Bensheim

Kolpingsfamilie Die traditionelle Herbstweinprobe wurde von Pfarrer Förg mit Zitaten und Kommentaren ergänzt

Bibel und Wein passen gut zusammen

Bensheim.Wein soll des Menschen Herz erfreuen, er galt als Grundnahrungsmittel, Bestandteil ritueller Opfergaben, wurde als Heilmittel für die Wundheilung verwendet und Jesus wurde oft als Weinstock bezeichnet. So wie eine Rebe nur an einem verwurzelten Weinstock gedeihen kann, findet der Mensch über die Verbindung mit Jesus den Zugang zu Gott.

"Über 168 Mal ist in der Bibel von Wein die Rede", so Pfarrer Heinz-Jürgen Förg, und einiges davon war bei der Weinprobe zu hören, zu der die Kolpingsfamilie wie jedes Jahr im Herbst ins Kolpingshaus eingeladen hatte. Bibel und Wein war in diesem Jahr das Thema und dessen Besonderheit drückte sich auch in der Auswahl der von Kolpingsbruder Heinrich Hillenbrand zusammengestellten 14 Weinproben aus.

"Trinkfest und arbeitsscheu"

Der frühere Leiter des Staatsweingutes Bergstraße bezeichnete sich selbst zwar als "nicht so bibelfest", aber dafür als "trinkfest und arbeitsscheu" und so teilten sich Hillenbrand und Förg entsprechend ihrer Profession die Moderation des Abends, für die sie von den rund 100 Gästen immer wieder Applaus erhielten. Komplettiert wurde das Trio am Moderatorentisch von der Bergsträßer Gebietsweinkönigin Jessica Lehmann.

Den Auftakt machten vier Rotweine, darunter mit einem 2015er Tabor Beit Hakerem auch eine Besonderheit aus Israel. Der Cuvée-Wein ist eine gehaltvolle Komposition aus Cabernet- und Merlottrauben mit nicht zu viel Gerbsäure. Auf rund 7000 Hektar Rebfläche wird in Israel Wein angebaut, wovon 2000 Hektar auf Tafeltrauben entfallen und der Rest als edles Getränk ausgebaut wird. Pfarrer Förg, ein Kenner des Landes, in dem er gerade die Herbstferien verbracht hatte, bezeichnete Israel als eine der ältesten Weinkulturen der Welt. Vor allem im Norden des Landes, am See Genezareth und auf den Golanhöhen, werde der Wein angebaut.

Vom Weingut Volker Dingeldey in Gronau kam der 2014er Bensheimer Streichling, ein trockener, eleganter Qualitätswein der Rebsorte St. Laurent. Mit seinen im Nebenerwerb ausgebauten Weinen hat Dingeldey im vergangenen Jahr bereits zum zweiten Mal den Staatsehrenpreis erhalten.

Nur selten anzutreffen

Der vom Weingut Jäger im Barrique-Fass mit einer feinen Holznote ausgebaute Blaue Zweigelt ist eine österreichische Rotweinsorte, die aus einer Kreuzung von St. Laurent und Limberger hervorgegangen ist.

Den Bensheimer Schwarzriesling ("nicht zu schwer, mit einer gewissen Eleganz") gibt es nur beim Weingut Götzinger und ist auch innerhalb Deutschlands wenig anzutreffen.

Leicht und beschwingt kommt der 2016er Frühlingsgarten, ein Blanc de Blanc vom Staatsweingut Bergstraße, daher, während der 2016er Auerbacher Rott vom Weingut Rothweiler etwas gehaltvoller und kräftiger ist. Die hier ausgebaute Rebsorte Ehrenfelser wurde in Geisenheim als Rieslingersatz gezüchtet.

Vom Zwingenberger Weingut Gärtner kam der 2016er Alsbacher Schöntal. Der Silvaner Qualitätswein wurde schonend ausgebaut, ist ein beschwingter Wein mit etwas Kohlensäure. Einen fülligen, fruchtigen Müller-Thurgau fumé hat das jüngste Bergsträßer Weingut Schloss Schönberg im Barrique-Fass mit dem Auerbacher Höllberg kreiert.

Vom Weinbau Koob in Heppenheim wurde ein 2016er Grauburgunder ausgeschenkt, ein "kräftiger, fülliger und nachhaltiger Kabinettwein", so Hillenbrand. Als "etwas flotter" bezeichnete er im Vergleich den Weißen Burgunder des Weingutes der Stadt Bensheim. Der 2015er Bensheimer Kalkgasse zeichnet sich besonders durch seine geringe Säure und gute Magenverträglichkeit aus.

Deutschlandweit "eine Rarität" ist der rosa Chardonnay, eine Farbmutation des weltweit bekannten weißen Chardonnay. Die von der Bergsträßer Winzergenossenschaft ausgebaute Spätlese kam als 2016er Heppenheimer Steinkopf ins Glas und erwies sich als nachhaltiger, fülliger Wein.

Spätlese als Krönungswein

Anlässlich der Wahl von Charlotte Freiberger zur Weinprinzessin hatte das elterliche Weingut den 2016er Heppenheimer Riesling als Krönungswein herausgegeben - eine sehr fruchtige Spätlese.

Sehr schwankend sind die Erträge beim Gewürztraminer, der nur noch auf wenig Rebfläche vorhanden ist. Für Weinliebhaber ist die 2016er Bensheimer Paulus Spätlese vom Weingut Mohr daher etwas Besonderes und wegen seiner würzigen Nachhaltigkeit auch für einen guten Abschluss geeignet.

Den Abschluss der Weinprobe im Kolpinghaus bildete aber ein Auslesewein vom Weingut Götzinger. Der 2015er Bensheimer Streichling, ein Weißwein von der Roten-Riesling-Traube, ist eine Rarität, deren Anbau ursprünglich nur für Hessen zugelassen war. Langlebig und mit aromatischer Würze vermittelt er ein "Maul voll Wein", wie es Hillenbrand nannte.

Zum Abschluss dankte der Vorsitzende der Kolpingsfamilie, Dr. Josef Roesch, für einen interessanten Wein- und Bibelabend, der Jungkolping für den Service an den Tischen und Theo Gärtner für die organisatorische Vorbereitung. Hingewiesen wurde schon jetzt auf die Reise des Vereins im kommenden Juni, die in die norditalienischen Provinzen Friaul und Veneto führen wird.

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