Bensheim

Kundgebung Rund 20 Personen demonstrierten am Samstag in der Innenstadt gegen die staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie

Corona-Protest in weißen Overalls

Archivartikel

Bensheim.Am Samstag haben in der Bensheimer Innenstadt erneut Menschen gegen die Maßnahmen der Bundesregierung zur Eindämmung des Corona-Virus demonstriert. Aufgerufen hatte eine Gruppe um Katarina Tatiana Metz, die bereits im Mai einige Kundgebungen initiiert hatte. Zwölf Personen in weißen Overalls, Überschuhen und Kapuzen liefen am Mittag zwei Mal durch die Fußgängerzone, um mit weiteren auf die ihrer Meinung nach überzogenen Schutzregelungen hinzuweisen.

Auf Schildern war zu lesen: „Kein Sauerstoff für Kinder“, „Gehorche“ oder „Isolation macht krank“. Auf Transparenten äußerten sich die rund 20 Teilnehmer der genehmigten und polizeilich begleiteten Demo dahingehend, dass die Masse der Menschen, die die Abstands- und Hygieneregeln beachten, gehorsame Marionetten des Staates seien: Auflagen von der Politik würden befolgt, ohne an ihnen zu zweifeln.

„Vertrauen Sie der Regierung, denn die hat immer recht“, wurde unterwegs ironisch, das Gegenteil meinend, deklamiert. Auch die sogenannten „Mainstream-Medien“ wurden kritisiert. „Sucht euch andere Informationsquellen“, forderte Metz auf dem Marktplatz die Zuhörer auf. „Irgendwo finde ich immer Informationen, die mir in den Kram passen“, kommentierte ein junger Mann am Marktplatzbrunnen, wo es kurzfristig zu einer verbalen Konfrontation kam. Einige Jugendliche warfen den Demonstranten mangelnde Solidarität vor. Wer die Gefahren des Virus verharmlose und zeitweise Einschränkungen der persönlichen Freiheit nicht hinzunehmen bereit sei, der spalte eine Gesellschaft, die gerade jetzt auf ein gutes Miteinander angewiesen sei.

„Im Gleichschritt – Marsch“, war die Kundgebung betitelt, die in ähnlicher Form bereits am Samstag zuvor stattgefunden hatte. Die Initiatorin betonte, dass es dabei vor allem um das Wohl der Kinder ginge: „Sie bekommen keine Luft und haben Angst, Oma und Opa zu töten.“ Es dürfe niemandem verboten werden, andere zu umarmen, sagte Metz. Wenn man die Freiheit der Gesundheit opfere, dann verliere man am Ende beides.

Beim Rundgang trugen die Teilnehmer Gesichtsmasken und hielten untereinander einen Mindestabstand ein. Am Marktplatz folgten einige Reden und die Verlesung einer Schrift von der Organisation „Anwälte für Aufklärung“, die gegen angeblich „massive Rechtsverletzungen“ der Regierung vorgehen will und die Corona-Maßnahmen für verfassungswidrig hält.

Die Gruppe will – laut Selbstdarstellung – bei der Aufklärung der „angeblichen Pandemie“ helfen und ist auch in der Facebook-Gruppe „Coronapandemie fällt heute aus“ aktiv, die vom Kopf der „Querdenken“-Bewegung, Michael Ballweg, betreut wird.

„Fahren auf der Autobahn ist gefährlicher als Corona“, so Katarina Tatiana Metz. Das Durchschnittsalter der an oder mit dem Virus Verstorbenen betrage 82 Jahre – diese Zahl wird auch vom Robert-Koch-Institut (RKI) so kommuniziert. Das RKI und die Bundesregierung würden den Menschen aber wichtige Tatsachen verschweigen, so Metz. Von einer Übersterblichkeit durch die Pandemie könne in Deutschland keine Rede sein.

Ein Passant, der die Demo kurz beobachtet hat, mahnte zu einer differenzierenden Sichtweise. Ein stoisches Lagerdenken führe in der Sache nicht weiter. Diejenigen, die die Existenz des Virus völlig leugnen, dürfe man nicht mit jenen gleichsetzen, die die aktuellen Corona-Maßnahmen hinterfragen. Das töte letztlich jede inhaltliche Debatte.

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