Bensheim

Kommunalpolitik SPD spricht sich für zwei Gleise, weitere Haltestellen und eine Elektrifizierung aus / Stadtparlament stimmt Antrag zu

Die Bahnstrecke nach Worms ausbauen

Bensheim.Zweigleisig auf einer elektrifizierten Bahnlinie nach Worms fahren – mit zusätzlichen Haltepunkten beispielsweise im Gewerbegebiet Süd in Bensheim, ausgebaut im S-Bahn-Standard: So stellt sich die SPD-Fraktion die Zukunft der Strecke ins Ried vor. In der Gegenwart tuckern bekanntlich dieselbetriebene Maschinen auf einem Gleis Richtung Rheinland-Pfalz und wieder zurück. Gehalten wird nach Bensheim in Lorsch, Riedrode, Bürstadt und Hofheim. Die Fahrtzeit beträgt eine knappe halbe Stunde.

„Durch eine schnelle Zugverbindung und weitere Haltestellen kann im Sinne der Verkehrswende der Bahnverkehr deutlich attraktiver werden“, begründete Fraktionschefin Eva Middleton den Vorstoß ihrer Partei. Es gehe um eine zeitgemäße Ost-West-Verbindung mit zwei Gleisen, einer besseren Taktung und der Abkehr vom Dieselantrieb. Es wäre vor allem für Pendler erfreulich, wenn man einen Haltepunkt im Gewerbegebiet anbieten könnte, vor allem mit Blick auf den größten Arbeitgeber dort, Dentsply Sirona. Weil solche Planungen nur mittelfristig umzusetzen seien, müssten nun die Weichen gestellt werden.

Bereicherung für Bensheim

Zustimmung kam von der CDU. Für eine zukunftsweisende Mobilität sei dies ein wichtiger Schritt, bemerkte Feridun Bahadori. Ein S-Bahn-Halt im Gewerbegebiet Süd wäre eine Bereicherung für Bensheim. Er wies jedoch darauf hin, dass eine Umsetzung nicht in der Hand der Stadt liegen würde. In einem Änderungsantrag wandelten die Christdemokraten den Vorschlag der SPD etwas ab. Es soll nun geprüft werden, ob zwei Gleise und eine Elektrifizierung möglich sind. Bahadori äußerte Zweifel, dass man für eine bessere Taktung wirklich zwei Gleise benötige.

Hanns-Christian Wüstner erinnerte daran, dass die Strecke vor allem für Pendler und Schüler von Bedeutung ist. Durch zusätzliche Haltepunkte könnte die Linie an Attraktivität gewinnen. „Wir Grüne setzen uns für die Verkehrswende ein, weil sie wichtig für die Zukunft ist“, meinte Wüstner. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt, um das Vorhaben anzugehen. Um den Ausstoß von Kohlendioxid zu reduzieren, sei eine Elektrifizierung notwendig.

Unterstützung kam auch von der BfB. „Unser Ziel ist es, möglichst viele Menschen zum Umsteigen auf die Bahn einzuladen durch eine attraktivere Zugverbindung Bensheim – Worms“, verdeutlichte Fraktionsvorsitzender Franz Apfel. Er würde es ebenfalls begrüßen, wenn die Bahn künftig im Gewerbegebiet Süd halten könnte.

FDP sieht keinen Bedarf

Eine Prüfung des Fahrgastaufkommens schlug Rolf Kahnt (AfD) vor, bevor man sich an den Bau von zwei Gleisen mache. Keinen Grund zum Handeln sah Holger Steinert (FDP). „Die Strecke genügt dem Bedarf, zumal es parallel eine Busverbindung gibt“, sagte der Fraktionschef. Es sei eine Nebenstrecke und werde auch eine solche bleiben. Der Flächenverbrauch bei zwei Gleisen sei nicht gerechtfertigt. „Die Kosten können nicht in einem vernünftigen Verhältnis zum Nutzen stehen.“ Handlungsbedarf macht Steinert eher Richtung Darmstadt und Weinheim aus. „Dort sind die Züge richtig voll.“

Am Ende gab es eine breite Mehrheit für den Antrag der SPD mit den Änderungen der CDU, lediglich die FDP stimmte dagegen. Für den Magistrat bedeutet das: Er muss nun Kontakt aufnehmen mit den relevanten Stellen – vom Kreis über den Verkehrsverbund Rhein-Neckar, den Verband Region Rhein-Neckar bis hin zu den an der Strecke liegenden Gemeinden. Außerdem soll das Gremium darauf hinwirken, dass bei der Fortschreibung des Regionalplans der Ausbau im S-Bahn-Standard aufgenommen wird.

Alles in allem kein Projekt, das morgen angestoßen und übermorgen über die Bühne gehen kann – wenn überhaupt. Feridun Bahadori sprach von einem geschätzten Zeitfenster von 15 bis 25 Jahren. „Bis dahin könnte der von der FDP angezweifelte Bedarf tatsächlich gegeben sein.“

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