Bensheim

Kirchbergmorde Gedenkfeier zur Erinnerung an die zwölf Menschen, die im März 1945 von der Gestapo ermordet wurden

Brandmauern gegen Rassismus

Archivartikel

Bensheim.Bei der diesjährigen Gedenkfeier für die zwölf Menschen, die von der Gestapo am 24. März 1945 am Kirchberg ermordet wurden, nahmen Bürgermeister Rolf Richter, die GLB-Fraktionsvorsitzende Doris Sterzelmaier, die Stadtverordneten Jochen Kredel und Wolfram Fendler sowie Sprecherin Jutta Zinecker teil. Darüber hinaus fanden sich etliche Besucher am Gedenkort ein. Michael Krapp, Sprecher der GLB, begrüßte die Anwesenden und dankte Hannelore Schmanke dafür, dass sie mit drei Schülerinnen die Gedenkstunde musikalisch begleitete.

Angelika Köster-Loßack, Vorsitzende des Auerbacher Synagogenvereins, erinnerte mit der Verlesung der Namen und Herkunftsorte aller bekannten Opfer an ihre Zugehörigkeit zu ganz unterschiedlichen Familien und europäischen Nachbarländern, Deutschland, Niederlande und Frankreich. Drei der Ermordeten konnten nicht identifiziert werden.

Köster-Loßack wies darauf hin, „dass die zwölf Menschen ermordet wurden, weil sie gemäß der nationalsozialistischen Ideologie aus dem Kreis der sogenannten Volksgemeinschaft“ ausgeschlossen waren: wegen ihrer Herkunft aus jüdischen Familien, wegen ihres jugendlichen Widerstandes gegen die Nazis, wegen Kriegsdienstverweigerung, wegen ihrer slawischen Herkunft, wegen ihrer Mitgliedschaft in SPD und KPD und wegen ihrer Zugehörigkeit zu europäischen Nachbarn, die von Deutschland überfallen worden waren.

„Auch heute sehen wir, wie es nicht mehr nur bei ideologischen Rechtfertigungen für Entrechtung, Diskriminierung und Vertreibung ganzer Bevölkerungsgruppen bleibt. Im Gegenteil, antisemitische und rassistische Verschwörungstheorien führten zu Mordaufrufen, Mordversuchen und Mord“, hieß es bei der Gedenkveranstaltung weiter. An Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, wurde in diesem Jahr ein Mordanschlag auf die jüdische Gemeinde in Halle versucht, der nur knapp scheiterte. Der Täter hat dann zwei Menschen ermordet, eine Frau, die zufällig vorbeikam und einen Mann, der in einem Dönerrestaurant etwas zu essen holte.

„Vor drei Wochen war ich in Halle Gast beim Schabbat-Gottesdienst. Es war nur eine kleine Anzahl von Gläubigen versammelt,die noch unter dem Eindruck des Anschlags standen, aber nicht darüber sprachen“, berichtete Angelika Köster-Loßack.

Und weiter: „Unsere Erinnerung an die Ermordeten muss uns dazu ermutigen, gegen jegliche Art von Menschenverachtung im Alltag Stellung zu beziehen. Vor allem müssen wir gegen antisemitische und rassistische Ideologien Brandmauern errichten, beginnend in Kindergärten, Schulen, Ausbildungsstätten und Universitäten.“

Die Gedenkveranstaltung endete mit bewegender Musik und Gesprächen. red

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