Bensheim

Artemed-Stiftung Dr. Marius Contzen vom HGH unterstützt mit weiteren Kollegen ein Krankenhaus in La Paz

Bensheimer Mediziner in Bolivien

Bensheim.Bolivien ist eines der ärmsten Länder Südamerikas, und das ist auch in La Paz, dem Regierungssitz des Landes, allgegenwärtig. Viele Menschen und vor allem Waisenkinder, können sich eine medizinische Versorgung nicht leisten. Deshalb unterstützt die Artemed-Stiftung der Artemed-Klinikgruppe das Hospital Arco Iris in La Paz sowie die zum Projekt gehörenden Kinderheime.

Die Kinder erhalten hier umsonst Zugang zu medizinischer Versorgung. Ebenso steht das Krankenhaus der armen Bevölkerung von La Paz und der angrenzenden Stadt El Alto offen.

Wo man in La Paz nur hinsieht, herrscht Armut. Fast die Hälfte der urbanen Bevölkerung lebt in Slums, und besonders die Kinder leiden unter extremer Armut – über 6000 leben auf der Straße.

Weder der Staat noch die Gesellschaft sind in der Lage, für diese Kinder zu sorgen. Die Patienten müssen deshalb zum größten Teil selbst für ihre Behandlung aufkommen, was es vielen unmöglich macht, ihr Leiden zu lindern. Genau hier greift das Hospital Arco Iris ein.

Bereits im März konnte sich Dr. Marius Contzen, Chefarzt der Anästhesie und Intensivmedizin am Heilig-Geist Hospital Bensheim, ein Bild von der Lage in La Paz machen. In dieser Woche ist er nun mit einer Bensheimer Reisegruppe, bestehend aus Geschäftsführer Dr. Benjamin Behar und Klinikleiter Frank Löscher, erneut vor Ort. Mit Dr. Christian Möller-Karnick, Chefarzt für Neurochirurgie am Tabea Hamburg, wird ein weiterer Experte der Artemed-Klinikgruppe vor Ort sein. Ziel der Reise ist es, die dortigen Strukturen im Krankenhaus und insbesondere im OP zu analysieren und weiter zu verbessern.

Im Kurzinterview berichtet Contzen über seine ersten Eindrücke, seine Erwartungen und seine Beweggründe.

Was waren Ihre ersten Eindrücke von La Paz bei Ihrem Besuch im März?

Marius Contzen: La Paz ist unwahrscheinlich groß, extrem eng bebaut, und es gibt sehr viel Verkehr. Die Altersstruktur ist ganz anders als in Deutschland – es gibt viel mehr junge Leute. Alles ist bunt und lebensfroh. Gleichzeitig schlägt einem die Armut überall im Alltag entgegen. Oft sieht man Kinder, die bettelnd am Straßenrand sitzen.

Was haben Sie vom Projekt bereits gesehen?

Contzen: Wir haben zunächst die Kinderheime besucht. Hier war ich positiv beeindruckt. Die Waisenkinder waren mit Essen und Kleidung gut versorgt. Durch das Projekt haben sie seit über 25 Jahren Zugang zu Bildung, Zahnärzten und Allgemeinmedizinern. Das Krankenhaus selbst ist recht klein, muss aber sehr viele Patienten versorgen. Diese kommen aufgrund der kostenlosen Versorgung von weit her. Platzmäßig ist das Krankenhaus überlastet. In der Zentralen Notaufnahme und im OP sind erfreulicherweise aber bereits Strukturen mit westlichen Standards zu erkennen. Auch die nötigen Gerätschaften sind mit CT und MRT vorhanden.

Warum unterstützen Sie dieses Projekt?

Contzen: Als mich Dr. Behar gefragt hat, ob ich mir vorstellen könnte zu helfen, habe ich sofort Ja gesagt, da mich das Projekt von Anfang an gefesselt hat. Verstärkt wurde dies, als ich in La Paz Pater Josef – oder Padre Jóse, wie sie ihn vor Ort nennen – kennenlernen durfte. Pater Josef ist ein deutscher Pfarrer, der mittlerweile über 80 ist. Er hat das Projekt vor über 25 Jahren initiiert und auf den Weg gebracht. Von ihm war ich total beeindruckt. Ich habe selten einen Menschen erlebt, der mit so viel Freude und Überzeugungskraft an eine Sache herangegangen ist. Des Weiteren ist das ganze Projekt extrem nachhaltig. Die Kinder aus den Heimen werden auch über das 16. Lebensjahr hinaus begleitet. Häufig lernen und arbeiten sie später in der zum Projekt gehörigen Bäckerei, der Schreinerei oder dem Krankenhaus. Einige sind später selbst Betreuer in den Kinderheimen geworden.“ red

Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel