Bensheim

Reihe „Lebenskunst“ Vivian Dittmar zeigte bei ihrem Vortrag im Parktheater Wege auf, mit schlechten Gefühlen umzugehen

Den emotionalen Rucksack auspacken

Bensheim.In einem imaginären Rucksack verstaut, trägt sie jeder Mensch mit sich: ungesunde Gefühle. Als Emotionspäckchen, die nicht verarbeitete Erfahrungen aus der Vergangenheit speichern, bezeichnet Vivian Dittmar diese Empfindungen. In der Veranstaltungsreihe „Lebenskunst“ zeigte die Autorin und Referentin im sehr gut besuchten Parktheater einen Weg auf, der es ermöglichen soll, diesen emotionalen Rucksack auszupacken, ohne dabei die (emotionale) Balance zu verlieren. „Wie wir gut mit schlechten Gefühle umgehen: Von der Ohnmacht in die Kraft“, titelte der rund zweistündige Vortrag.

Mit klarer Linie sowie ruhiger und einnehmender Stimme führte Vivian Dittmar durch das Thema, mit dem sie sich vor Jahren wegen des Chaos’ in ihrer eigenen Gefühlswelt zu beschäftigen begann. „Meine Beziehungslandschaften lagen in Schutt und Asche“, beschrieb sie den Impuls, der sie animierte, sich auf den Weg zu machen, Gefühle zu entschlüsseln.

Basis ihres Ansatzes bildet die grundsätzliche Unterscheidung zwischen Gefühlen und Emotionen. Gefühle wie Wut oder Freude würden als Reaktion auf eine konkret wahrgenommene Situation entstehen. Emotionen seien dagegen (häufig traumatische, überwältigende) Gefühle aus der Vergangenheit, die bei ihrer Entstehung mangels emotionaler Kapazität sowie fehlender Unterstützung und Anteilnahme nicht verarbeitet worden seien. Zwischengelagert seien diese Emotionen im „Rucksack“ als Altlasten, die bei entsprechenden Schlüsselreizen beziehungsweise Interaktionen jederzeit zum Vorschein kommen könnten und dazu geeignet seien, den Lastenträger aus dem Gleichgewicht zu bringen. Negative Entladung nennt Dittmar den Prozess, bei dem die unverdauten Emotionen ungesteuert zum Vorschein kommen.

Die Referentin hat eine Methode der bewussten Entladung entwickelt, die nach festen Regeln erfolgen soll. Dieses Konzept fußt auf der Anteilnahme eines anderen, an der Aktivierung der negativen Emotionen unbeteiligten Menschen. Dieser Vertrauensperson soll die negative Emotion in einem geschützten Raum innerhalb eines vorgeschriebenen Zeitrahmens von wenigen Minuten geschildert werden. Ein Dialog, weitere Diskussionen sowie die Einbeziehung Dritter sind dabei nicht vorgesehen. Bei diesem Verfahren gehe es nicht darum, diese Altlasten komplett zu beseitigen, sondern den Umgang als Mehrwert für die persönliche Weiterentwicklung zu nutzen.

Weiterer Bestandteil dieser Strategie ist es, zu erlernen, negative Gefühle in konstruktive Bahnen zu lenken mit Hilfe eines von Vivian Dittmar entwickelten Gefühlskompasses. Diesem Kompass sind die nach außen gerichteten, negativ besetzten Gefühle Wut, Angst, Trauer und das innere Gefühl der Scham zugeordnet. Diesen Gefühlen schreibt Dittmar neben einer lähmenden Schattenseite eine konstruktive Kraft zu. Damit diese Kraftfelder aktiviert werden können, sei es erforderlich, mit einem „Forscherblick nach innen“ seine Gefühle wahrzunehmen und Verantwortung dafür zu übernehmen. Auch die stärkere Wertschätzung von Freude, dem fünften Grundgefühl innerhalb des Gefühlskompasses, sei ein Schritt, das persönliche Gefühlszentrum zu stärken.

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