Bensheim

Freundeskreis Mohács Ehemalige deutsche Weinprinzessin Charlotte Freiberger zu Gast beim Busho-Fest in der Partnerstadt

Die Herzen der Ungarn im Sturm erobert

Archivartikel

Bensheim.Die Herzen der hiesigen Weinfreunde hat die frühere Bergsträßer Gebietsweinkönigin und letztjährige deutsche Weinprinzessin Charlotte Freiberger bereits in ihrer Amtszeit erobert. Dieser Tage weilte sie auf Einladung des Bürgermeisters von Bensheims ungarischen Partnerstadt Mohács, József Szekó, beim inzwischen weltbekannten Busho-Fest in Südungarn.

Und auch die Magyaren lagen der inzwischen nicht mehr gekrönten Majestät zu Füßen. Mit ihrem natürlichen Charme und ihrem enormen Fachwissen in den Bereichen Weinanbau und Kellerwirtschaft verzauberte Charlotte Freiberger nicht nur den Mohácser Bürgermeister, der selbst ein sehr guter Hobbywinzer ist, sondern auch die Profi-Weinbauer der Bensheimer Partnerstadt, in Pécs, im Mikóczi-Keller in Báta und darüber hinaus die Experten in Villány.

Dort hat sich der Wein auch außerhalb Ungarns einen guten Ruf erworben. Vor allem Budapester Weinkenner sind bereit, Höchstpreise für Weine aus den Spitzenweingütern Villánys zu zahlen. Villány ist wegen seiner Rotweine berühmt, die dem Ort den Namen „Bordeaux des Ostens“ eingebracht haben. Natürlich standen nicht nur Weingespräche und -proben auf dem umfangreichen Sechs-Tage-Programm der Weinfachfrau auf dem Programm, die selbstverständlich die Werbetrommel für den Bergsträßer Wein rührte.

Beim privaten Besuch der Mohácser Verwaltungsspitze im Heppenheimer Weingut im November des vergangenen Jahres wurde die Offerte an Charlotte Freiberger, das weltberühmte Bushofest zu besuchen, an sie herangetragen. Wie in der hiesigen Region wird auch in Mohács Fastnacht gefeiert, bei den Magyaren ist es allerdings als Buschofest inzwischen europaweit bekannt und gehört seit dem Jahr 2009 zum immateriellen Unesco-Weltkulturerbe.

Schafsfell und bunte Strümpfe

Die Bushos tragen ein nach außen gekehrtes Schafsfell, eine Hose mit Strohfüllung und bunte, gestrickte Strümpfe. Das Fell ist mit einem Viehseil zusammengehalten, daran ist eine Viehglocke befestigt. In den Händen halten die Bushos Ratschen oder Holzkeulen. Die von den Bushos getragene, mit Tierblut rot gefärbte Holzmaske ist mit einer Schafsfellkapuze versehen.

Die furchterregenden, lärmenden Bushos beerdigen den Winter, und mit einem Feuer begrüßen sie den Frühling. Das Brauchtum basiert auf Überlieferungen der kroatischen Minderheit und reicht in heidnische Zeiten zurück.

Was die Bedeutung des Brauchs anbelangt, gibt es zwei Versionen: die eine spricht von kultischen Handlungen, die so, wie bei anderen Faschingsbräuchen, der Austreibung des Winters dienen. Die andere Theorie geht auf die Angst vor den Osmanen zurück.

Bei Mohács hat Ungarn einen der größten Schicksalsschläge seiner Geschichte erlitten: die Niederlage gegen die Türken im Jahre 1526. Erst nach 150 Jahren waren sie wieder die Herren im eigenen Haus. Mit den furchterregenden Masken sollen die Männer von Mohács die Türken in Angst und Schrecken versetzt und somit vertrieben haben.

Den Winter vertrieben

Egal, für welche Version man sich entscheidet, in Mohács wird sechs Tage lang gefeiert. Diesmal wurde bei fast zweistelligen Plus-Temperaturen der Winter vertrieben, verbrannt und der Frühling begrüßt. Gut und gern 100 000 Menschen aus Ungarn, Deutschland, Österreich, aus Polen, Kroatien, Frankreich und der Schweiz kamen in die Bensheimer Partnerstadt, um an diesjährigen Bushofest teilzunehmen. Höhepunkt war zweifellos das Entzünden des riesigen, sieben Meter hohen Scheiterhaufens auf dem Marktplatz vor dem Mohácser Rathaus.

Neben Charlotte Freiberger besuchten auch zwei Vorstandsmitglieder des deutsch-ungarischen Freundeskreises die Partnerstadt, die Gespräche mit Bürgermeister József Szekó, der Direktorin des Behinderten- und Sozialheimes Pándy Kálman, Kati Kolutácz, sowie dem Vorsitzenden des dortigen Freundeskreises, György Werner, führten. Ebenso wurden Termine mit den beiden Vizebürgermeistern Erika Kovacsne-Bodor (Schule und Bildung) sowie Aron Cserdi (Kultur und Medien) vereinbart.

So findet am 20. August, dem ungarischen Nationalfeiertag, die Kunstausstellung mit Bildern junger behinderter Künstler der Behindertenwerkstatt Auerbach und des Behindertenheimes Mohács statt.

Diese Ausstellung wurde im November 2018 in der Geschwister-Scholl-Schule in Bensheim gezeigt. Eröffnet wird die Ausstellung in Mohács an diesem Tag um 15.30 Uhr im dortigen Rathaus. Weiter wurden erste organisatorische Fragen zum Festablauf des 30-jährigen Bestehens des Bensheimer Freundeskreises geklärt, der am 19. Oktober im Dorfgemeinschaftshaus in Zell feiert und dazu Gäste aus der Partnerstadt empfängt. Und schließlich wurde vereinbart, dass Anfang April wieder ein Hilfstransport von Bensheim nach Mohács fährt und vom 8. bis 15. Mai eine 41-köpfige Gruppe aus Bensheim Ungarn und natürlich auch Mohács besucht. mül

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