Bensheim

Kunstfreunde Nash Ensemble of London mit Grieg, Schostakowitsch und Brahms im Parktheater

Britische Meister der Kammermusik

Bensheim.Bewährte Stammgäste aus London: Für ihr viertes Saisonkonzert hatten die Kunstfreunde bereits zum dritten Mal nach 2014 und 2017 das traditionsreiche Nash Ensemble nach Bensheim eingeladen. Einmal mehr bildeten an diesem Abend im sehr gut besuchten Parktheater Klassiker des Klavierquintett-Repertoires den programmatischen Schwerpunkt. Alte Bekannte in der Nash-Crew waren der niederländische Geiger Michael Gurevich, der Bratscher Lawrence Power und der Cellist Adrian Brendel. Ihr Bensheimer Debüt erlebten der Primarius Benjamin Nabarro und der schottische Pianist Alasdair Beatson, der wohl als designierter Nachfolger des legendären Nash-Veteranen Ian Brown gelten darf.

Los ging es allerdings zu dritt mit Edvard Griegs „Andante con moto“ c-moll (1878), das der Norweger vermutlich als langsamen Satz eines dann leider nicht weiter ausgeführten Trios vorgesehen hatte. Beatson, Nabarro und Brendel machten aus der Parktheater-Premiere des erst 1978 veröffentlichten Juwels einen unvergesslichen kleinen Leckerbissen für alle Grieg-Fans im Publikum. Süffiger in den balladesk-melodiösen Hauptteilen und feiner in den tänzerisch-duftigen Dur-Aufhellungen konnte man sich ihre wunderbar beseelte Wiedergabe kaum wünschen. Dieser mustergültige Einsatz für selten gespieltes Repertoire entsprach bester Nash-Tradition.

Eine weitere hochkarätige Rarität folgte mit Dmitri Schostakowitschs g-moll-Klavierquintett opus 57 (1940), das zuletzt vor 17 Jahren bei den Kunstfreunden erklungen war. Die famos harmonierenden Musiker aus London trafen den typischen Schostakowitsch-Ton in allen Sätzen perfekt:

Ergreifend schon die an kontemplativer Leuchtkraft (Bratschensoli!) kaum zu überbietenden Auftaktabschnitte Präludium und Fuge, herrlich bissig und doch stets klug dosiert das charakteristische H-Dur-Scherzo, sublim das durch zarteste Primarius-Kantilenen veredelte d-moll-Intermezzo, geistvoll verspielt der atmosphärisch besonders vielschichtige G-Dur-Kehraus. Neben Power und Nabarro zeigten hier auch Brendel, Gurevich und Beatson immer wieder herausragend individuelles Format. Schostakowitschs Quintett wurde dank ihrer Intensität als absolut gleichrangiges Schwesterwerk des populären e-moll-Trios opus 67 (1944) erlebbar - eine große interpretatorische Tat.

Wesentlich häufiger hat man dagegen im Konzert Johannes Brahms‘ f-moll-Klavierquintett opus 34 (1864) gehört, aber wohl kaum je genauer ausdifferenziert und ausbalanciert als an diesem Abend vom Nash Ensemble.

Der bravourös klangsensible Pianist und seine ebenbürtig inspirierten Partner entfalteten vor allem die lyrischen Feinheiten etwa im As-Dur-Andante mit berückender Delikatesse, blieben jedoch auch der sinfonischen Wucht des ersten wie des dritten Satzes nicht das Geringste schuldig. Krönender Höhepunkt war das furios gesteigerte Finale, dessen ungarischer Touch wahrhaft schwärmerisch ausgekostet wurde. Diesem Brahms für Genießer ließen die vom Publikum gefeierten Nash-Musiker noch mit dem Scherzo-Reißer aus Dvoráks A-Dur-Klavierquintett opus 81 eine ihrer Lieblingszugaben folgen.

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