Bensheim

Kultursommer Freiburger Münsterorganist Jörg Schwab zu Gast bei der 9. Orgelnacht in Sankt Georg

Bravouröse Improvisationen ganz ohne Stilgrenzen

Archivartikel

Bensheim.Musikalische Improvisationskunst von seltener Vielfalt hielt die 9. Bensheimer Orgelnacht in der Stadtkirche Sankt Georg parat. Regionalkantor Gregor Knop hatte dafür mit dem Freiburger Münsterorganisten Jörg Schwab einen herausragenden Protagonisten gewinnen können, der nicht zuletzt als (mehrfach prämierter) Improvisator einen exzellenten Ruf genießt.

Nur 50 Zuhörer

Das gut dreistündige Programm dieses Abends belegte exemplarisch, welche Fülle an Überraschungen gerade die „Königin der Instrumente“ immer wieder zu bieten vermag. Umso bedauerlicher war es, das die Resonanz heuer mit nur rund 50 Besuchern deutlich schwächer ausfiel als bei den vorherigen Orgelnächten (deren höhere Attraktivität wohl an den gezeigten Stummfilmklassikern lag).

Der erste Konzertteil „Original und Fälschung“ stellte komponierte Vorlagen und stilgetreue Improvisationen auf reizvollste Weise gegenüber. Gregor Knop übernahm die Originale: Das farbensatte Spektrum reichte von Bachs berühmter Vivaldi-Adaption BWV 593 über Couperins fünfsätziges „Kyrie“ aus der Klostermesse von 1690 und Messiaens geniales Frühwerk „Le banquet céleste“ (1928) bis zum ganz à la Händel stilisierten „Trumpet Air“ des Engländers Paul Bryan (*1950). Jörg Schwabs Improvisationen antworteten darauf jeweils so perfekt, dass man sie über weite Strecken für originale Kompositionen der entsprechenden Vorbilder hätte halten können. Imposant das als Vivaldi-Bach-Mixtur inszenierte dreisätzige d-moll-Concerto, charakteristisch bunt die französisch verspielte Suite über „Dank sei dir, Vater“, famos detailfreudig die von Vogelstimmen belebte Messiaen-Hommage „Meditation“, echt Händel-like das auf einem Thema von Wolfgang Seifen basierende finale „Trumpet Tune“: Schwabs meisterlich kreativer Umgang mit den Orgelstilen der Jahrhunderte war ein steter Quell der Bewunderung und Begeisterung.

Humorvolles Quiz

Besonderes Vergnügen bereiteten die im zweiten Programmteil folgenden Improvisationen über vom Organisten ausgewählte und von den Zuhörern spontan zu erratende Themenvorschläge aus dem Publikum. In der mit humorvollen Highlights wie „Bruder Jakob“ oder „Der Kuckuck und der Esel“ aufwartenden einleitenden Volksliedersuite bekam sogar das bekannte „Bensemer Lied“ seinen großen Auftritt. Glanzstück der sich anschließenden Choralsuite war fraglos das federleicht auf Bachs Spuren wandelnde Juwel „Wie schön leuchtet der Morgenstern“. Richtung Jazz ging es danach in den ebenso entspannt wie elegant veredelten Standards „Night and Day“ (Cole Porter 1932), „My Way“ (Claude Francois 1967) und „Take five“ (Paul Desmond 1959). In der von einer virtuosen „Toccata“ gekrönten dreisätzigen „Sommersinfonie“ über das Lied „Geh aus, mein Herz und suche Freud“ zelebrierte Schwab dann nochmals die ganze Farbenpracht der Klais-Orgel.

Stimmungsvoller Ausklang

Besinnliche Improvisationen über von Gregor Knop und den Zuhörern im strophischen Wechsel gesungene Abendlieder wie „Der Mond ist aufgegangen“ oder „Nun ruhen alle Wälder“ machten den letzten Programmteil zum stimmungsvollen Ausklang dieser im Rahmen des „Kultursommers Südhessen“ präsentierten und mit viel Beifall quittierten 9. Bensheimer Orgelnacht.

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