Bensheim

Bürgerforum Innenstadt In der zweiten Plenumsrunde ging es zum Teil schon ans Eingemachte / Motto und Arbeitsprogramm: Die Innenstadt erleben

Bensheim-App soll aufgepeppt werden

Bensheim.Die Innenstadt als Erlebnisraum: für Jung und Alt, Groß und Klein, Einheimische und Gäste. Wo es Spaß macht, einzukaufen. Oder einfach nur zu bummeln, netten Menschen zu begegnen, ein Glas Wein zu trinken – Bergsträßer natürlich! – und viele andere positive Eindrücke mit nach Hause zu nehmen. Im Alltag und nicht nur bei Glanzlichtern im Jahreskalender: Das ist das Bild im Kopf, das beim zweiten Bürgerforum zum Bensheimer Zentrum Gestalt annahm. Erkennbar wurden erste Mosaiksteine für ein Gesamtkonzept, wie es immer wieder angemahnt wird, ohne eine genaue Vorstellung davon zu haben, was genau gemeint ist.

Zielvorstellung vor Augen

Geredet wird im Bürgerforum zur Zukunft der Innenstadt deshalb weniger über den Status quo als über eine Zielvorstellung, die Schritt für Schritt verwirklicht werden soll. Vier Arbeitsgruppen haben sich seit dem Start der Initiative im Oktober darüber Gedanken gemacht, Ideen gesammelt, Vorschläge auf ihre Umsetzbarkeit abgeklopft und hinterfragt, was auf die „Marke“ einzahlt. Richtschnur ist, bildlich gesprochen, der rote Faden, an dem sich alles orientieren soll. Das gilt sowohl für die infrastrukturellen Rahmenbedingungen an ein sich weiter veränderndes Konsumentenverhalten als auch für das operative Geschäft.

Plätze und Ecken aufmöbeln

Die Überschriften lauten: Die Innenstadt soll sich grün und in voller Blüte präsentieren, sauber und hell, (digital) vernetzt, mit starken kulturellen Akzenten, einem bedarfsgerechten Angebotsmix, der auch Nischen bedient – nicht zuletzt mit regionalen Produkten – und einer einladenden Gastronomie. Ein Erlebnisraum, wo Plätze, Ecken und Brunnen in Szene gesetzt und leerstehende Ladenflächen mit wechselnden Ausstellungen, Events und - auch zeitlich begrenzten Waren- und Unterhaltungsangeboten aus ihrem Dornröschenschlaf geholt sind.

Das klingt nach vielen Allgemeinplätzen, aber an einigen Punkten ging es bereits ans Eingemachte. Über die Notwendigkeit einer Bensheim-App, die außer unverzichtbaren Informationen und Hilfen für den Alltag ständig neue Anreize und Offerten enthält, herrschte in der Runde genauso Einigkeit wie darüber, dass das Leitbild von einer auch in zehn oder 20 Jahren noch attraktiven Innenstadt nur mit Unterstützung und Koordination durch ein professionelles Stadtmarketing mit Leben erfüllt werden kann. Bis zur dritten Plenumsrunde Anfang Dezember sollen dafür Konzepte zur strukturellen Aufstellung präsentiert werden.

Gleiches gilt für die Inhalte einer interaktiven App – und wie sie in der Praxis effizient, das heißt weitgehend automatisiert beigesteuert werden können.

„Wir müssen brennen“

Klar ist allen Teilnehmern, dass eine aufgemöbelte Innenstadt nicht zum Nulltarif zu haben ist – und schon gar nicht ohne die engagierte und auf einem Grundkonsens fußende Mitwirkung der Nutznießer, vom Händler und Gastronomen bis zum Passanten und Kunden. Um die unterschiedlichen Aspekte zu bündeln, sind unter dem Dach des Bürgerforums sämtliche Interessensgruppen versammelt. „Nur, wenn viele für die Idee brennen, kann das etwas werden“, brachte es ein Teilnehmer auf den Punkt. Die Aufbruchstimmung ist da. Zum Schwure kommt es, wenn es auch an den Geldbeutel geht.

App als „Lockvogel“

Diesmal gab es vor allem Input. Leah Bender, Studentin an der Uni Gießen, stellte eine App vor, die nutzerspezifisch einfach zu bedienen, aber vollgepackt ist mit Informationen zu allem, was Bensheimer und ihre Gäste über die Stadt wissen müssen. Im Lastenheft stehen neben den Basics wie Informationen zum Einzelhandel, zur Gastronomie und zu Dienstleistern, einem Veranstaltungskalender und regionalen Nachrichten weitere nützliche Funktionen wie eine interaktive Stadtkarte mit Informationen etwa zur Verfügbarkeit von Parkplätzen und Elektro-Tankstellen, ein Mängelmelder, die Fahrpläne des ÖPNV oder ein direkter Draht zum Rathaus, Institutionen und Vereinen. Ein Muss ist eine Plattform, auf der Bürger für sie wichtige Themen auf die Agenda setzen können. Attraktive Zugaben sind zum Beispiel ein digitales Gutscheinheft oder tagesaktuelle Benachrichtigungen, die Interesse für einen Besuch der Innenstadt wecken.

Die Online-Welt „in der Hosentasche“ kann das Erlebnis Innenstadt nur flankieren, aber nicht ersetzen, wie Marina Hofmann es formulierte. Sie betreut bei der IHK Darmstadt-Rhein-Main-Neckar den Handel. Zum Bürgerforum steuerte sie empirische Erfahrungen und Prognosen zum Kaufverhalten der Konsumenten von heute und in der Zukunft bei – und wie Geschäfte sich darauf einstellen müssen. „Handel ist Wandel“, lautet nicht von ungefähr ein geflügeltes Wort.

Wo städtebaulicher Handlungsbedarf besteht, wird vom Bürgerforum unter Leitung des Bensheimer Architekten Sanjin Maracic bei zwei Stadtrundgängen mit dem Fotoapparat dokumentiert – einmal tagsüber und bei einem abendlichen Termin, wenn in der Fußgängerzone „die Bordsteine hochgeklappt werden“, wie der Volksmund spöttelt.

Dritte Runde am 3. Dezember

Die vier Arbeitsgruppen, die sich mit den Themen Marke, Erlebniswert, Einkaufsattraktivität und Marketinginstrumente beschäftigen, werden bis zur dritten Plenumsrunde am 3. Dezember ihren Katalog an Vorschlägen priorisieren und so weit konkretisieren, dass für die Präsentation vor Entscheidern und für die öffentliche Diskussion deutlich wird, wohin und in welchen Schritten die Reise gehen soll. red

Info: Die Dokumentation der Vorschläge steht auf der Website des Bürgernetzwerks: www.buergernetzwerk.de Dort können sich Interessenten auch für eine Beteiligung an der Diskussion registrieren lassen.

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