Bensheim

Musiktheater Rex Deep Purple-Schlagzeuger Ian Paice gibt bei der Tribute-Band Purpendicular den Takt vor

Das Original begeistert mit der Fälschung

Bensheim.Ian Paice ist eine lebende Rocklegende. Der 70-jährige Schlagzeuger ist das inzwischen einzige noch verbliebene Gründungsmitglied der Hardrock Ikonen Deep Purple, die mit ihrem Welthit „Smoke on the water“ das wohl berühmteste Gitarrenriff der Rockgeschichte geboren haben. Dieser Ian Paice gastierte nun im Musiktheater Rex in Bensheim. Doch Paice spielte nicht etwa mit Deep Purple, mit denen er sich seit dem vergangenen Jahr auf großer Abschiedstournee befindet, dafür wäre der Bensheimer Konzertsaal auch definitiv zu klein. Der Brite gab bei Purpendicular den Takt vor, einer Tribute-Band, die sich ganz dem Werk von Deep Purple verschrieben hat.

In der Welt der Rockmusik nicht unbedingt etwas Neues, treten doch immer wieder Mal die Originale bei Cover-Formationen als Special Guest auf und würdigen damit das musikalische Können der Tribute-Bands. Ian Paice tut dies aber immer wieder regelmäßig bei Purpendicular und liefert dafür zum Konzertende die für ihn ausschlaggebenden Gründe:

Statt Bier und Fußball

„Wenn ich heute nicht hier wäre, dann würde ich zu Hause sitzen, Bier trinken, Fußball schauen und meiner Frau auf die Nerven gehen. Da mach ich doch lieber das, was ich am liebsten mache: Musik. Irgendwie muss ich ja auch in Übung bleiben und das geht doch am besten mit einer Band, die die Lieder spielt, die ich kenne. Ansonsten müsste ich mir die Songs ja erst draufschaffen“, sprach der in Nottingham geborene Trommler zum Konzertende fast ein wenig verlegen zum Publikum im Kulturdenkmal.

Besagtes Publikum war im Musiktheater sehr zahlreich vertreten, und es erlebte eine Deep Purple-Tribute-Show, die den eigenen Ansprüchen von Purpendicular dann auch mehr als gerecht wurde. Die Formation um Frontmann und Bandgründer Robby Walsh bezeichnet sich selbst als „World most booked Purple-Show“ und stellte während des zweistündigen Konzerts eindrucksvoll unter Beweis, dass sie in Fan-Kreisen zurecht auch als die wohl beste Deep Purple-Tribute-Band weltweit gilt. Das lag jetzt nicht unbedingt nur am Originaltrommler, der in bewährter und souveräner Manier an der „Schießbude“ den Takt vorgab, sondern es war Bobby Walsh, der dem Abend den besonderen Stempel aufdrückte.

Echte Gänsehautmomente

Schloss man die Augen, dann hätte da auch gut und gerne der junge Ian Gillian auf der Bühne stehen können, klang Walshs Stimme doch im Timbre wie auch in den Phrasierungen wie das Original und der Frontmann jagte sein Organ in Höhe, die ein Ian Gillan heute gar nicht mehr erreicht. Besonders eindrucksvoll: „Child in Time“, einer der Klassiker, die Deep Purple live aktuell gar nicht mehr spielt und der bei vielen einen echten Gänsehautmoment hinterließ. Doch Walsh konnte nicht nur Gillan: auch Songs aus der Ära mit David Coverdale als Sänger interpretierte der Ire stimmgewaltig. Und vor allem „Mistreated“ hinterließ beim restlos begeisterten Publikum einen besonderen Eindruck. Fehlen durfte natürlich auch nicht „Hush“, der erste Hit der Briten, bei dem Rod Evans noch für den Gesang verantwortlich war. Und es war natürlich selbstverständlich, dass Walsh auch hier die Töne richtig und gekonnt setzte.

Neben Walsh und Ian Paice standen im Rex zudem drei Musiker auf der Bühne, die sich durch Virtuosität, Gesang und Schlagzeugspiel mehr als ergänzten und die gesamte Band zu einer Hardrock-Symbiose werden ließen. Malte Frederik Burkert überzeugte am Bass und sorgte mit Paice für den richtigen Groove. Ernesto Ghezzi an den Keyboards gab mehr als überzeugend den John Lord und Frank Panes Gitarrenspiel war eine gelungene Mischung aus Ritchie Blackmore und Steve Morse, ohne dass der deutsche Gitarrist auf seinen eigenen Stil verzichten musste. Diese Kombination an veritablen Musikern, gepaart mit einem hervorragenden Sound im Kulturdenkmal, ließen die zwei Stunden wie im Flug vergehen.

Die Setliste, die in alter Deep Purple-Manier mit „Highwaystar“ seinen Anfang nahm, beinhaltete 14 Songs, und man berücksichtige dabei alle Schaffensphasen des Originals. Da durfte „Black night“ genau so wenig fehlen wie „Speed king“ „Perfect strangers“ oder „One night in Vegas“ vom jüngsten Album „Infinite“. Mit „Somebody done it“ ließen Purpendicular zudem fast unbemerkt einen Song aus eigener Feder einfließen. Auf das berühmteste Gitarrenriff der Welt musste das Publikum an diesem Abend natürlich auch nicht verzichten. Und selbstverständlich lieferten die Fans im Rex bei „Smoke on the water“ dann auch die von Bobby Walsh geforderte Unterstützung. Das Konzert endete schließlich mit „Stormbringer“ als Zugabe und das Publikum feierte das Quintett anschließend mit langanhaltenden Ovationen, hätte sich aber sicher sehr über mehr als dieses eine „Extra“ gefreut. nico

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