Bensheim

Orgelwochen Fraser Gartshore mit Bernstein, Gershwin, Joplin

Drei Klassiker aus Amerika

BENSHEIM.Musik der drei amerikanischen Klassiker Leonard Bernstein, George Gershwin und Scott Joplin auf der „Königin der Instrumente“? Dieses außergewöhnliche Klangerlebnis bescherte Fraser Gartshore beim zweiten Konzert der Bensheimer Orgelwochen. Organist, Arrangeur, Komponist und dazu Musikplauderer mit Entertainer-Qualitäten: Einem vielseitigeren Orgelwochen-Gast als dem seit fast zwei Jahrzehnten in Deutschland ansässigen Schotten dürfte das Bensheimer Publikum noch nie begegnet sein. Gartshore holte den besonderen Sound der drei Amerikaner so selbstverständlich auf die Orgel, dass wohl sogar engherzige Puristen verblüfft gewesen wären. Seine unwiderstehliche Spiellaune konnten die gut 70 Konzertbesucher in der Michaelskirche per Leinwand auch optisch adäquat genießen.

Dass der in Edinburgh ausgebildete Mittvierziger überdies ein leidenschaftlicher Jazzer ist, war seinen stets wunderbar frei und spontan wirkenden Interpretationen auf Schritt und Tritt anzumerken. Vom Jubilar Leonard Bernstein (100. Geburtstag) hatte Gartshore neben dem charmant schrägen „Wrong Note Rag“ aus „Wonderful Town“ die furios swingenden „West Side Story“-Hits „I Feel Pretty“ und „America“ im Gepäck. George Gershwin (120. Geburtstag) war mit einem schwelgerischen „Porgy and Bess“-Potpourri („Summertime“ als Highlight) und dem Reißer „I Got Rhythm“ aus „Girl Crazy“ ebenfalls denkbar effektvoll vertreten. Gartshores schmiegsame Arrangements ließen umso mehr bedauern, dass es von beiden Meistern keine originalen Orgelwerke gibt.

Fulminante Virtuosität

Ähnliches galt für den heuer allzu wenig beachteten Jubilar Scott Joplin (150. Geburtstag): Seine großen Ohrwürmer „Maple Leaf Rag“, „Easy Winners“ und „The Entertainer“ klangen in Gartshores verführerisch schlendernden Orgelversionen keineswegs unauthentischer als auf dem Klavier. Sehr gut zu diesen Ragtime-Klassikern der vorletzten Jahrhundertwende passten die mit fulminanter Virtuosität ausgespielten Jazz-Standards „The Wolverine Blues“ von Jelly Roll Morton (1885-1941) und „A Handful of Keys“ von Fats Waller (1904-1943).

Von Gartshores Einfallsreichtum zeugten nicht zuletzt seine höchst eingängigen Eigenkompositionen „Harlem Story“, „Halle-Hallelujah“ und vor allem „Jumpin‘ at the Organ“ als fetziger Boogie-Woogie-Rausschmeißer. Auf die verdienten Ovationen für einen wahrhaft unkonventionellen Orgelabend folgte dann noch echte „Proms-Stimmung“ mit der Improvisationszugabe über „Auld Lang Syne“.

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