Bensheim

Sankt Georg Rudolf Schmitt, Kenner der Stadtgeschichte, war bei den Senioren zu Gast

Bensheim-Bilder aus längst vergangener Zeit

Archivartikel

Bensheim.Nichts ist so beständig wie der Wandel. Der griechische Philosoph Heraklit von Ephesus war sich über Vergänglichkeit und Wandel schon 500 Jahre vor Christus bewusst, und diese Lebensweisheit gilt heute noch – auch für die Stadt Bensheim.

Rudolf Schmitt, versierter Kenner der Bensheimer Stadtgeschichte und seit vielen Jahren im Museumsverein tätig, nahm rund siebzig Senioren und Gäste beim Seniorenkreis der Stadtkirchengemeinde Sankt Georg mit auf eine Zeitreise in die Bensheimer Stadtgeschichte, um zu zeigen, wie sich das Erscheinungsbild der größten Stadt im Kreis Bergstraße in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Er präsentierte Bilder aus seinem umfangreichen Fundus und kommentierte sie fachkundig.

Beginn seines Stadtrundganges war am Ritterplatz. Zu sehen war die frühere Metzgerei Fuchs, der Rodensteiner Hof mit Stadtpark und Pavillon, der 1971 durch eine Gasexplosion stark beschädigt wurde und das Weingut Louis Guntrum. Mehrere Aufnahmen zeigten die obere Hauptstraße, in der im Zweiten Weltkrieg viele Häuser, vor allem auf der Ostseite, aber auch auf der Westseite zerstört, und nach dem Krieg wieder aufgebaut wurden (Haus Adam, Papiergeschäft Obst, Uhren-Klein, Gasthaus zu den „Drei Königen“).

Schwarzer Tag für Denkmalschutz

Besonders ging er auf den prächtigen Fachwerkbau Mespelbrunner Hof ein, der 1955 wegen der Erweiterung des Kaufhauses Müller der Spitzhacke zum Opfer fiel. Der frühere Stadtarchivar Dieter Blüm hat diesen Adelshof als Weihnachtsgeschenk für seine Kinder mit Streichhölzern nachgebaut und hat ihn später im Schaufenster einer Apotheke in der Bahnhofstraße ausgestellt. Rudolf Schmitt bezeichnete den Abriss dieses einmaligen und unwiederbringlichen Gebäudes als einen rabenschwarzen Tag in der Stadtgeschichte Bensheims und des Denkmalschutzes.

Gezeigt wurde auch ein Bild vom Kriegsende, das auf der ganzen Welt verbreitet wurde: US-Soldaten marschieren mit Stahlhelm und geschultertem Gewehr durch die zerstörte obere Hauptstraße Richtung Ritterplatz, und Frau Mix schaut fassungslos Richtung Marktplatz.

Der Marktplatz und die ihn umgebenden Gebäude sowie der Klosterkomplex und die Obergasse bildeten einen weiteren Schwerpunkt des Vortrags. Auch auf die aktuelle Diskussion zum Haus am Markt ging der Referent ein. Er sei strikt gegen den Abriss des erst rund vierzig Jahre alten Gebäudes, das sich wegen der gegliederten Fassade gut in das Ensemble der umgebenden Gebäude einfüge und damals bis zur Bundesarchitektenkammer hin gelobt wurde. Auch der Abrisss des Hauses Imhof und der Fachwerkhäuser in der Vorstadt wurde bedauert und der hässliche Betonklotz kritisiert. Die Neubauten am „Storchennest“ und der Bau des Parkhauses Süd zeigen ebenfalls, wie stark sich Bensheim in den letzten Jahren verändert hat.

Von vielen alteingesessenen Betrieben zeigte Schmitt sehenswerte Aufnahmen: Papierfabrik Euler mit Kommerzienrat Will Euler, einst größter Arbeitgeber der Stadt, Brauerei Guntrum, Steinmetzbetrieb Kreuzer, Tonwerk in der Weststadt mit den „Bachsteinlöchern“, Siemens-Ansiedlung, Firma Willmes (Traubenpressen) und Firma Wintrich (Feuerlöscher).

Wer alte Aufnahmen von Bensheimer Motiven hat, möge sich mit dem Museumsverein in Verbindung setzen. red

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