Bensheim

Bensheimer Musiktage Kammerchor Cantemus und Pianist Thorsten Larbig im Parktheater

Drei Dirigenten für Johannes Brahms

Archivartikel

Bensheim.Ganz im Zeichen der romantischen Vokalmusik und des dirigentischen Nachwuchses stand das vom Kammerchor Cantemus präsentierte zweite Konzert der Bensheimer Musiktage im Parktheater. Mit Marta Chorczynska und Johannes Opfermann durften sich dabei gleich zwei junge Gäste als Cantemus-Leiter ausprobieren. Beide hatten an einem von den Kunstfreunden initiierten Dirigier-Workshop des Ensembles und seines Chefs Christoph Siebert teilgenommen. Wie anregend und ermutigend die Zusammenarbeit mit dem professionellen Chordirigenten gewesen ist, zeigten ihre beeindruckend souveränen Auftritte bei diesem vor allem für Brahms-Fans außergewöhnlich ergiebigen Konzert.

Als Mitglied verschiedener Formationen am AKG und an Sankt Georg wie auch als Pianist und Organist konnte AKG-Abiturient Opfermann sein musikalisches Multitalent bekanntlich bereits vielfach unter Beweis stellen. Die gesammelten Workshop-Erfahrungen sollten ihm bei der bald anstehenden Aufnahmeprüfung für das Studium der Kirchenmusik gute Dienste leisten. Schon der Brahms-Auftakt mit den zwei lyrischen Juwelen „Rosmarin“ und „Waldesnacht“ überzeugte unter seinem konzentrierten Dirigat durch flüssig-klare Linienführung, fein geschliffene Dynamik und mitteilsame Ausdrucksverinnerlichung. Ähnliches galt für die programmergänzende Schumann-Auswahl mit den sehr stimmungsvoll ausdifferenzierten Genrebildern „Der König von Thule“, „Der traurige Jäger“ und „Ungewitter“ sowie dem von Thorsten Larbig am Klavier begleiteten Paradestück „Zigeunerleben“.

Als zweiten dirigentischen Gast erlebte das Publikum im knapp halb gefüllten Parktheater Gregor Knops derzeitige Kirchenmusik-Assistentin Marta Chorczynska. Die polnische Anfangdreißigerin führte den Chor in ihren ersten drei Brahms-Nummern „All meine Herzgedanken“, „O süßer Mai“ und „Der Falke“ zu wunderbar detailgenauen und abgerundeten Interpretationen.

Noch intensiver gelang Brahms‘ Sammlung opus 42, in der neben dem warmherzig einleitenden „Abendständchen“ vor allem die beiden balladesken Repertoire-Klassiker „Vineta“ und „Darthulas Grabesgesang“ bezwingende atmosphärische Kraft verströmten. Selbst die für Chorwerke eher ungünstige, weil allzu trockene Theaterakustik konnte daran nichts ändern.

Als krönendes Finale des einstündigen Programms erklangen dann unter Christoph Sieberts Leitung alle 15 „Zigeunerlieder“ des Komponisten (mithin neben der populären Elferreihe opus 103 auch die seltener gebotenen Nachzügler opus 112/3 bis 6).

Bewährter Cantemus-Partner an den Tasten war hier einmal mehr der in Bensheim aufgewachsene Frankfurter Pianist Thorsten Larbig. Gemeinsam entfesselten sie den von ungarischem Kolorit erfüllten Miniaturenreigen mit einer tänzerischen Lebenslust, deren sprühende Spontaneität absolut unwiderstehlich wirkte. Der volkstonnahe, bei aller investierten Kompositionskunst doch nie gekünstelt erscheinende Charakter der Lieder kam so ideal zur Entfaltung.

Dem begeisterten Schlussbeifall folgte zwar noch Brahms‘ g-moll-Ballade opus 118/3 als überraschende pianistische Zugabe, aber leider kein zusätzliches Abschiedsschmankerl des Chores mehr.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel