Bensheim

Goethe-Gymnasium Unterrichtsgang „Kirchbergmorde“ auf den Spuren der Regionalgeschichte

Drei Tage fehlten zur Freiheit

Archivartikel

Bensheim.Der Geschichtskurs von Judith Grön aus der Jahrgangsstufe Q2 des Bensheimer Goethe-Gymnasiums machte sich auf den Weg der Gefangenen, die im März 1945 kurz vor Kriegsende oberhalb des Brunnenweges am Kirchberg von den Nazis ermordet wurden.

Basierend auf dem Büchlein von Fritz Kilthau und Peter Krämer „Drei Tage fehlten zur Freiheit“ führte die Geschichtslehrerin, die schon vor 16 Jahren das Schulseminar in die Zeit kurz vor Kriegsende in Bensheim leitete, ihre Schüler vom Amtsgericht über das ehemalige Gestapogebäude an der Darmstädter Straße Richtung Gedenkstein am Fuße des Kirchberges. Am Amtsgericht Bensheim in der Wilhelmstraße wurden damals in „Schutzhaft“ genommene Feinde des NS-Staates inhaftiert, gequält und gefoltert.

14 von ihnen, Franzosen, Polen, Regimekritiker, Juden und angebliche Fahnenflüchtige sollten am 24. März 1945 von der Gestapo hingerichtet werden. In Dreierreihen mit je zwei Meter Abstand wurden die Gefangenen über die Wilhelmstraße und die Kirchbergstraße in Richtung Kirchberg eskortiert.

Auf diesem Weg konnte der Russe Alex Romanow auf Höhe Dürerstraße fliehen. Diesen Moment wollte auch Gretel Meraldo zur Flucht nutzen, wurde aber von den mit Maschinengewehren bewaffneten Wachen tödlich getroffen. Romanow versuchte die schwer verletzte Frau mitzuschleifen, musste sie aber dann doch zurücklassen.

Auch der Pole Johann Goral überlebte das Erschießungskommando. Nachdem zwei Franzosen vor ihm tödlich getroffen in die dafür ausgehobene Grube fielen, trafen ihn zwei Streifschüsse und er ließ sich auf die beiden Mithäftlinge fallen und stellte sich tot.

Als die Mörder die nächsten drei Opfer holten, schlüpfte Goral aus seinem Mantel und versteckte sich im Gebüsch in der Nähe. Die nächsten neun Gefangenen wurde danach ermordet. Später erzählte er von seinen Erlebnissen und dass sein Leben für immer zerstört war. Am selben Tag wurden außerdem zwei amerikanische Piloten entgegen der Genfer Abkommen vom Juni 1929 am Gestapo-Gebäude ermordet. Auch ihnen fehlten drei Tage zur Freiheit.

Viele Schüler gaben am Ende des Unterrichtsgangs an erstmals von diesen Verbrechen gehört zu haben. Sicher werden sie diese Erfahrung im Kopf behalten und beim Passieren des Gedenksteines in Zukunft kurz innehalten und den Opfern gedenken, denen nur ein paar Tage fehlten, um zu überleben. red

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