Bensheim

Marktplatz Angela Exo von der Kreis-Behörde und Erste Stadträtin Nicole Rauber-Jung reagieren auf Vorwürfe von Stadtverordneten

Denkmalschutz weist Kritik zurück

Archivartikel

Bensheim.Ein einstöckiger Flachbau – oder doch ein Gebäude mit zwei Stockwerken? Oder gar eine gänzlich unbebaute Freifläche? Die Gestaltung des oberen Marktplatzes, dort wo einst das Haus am Markt stand, dürfte wohl die meistdiskutierte Frage in Bensheim in den vergangenen zwölf Monaten gewesen sein.

Aus denkmalpflegerischer und städtebaulicher Sicht ist eine Bebauung „als raumbildendes Element für die Proportion des Marktplatzes unverzichtbar“, ist in einer aktuellen Stellungnahme der Denkmalschutzbehörde zu lesen, die – wie berichtet – in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung ausgeteilt wurde. Von Seiten der Heppenheimer Behörde gebe es deshalb die Vorgabe einer „eingeschossigen (möglichst filigranen und transparenten) Bebauung“ direkt unterhalb der Kirchplatzmauer, so dass der immer wieder geforderte „Schorschblick“ noch erhalten bleiben könne.

Immer mit der Stadt im Austausch

Über diese Aussagen und die Rolle der Denkmalschutzbehörde im Allgemeinen haben sich jüngst – wie berichtet – die Stadtverordneten von GLB, BfB, FDP und FWG in einer gemeinsamen Pressemitteilung echauffiert. Von einer „unverschämten Einmischung“ nach längerem Schweigen war da die Rede, von einem „Zickzackkurs“ der Behörde, die „jegliche klare Positionierung“ vermissen lasse und ständig ihre Meinung ändere. Verwiesen wurde in diesem Zusammenhang auf frühere Aussagen zum Marktplatz.

Die Kritik der Parteien weisen Erste Stadträtin Nicole Rauber-Jung und die für Bensheim zuständige Sachbearbeiterin der Denkmalschutzbehörde Angela Exo im Gespräch mit dieser Zeitung nun entschieden zurück. Der Vorwurf, man habe sich in Schweigen gehüllt und jetzt ungefragt eingemischt, sei haltlos und nicht gerechtfertigt. Die Denkmalschutzbehörde sei an allen Schritten des Prozesses beteiligt gewesen und von der Stadt zu einer Stellungnahme aufgefordert worden. „Wir stehen immer im Austausch und haben jeden Schritt abgestimmt – auch in Vorbereitung des Bürgerentscheids“, betonen Exo und Rauber-Jung.

Die Mitarbeiterin der Denkmalschutzbehörde weist außerdem auf zwei grundsätzlich verschiedene Ausgangslagen hin: Einerseits die Zeit vor dem Abriss des Hauses am Markt, als von Seiten der Stadt ein dreigeschossiger Ersatzbau geplant war. Andererseits die völlig neue Situation, nachdem Bürgermeister Rolf Richter vor gut 14 Monaten die berühmte Reißleine gezogen hat und die geplante Bebauung damit vom Tisch war.

Ursprünglich habe die Vorgabe gelautet, dass ein Ersatzgebäude für das alte Haus am Markt gesucht wurde, erklärt Angela Exo. Das Gebot der Historie sei gewesen, dass der Neubau in seiner Kubatur ähnlich groß ausfallen soll wie sein Vorgänger. Die Denkmalschutzbehörde stand damals den Plänen der Stadt nicht ablehnend gegenüber, „auch wenn wir den neoklassizistischen Stil nicht passend fanden. Daraus haben wir nie einen Hehl gemacht“, führt Exo im Gespräch mit dieser Zeitung aus.

Nachdem die Neubaupläne vorerst vom Tisch waren, habe sich die Behörde neu positioniert. „Wir wollten uns nicht gegen den Wunsch und Willen der Bürger stellen“, von denen immer wieder der Erhalt des „Schorschblicks“ gefordert wurde. Die Idee des Realisierungswettbewerbs, in den Ergebnisse aus dem Bürgerdialog einfließen sollten, habe man von Seiten des Denkmalschutzes begrüßt. In den Rahmenbedingungen seien alle Punkte zusammengeführt worden, die im Zuge des Bürgerdialogs als wichtig erachtet worden seien: „Und das ergibt am Ende eine Baulichkeit.“

Platz braucht einen Abschluss

Die Fläche einfach frei zu lassen, wie nach wie vor von vielen gefordert, ist für die Denkmalschutzbehörde nicht genehmigungsfähig. Das betonte Angela Exo im Gespräch erneut. Der Platz sei für eine Stadt dieser Größenordnung einfach zu groß und brauche einen Abschluss.

Eine Nullbebauung wird dennoch von der Bürgerinitiative als eine von weiteren Möglichkeiten eines offenen Ideenwettbewerbs gefordert, über den am 17. Januar beim Bürgerentscheid abgestimmt werden soll.

Das Ziel sei, erklärt Erste Stadträtin Nicole Rauber-Jung, das Beste für den Marktplatz zu erreichen. Hierfür sei die Stadt stets im fachlichen Austausch mit der Denkmalschutzbehörde. In Vorbereitung des Bürgerentscheids etwa sei die Formulierung abgestimmt worden. Unter anderem deshalb habe die Stadt um eine aktuelle Stellungnahme des Denkmalschutzes gebeten.

„Dass wir uns ungefragt eingemischt haben, davon kann keine Rede sein“, bekräftigt Angela Exo, die auch den Vorwurf entschieden von sich weist, die Behörde würde sich immer den Wünschen des Bürgermeisters anpassen – „das kann doch wohl nicht sein!“

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