Bensheim

Hauptversammlung Hilfsverein wurde 2004 nach dem verheerenden Tsunami gegründet / Seither fast 600 000 Euro an Spendengeldern gesammelt

Bensheim hilft bereits seit 15 Jahren

Bensheim.Kommende Weihnachten ist es 15 Jahre her, dass der verheerende und todbringende Tsunami in Südostasien wütete. Engagierte Bürger schlossen sich damals zum Verein „Bensheim hilft“ zusammen und sammelten Spenden, um die in Not geratenen Menschen zu unterstützen.

Seitdem generieren die Mitglieder des Vereins mit eigenen Aktionen im Laufe des Jahres Einnahmen, sammeln Spenden und finanzieren damit gezielte Hilfe an Orten, wo Menschen durch Naturkatastrophen oder andere außergewöhnliche Ereignisse auf Unterstützung angewiesen sind.

Möglich macht diese gezielte Projektarbeit die Zusammenarbeit mit den in Bensheim ansässigen Hilfsorganisationen Karl-Kübel-Stiftung (KKS) und Christoffel-Blindenmission (CBM). Beide sind mit ihrer Arbeit weltweit tätig und können durch ihre Partnerorganisationen vor Ort gewährleisten, dass die finanzielle Hilfe des Vereins auch dort ankommt, wo sie gebraucht wird.

Auf diese Weise hat „Bensheim hilft“ seit seiner Gründung 2004 insgesamt fast 600 000 Euro „generiert und sozialen Zwecken zukommen lassen“, stellte Kassenwart Hans-Joachim Otto in der aktuellen Jahreshauptversammlung des Vereins fest. Die in diesem Jahr mit Vorstandswahlen verbundene Zusammenkunft fand wieder in den Räumen der Kübel-Stiftung statt, wo Vorsitzende Monika Buhse einen kurzen Einblick in die Aktivitäten des vergangenen Jahres gab.

Insgesamt waren die Aktionen wieder sehr erfolgreich. Angefangen vom Kuchenbüfett am Bürgerwehrbrunnen im Rahmen des verkaufsoffenen Frühlingssonntags bis zum personalintensiven Weihnachtsmarkt, denn die vor dem Kaufhaus Ganz stationierte Bude wurde über die kompletten drei Wochen besetzt. Verkauft wurden unter anderem rund 140 Kilogramm hausgemachte Plätzchen und über 600 Gläser Marmelade. Auch das alljährliche Adventskonzert der Philharmonie Merck in der Stadtkirche Sankt Georg ist eine sichere Einnahmequelle.

Soforthilfe von 10 000 Euro

Es könnte sogar etwas mehr sein, wenn der Verein für die Nutzung der Weihnachtsbude nicht 460 Euro Miete zahlen müsste, die sich beim Weihnachtsmarkt 2019 sogar auf 750 Euro erhöhen werde, so Buhse.

Mangels geeigneter Projekte unterstützte der Verein im vergangenen Jahr nur ein Projekt der Kübel-Stiftung mit einer Soforthilfe in Höhe von 10 000 Euro. Damit wurden insgesamt 45 Familien unterstützt, die im August 2018 im südindischen Bundesstaat Kerala durch einen zweiwöchigen Monsunregen Haus und Hof und ihre Ernte verloren hatten.

Wie KKS-Vorstandsmitglied Ralf Tepel berichtete, ist die Kübel-Stiftung in dem Gebiet mit zwei Projekten schon längerfristig tätig und konnte mit Hilfe ihrer Projektpartner vor Ort vor allem den speziell in den Bergen Keralas betroffenen Kleinbauern direkt helfen, ihre Landwirtschaft wieder aufzubauen. Hier war der Monsun hängen geblieben und hatte in den zwei Wochen Hänge und Terrassen abrutschen lassen, Ernten zerstört und Häuser unbewohnbar gemacht.

Mit der finanziellen Nothilfe von „Bensheim hilft“ konnte 23 Familien bei der Anschaffung von Saat- und Pflanzgut und 22 Familien bei der Anschaffung einer Milchkuh geholfen werden. Wichtig bei dieser Hilfe ist auch die damit verbundene Eigenbeteiligung der Kleinbauern, die 30 beziehungsweise 25 Prozent der Anschaffungskosten selbst übernehmen müssen.

Film über Flüchtlingscamp

Wie die Fotos vom Dezember 2018 zeigten, war bereits innerhalb von drei Monaten wieder die erste Ernte möglich, beziehungsweise durch die angeschaffte Milchkuh der notwendigste Lebensunterhalt gewährleistet. Wie Ralf Tepel ergänzte, standen der Kübel-Stiftung aus anderen Mitteln weitere 30 000 Euro für eine Ersthilfe zur Verfügung.

Zwar hatte die CBM im vergangenen Jahr kein geeignetes Projekt bei „Bensheim hilft“ angemeldet, doch nutzte Martin Rönnau die Jahreshauptversammlung gerne, um auf die bisherige Unterstützung des Vereins hinzuweisen. Knapp 300 000 Euro hat die CBM in den vergangenen 15 Jahren für die Unterstützung von Hilfsprojekten von „Bensheim hilft“ erhalten.

Mit einem kleinen Filmbeitrag informierte er über ein Flüchtlingscamp im Südosten von Bangladesch, in dem Rohingya-Flüchtlinge aus Myanmar leben. Ihnen auch in dieser Ausnahmesituation ein Stück Normalität zu geben, ist das Anliegen der humanitären Hilfe vor Ort. In dem Camp werden Kinder mit und ohne Behinderung zusammengebracht, Schulen barrierefrei gemacht und Lehrer für inklusiven Unterricht fortgebildet.

„Weltweit“, so Rönnau, „sind über 60 Millionen Flüchtlinge unterwegs.“ Die wenigsten davon kämen nach Deutschland, die weitaus meisten blieben in den jeweiligen Ländern. So beispielsweise die rund 900 000 Rohingya in Bangladesch.

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