Bensheim

Kunstfreunde Armida-Quartett mit italienisch gefärbtem Programm zum ersten Mal im Bensheimer Parktheater

Brillanz von Berio bis Verdi

Bensheim.Für ihr drittes Saisonkonzert hatten die Kunstfreunde erstmals das 2006 gegründete Berliner Armida-Quartett eingeladen. Die ARD-Sieger von 2012 (1. Preis plus sieben Sonderpreise) gehören nach gefeierten Auftritten in wichtigen Konzertreihen („New Generation Artists“, „Rising Stars“) und hoch gelobten CD-Einspielungen längst zur internationalen Spitze der Branche.

Das Parktheater-Debüt der in der Berliner Meisterklasse des Artemis-Quartetts ausgebildeten Musiker ließ diese herausragende Karriere nur folgerichtig erscheinen. Martin Funda (1. Violine), Johanna Staemmler (2. Violine), Teresa Schwamm (Viola) und Peter-Philipp Staemmler (Violoncello) zeigten sich als ideale künstlerische Einheit. Individuelle Präsenz und quartettspezifisches Klangverständnis kamen in ihrem außergewöhnlich reif wirkenden Spiel eindrucksvoll zusammen.

Vielfältige Erfahrungen

Umso bemerkens- und bewundernswerter ist es, dass drei der vier Armida-Streicher neben ihrer intensiven Quartettarbeit noch andere exponierte Tätigkeiten ausüben: Funda als Professor für Kammermusik in Stuttgart, Schwamm als Solobratschistin der Hamburger NDR-Elbphilharmonie, Peter-Philipp Staemmler als Solocellist des hr-Sinfonieorchesters. Derart vielfältige Erfahrung meint man den perfekt geschliffenen Interpretationen des Ensembles denn auch stets anzuhören. Haydns bekanntes „Lerchenquartett“ D-Dur opus 64/5 von 1790 war eine echte Visitenkarte – schwerelos heiter der titelgerecht beflügelte Kopfsatz, wunderbar verinnerlicht das durch leuchtende Primarius-Soli veredelte A-Dur-Adagio, geistvoll pointiert das erfrischend würzige Menuetto, superb virtuos der federleicht entfesselte Finalsatz. Die „Armidas“ boten Haydn-Esprit der Extraklasse.

Für den Rest des mit nur einer Stunde Gesamtdauer eher kurzen Programms hatte das Ensemble dagegen weniger geläufiges Repertoire ausgesucht und ermöglichte so interessante (Wieder-) Entdeckungen. Luciano Berios einsätziges viertes und letztes Streichquartett namens „Glosse“ entstand 1997 als Auftragswerk für den renommierten Borciani-Wettbewerb, bei dem damals das Artemis-Quartett einen seiner ersten Triumphe erlebte. Auch die vier Armida-Musiker bewiesen exemplarische Moderne-Kompetenz, indem sie diesen besonders kontrast- und farbenreichen Zehnminüter mit fast szenischer Imaginationskraft auf den Punkt brachten – eine sehr spannende Hörerfahrung, ein feines kleines Plädoyer für Neue Musik. Verblüffend gut passte dazu Hugo Wolfs 1887 entstandene „Italienische Serenade“ G-Dur, deren komödiantischer Zauber in elektrisierender Brillanz versprüht wurde. Insofern mochte man durchaus bedauern, dass nicht noch ein weiteres Kabinettstückchen als Programmergänzung dabei war.

Famos schmiegsame Wiedergabe

Verdis einziges Streichquartett e-moll von 1873 ist schon deshalb ein Ausnahmewerk , weil es auf wohlfeile opernhafte Breite verzichtet und stattdessen formbewusst den großen klassischen Genrepionieren Haydn und Mozart folgt. Die „Armidas“ machten in ihrer famos schmiegsamen Wiedergabe neben diesen Vorbildern auch aparte Anklänge an die romantische Klassizität à la Mendelssohn hörbar, ohne aber den charakteristisch eingängigen Verdi-Ton je zu verleugnen. Die beiden Anfangssätze mit ihrem vielgestaltig mitteilsamen Melos lieferten dafür ebenso schöne Beispiele wie das von einem herrlichen Cellogesang unterbrochene Prestissimo-Tänzchen und der funkelnde Scherzo-Kehraus mit seinen das „Falstaff“-Finale antizipierenden Fugato-Kapriolen.

Nach starkem Schlussbeifall im dicht besetzten Parktheater servierten die Gäste noch den auf Piazzollas Spuren wandelnden dritten Satz „Tango“ aus Marko Nikodijevics fünfsätzigem zweiten Quartett, das ihnen gewidmet ist und erst im Juli uraufgeführt wurde.

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