

Das zeigt, wie wichtig es ist, alle Kinder von Anfang an mitzudenken. Rainer Brockhaus: „Auch Schulen, die wir unterstützen, sind im Moment geschlossen. Aber die Lehrkräfte sind geschult, flexibel zu sein und Lösungen für Kinder mit Behinderungen zu finden. Sie versorgen zum Beispiel ihre Schüler mit Sehbehinderungen mit Arbeitsblättern in Blindenschrift oder mit Tonaufnahmen, wenn sie ein Gerät haben, um sie abzuspielen.“

Bildung, die alle erreicht, muss also nicht immer viel kosten. Gleichzeitig bedeutet eine Investition in Inklusion, für mehr Chancengerechtigkeit zu sorgen und niemanden zurückzulassen. red

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