Bensheim

Stimmen Tobias Heinz sieht den Bürgermeister in einer guten Ausgangslage / Wolfram Fendler hebt die Rolle seiner Partei hervor

CDU zuversichtlich, die Grünen sehen sich bestätigt

Archivartikel

Bensheim.Tobias Heinz, Vorsitzender des CDU-Stadtverbands, sieht Bürgermeister Rolf Richter in einer guten Ausgangslage für die Stichwahl am 15. November. Er habe die meisten Stimmen erhalten und einen ordentlichen Vorsprung auf die zweitplatzierte Christine Klein.

Die Gefahr, dass die unterlegenen Herausforderer dazu aufrufen könnten, sich gegen den Rathauschef zu verbünden, sieht er nicht. „Bei einer Wahl sollte es darum gehen, für einen Kandidaten zu stimmen und nicht gegen jemanden.“ Er gehe davon aus, dass die Wähler nun genau hinschauen werden, wem sie ihre Stimme geben wollen.

Werbung für den Amtsinhaber

Die bisherigen Unterstützer von Stefan Stehle (FDP) und Frank Richter (unabhängig) könnten sich seiner Ansicht nach gut bei den Zielen von Rolf Richter wiederfinden. Das gleiche gelte für die Wähler von Manfred Kern (Grüne), die auf Klimaschutz setzen, verwies Heinz unter anderem auf die Aktivitäten aus dem Rathaus im Zuge des Masterplans 100 Prozent Klimaschutz. Hinzu komme, dass es jahrelang eine gute Zusammenarbeit mit den Grünen in Bensheim gegeben habe.

Die Grünen wollen allerdings bei ihrer Mitgliederversammlung heute voraussichtlich eine Empfehlung für Christine Klein aussprechen. „Das heißt aber nicht automatisch, dass alle Stimmen dann zu ihr wandern. Die Wähler müssen sich ja nicht an die Vorgabe der Partei halten und werden sich schon selbst ihre Gedanken machen“, ist sich Heinz sicher.

Nach Meinung des Stadtverbandsvorsitzenden müsse sich zunächst Christine Klein erklären, wie ihr Verhältnis zur SPD ist. Dort ist sie Mitglied, für die Sozialdemokraten kandidiert sie für den Kreistag. In Bensheim tritt sie als unabhängige Bewerberin an. „Da muss mal klar gesagt werden, wie das aussieht“, so Heinz. Es stelle sich auch die Frage, auf welche Fraktionen sich Klein stützen wolle, solle sie gewählt werden.

Grünen-Sprecher Wolfram Fendler bewertete den Wahlausgang als überraschend. „Aber ich glaube, dass es ein deutliches Zeichen ist und uns in unserem Handeln bestätigt, dass Rolf Richter bei Weitem nicht die Zahl der Stimmen bekommen hat, die er erwartet hat.“

Wahlkampf mit Leidenschaft

Das Ergebnis zeige, dass die Bensheimer mit der Amtsführung des Bürgermeisters unzufrieden seien. Diese Unzufriedenheit hätten die Wähler nur äußern können, weil die Grünen die Initiative ergriffen haben und einen Kandidaten aufstellten – „erst danach haben die anderen ihre Hüte in den Ring geworfen“. Das Resultat zeige, dass man Recht gehabt habe.

Unzufrieden sind die Grünen nach Aussage von Fendler über das Abschneiden von Manfred Kern. Er habe einen sehr engagierten Wahlkampf mit viel Leidenschaft geführt – am Ende erhielt er allerdings nur 14,25 Prozent und landete auf dem vierten Platz. „Offenbar hat die Herkunft als Bensheimer ein größeres Gewicht, als wir erwartet haben“, spielte Fendler darauf an, dass der Schwetzinger der einzige Bewerber ohne Bensheimer Wurzeln war. Für die Grünen steht jedenfalls nach wie vor fest: „Bensheim braucht eine neue Politik.“ Diese müsse sich unter anderem für mehr Naturschutz und gegen weiteren Flächenverbrauch engagieren, für eine echte Verkehrswende, mehr Klimaschutz – und aus Sicht des Grünen-Sprechers ganz wichtig: ein Politikstil, der sich für mehr Bürgerbeteiligung starkmache. „Und dabei nicht nur der eigenen Klientel zuhört.“

Viel Lob für Richter von Rolf Kahnt

Christine Klein und Manfred Kern hätten sehr ähnliche Positionen vertreten, beide hätten ein ähnliches Programm gehabt und ähnliche Ziele verfolgt. Eine Wahlempfehlung für die parteiunabhängige Kandidatin wollte Fendler am Montag noch nicht aussprechen, weil am heutigen Dienstag darüber eine Mitgliederversammlung entscheiden soll. Er machte aber auch deutlich, wohin seiner Meinung nach die Reise gehen wird. Abschließend dankte er „allen Wählern, die wählen gegangen sind, sowie allen, die Manfred Kern unterstützt haben“.

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Rolf Kahnt (AfD) ist mit dem Ausgang der Bürgermeisterwahl sehr zufrieden. Nicht zufrieden ist der Landtagsabgeordnete nach eigenem Bekunden mit der geringen Wahlbeteiligung für ein so wichtiges Amt wie das des Bürgermeisters von Bensheim. Wie Rolf Kahnt weiter mitteilt, hat er damit gerechnet, dass Bürgermeister Rolf Richter die meisten Stimmen auf sich vereinen würde.

Kahnt sieht bei der Stichwahl für Richter beste Aussichten, auch wenn es für Klein Unterstützung von unterlegenen Bewerbern geben werde. Dazu, so Kahnt, verfüge Richter über ausgewiesene und erforderliche juristische Voraussetzungen, ohne die das höchste Amt Bensheims nicht zu führen sei.

Auch wenn es in der Vergangenheit Unstimmigkeiten gegeben habe, begegne Richter in allen Konfliktfällen den Menschen stets auf Augenhöhe. „Für mich bleibt Richter erste Wahl“, meinte Kahnt. Auch wegen seiner hohen Sachkompetenz und seiner anerkennenswerten Kollegialität halte er den Rathauschef für den geeignetsten aller Kandidaten. dr

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