Bensheim

BUND In Bensheim wird nach dem vielerorts verschwundenen Gartenschläfer gefahndet / Helfer sind willkommen

Der Maus mit Zorro-Maske auf der Spur

Archivartikel

Bensheim.Lebt der gefährdete Gartenschläfer im Raum Bensheim? Dieser Frage geht in den nächsten Monaten der Ortsverband Bensheim im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) auf den Grund.

Sogenannte Spurtunnel sollen dabei helfen, der Schlafmaus mit der „Zorro-Maske“ – im wahrsten Sinne des Wortes – auf die Spur zu kommen. Die Aktion ist Teil des Projekts „Spurensuche Gartenschläfer“, das im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums gefördert wird.

Ende Mai bringen die Bensheimer BUND-Aktiven in einem Wildgarten am Wambolder Sand 20 Spurtunnel an Bäumen und Sträuchern an. Susanne Schneider, Projektkoordinatorin beim BUND Hessen, wird dabei alle Fragen zu dem Forschungsvorhaben beantworten. Bis Oktober müssen die Pappkanäle alle ein bis zwei Wochen kontrolliert werden. „Wir freuen uns, wenn Naturfreunde beim Projektstart dabei sind und uns in den Wochen danach bei der Kontrolle der Tunnel unterstützen“ erklärt Andreas Rossa, Vorsitzender des lokalen BUND.

Die Abstands- und Hygieneregeln werden berücksichtigt. Interessierte wenden sich per Mail ( bund-bensheim@gmx.de) an Rossa oder per Telefon (06252/5189) an die Geschäftsstelle des BUND Bergstraße. Wer zudem Gartenschläfer in der Region sichtet, die sich übrigens gerne in Vogelnistkästen und in Gärten einquartieren, kann dies, möglichst mit Foto, der Meldestelle unter www.gartenschlaefer.de mitteilen.

Jeder Hinweis hilft, dem kleinen Nager auf die Spur zu kommen. Die Spurtunnel-Methode ist denkbar einfach: Laufen die Tiere durch die Tunnel, treten sie auf ein „Stempelkissen“ und hinterlassen ihre Spuren auf einem Blatt Papier.

Da der Gartenschläfer besondere Schwielen an seinen Pfoten hat, lassen sich seine Spuren gut von denen anderer Kleinsäuger unterscheiden. Einen Köder, um die Tiere anzulocken, brauchen die Fahnder nicht, denn die Schlafmäuse sind neugierig und erkunden die Tunnel von selbst.

Der Gartenschläfer gibt Wissenschaft und Naturschutz große Rätsel auf. Aus vielen Regionen Europas und Deutschlands ist die kleine Schlafmaus, ein Verwandter des Siebenschläfers, in dramatisch kurzer Zeit verschwunden. Um Licht ins Dunkel zu bringen, starteten der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die Justus-Liebig-Universität Gießen und die Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung im Oktober 2018 die „Spurensuche Gartenschläfer“.

Bis 2024 sollen eine umfassende Forschung und intensive Schutzmaßnahmen dabei helfen, den Gartenschläfer als heimische Tierart in Deutschland vor dem Aussterben zu bewahren. Dabei werden die Forscher von vielen Freiwilligen unterstützt, die neben den Spurtunneln auch Nistkästen kontrollieren sowie lokale Schutzmaßnahmen umsetzen.

Dort, wo der Gartenschläfer als lästig empfunden wird – ob im Haus, Garten, im Wein- oder Obstbau – soll das Projekt zwischen Mensch und Tier vermitteln und zeigen, dass ein Zusammenleben gut möglich ist. Der Gartenschläfer ist eine sogenannte ‚Verantwortungsart‘. Ein großer Teil seines Verbreitungsgebietes liegt hier, so dass Deutschland für die Erhaltung dieser Art in hohem Maße verantwortlich ist. Am 14. Mai wurde die Spurensuche als „Projekt der UN-Dekade für Biologische Vielfalt“ ausgezeichnet. red

Info: Weitere Info unter www.gartenschlaefer.de und www.bund-hessen.de/gartenschlaefer

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