Bensheim

Kunst Traugott Lukasczyk zeigt Fotografien zum Thema Tanzen im Herrenhaus / Morgen Vernissage

Dynamik des Augenblicks eingefroren

Archivartikel

Auerbach.Die entfesselte Dynamik des Tanzes paart sich mit malerischer Optik zu einem fotografischen Kunstwerk, das zugleich Kraft und Eleganz, Ruhe und Bewegung ausstrahlt. Bisweilen wirken die Bilder von Traugott Lukasczyk wie Ölgemälde mit einem neblig transparenten Farbauftrag, dessen Konturen diffus verschwimmen. Andere Motive erstrahlen in plastischer Brillanz, wenn er die Ästhetik des Augenblicks mit der Kamera in genau jenem Moment einfriert, wenn sich Körperspannung, Anmut und Leidenschaft in ihrem Maximum vereinen.

Dienstagvormittag im Herrenhaus. Das Fürstenlager wird von der milden Spätsommersonne ausgeleuchtet, als der Darmstädter Kommunikationsdesigner seine Motive in Position bringt. Eine aufwändige Angelegenheit wenige Tage vor der Vernissage am morgigen Sonntag (30.). Um elf Uhr wird seine Werkschau eröffnet. Titel: „It´s time to dance“. Lukasczyk zeigt eine feine Auswahl von Fotografien zum Spektrum Tanz, die für die Motivserie „Emotion“ seit 2015 entstanden sind. Meist während Generalproben von Ensembles in Darmstadt, München oder Berlin. Dann lauert der Fotograf auf den optimalen Sekundenbruchteil, in dem alles stimmt. Ein langer Prozess, bei dem zahllose Einzelbilder entstehen, in deren Fülle er später – wenn es gut läuft – eine ideale Komposition entdeckt.

Blick in eine fragile Welt

Die Kamera ist sein Instrument. Eine Nikon D750 oder, immer häufiger, eine Fujifilm X-T20 Systemkamera mit leisem Auslöser. Denn die Umgebung, in der seine Kunst entsteht, ist eine fragile Welt aus allerhöchster Konzentration, präziser Choreographie und körperlich-musikalischen Harmonien. Lukasczyk ist ein stiller Beobachter mit einem Gespür für die Magie des Moments. Die Bilder entstehen, wenn der Finge den Auslöser drückt. Nachbearbeitet wird so gut wie gar nichts. Maximal wird das Rohdatenformat leicht optimiert, vielleicht ein wenig aufgehellt. Alles andere passiert während der Aufnahme. Traugott Lukasczyk arbeitet virtuos mit Langzeitbelichtungen, bei denen er den Bereich des Zooms durchfährt und so eindrucksvolle Effekte erzielt: eine dramaturgisch aufgeladene Komposition aus Schärfe und Unschärfe, die eine rasante Dynamik erzielt auch dann, wenn keine schnellen Bewegungen im Spiel sind.

Licht und Bühnenbild, Anatomie und Ausdruck, Zentrum und Tiefe: Die fotografischen Kunstwerke des Werbe- und Kommunikationsprofis sprechen alle Sinne an. Sie spiegeln Grazie, Kraft und Schönheit, Hingabe und Perfektion, physische Vollendung und subtile Erotik. Die Fotografien sind auf Leinwand gedruckt, was sie besonders malerisch erscheinen lässt, oder auf Alu-Dibond gezogen. Unter Acrylglas erscheinen die Motive besonders plastisch und strahlend. Vor allem dann, wenn Lukasczyk die Bilder noch anhand von Licht-Spots visuell inszeniert. Die Präsenz, Virtuosität und die Emotionen der Tänzer ist eindrucksstark festgehalten. Die Bewegungen sind beim Betrachten förmlich spürbar.

Der Mensch im Mittelpunkt

„Der Mensch steht schon lange im Blickpunkt meiner Arbeit“, sagt der Fotograf beim Treffen im Herrenhaus. Erst im vergangenen Jahr hat er seine Bilder erstmals ausgestellt. Traugott Lukasczyk wurde 1961 in Oberschlesien geboren und kam im Alter von sechs Jahren nach Darmstadt. Bereits während des Studiums in Mainz arbeitet er in Brensbach bei der Werbeagentur von Friedhelm Meinaß. Der Künstler war unter anderem als Schallplatten-Cover-Gestalter (Nina Hagen, Wolf Biermann, The Clash) sowie als Produktgestalter und Logoentwickler (Davidoff, Erdgas, Glenfiddich) tätig. beide sind bis heute eng verbunden, im vergangenen Jahr organisierten sie eine Gemeinschaftsausstellung in Darmstadt. Aus der Zusammenarbeit während der Documenta 14 in Kassel entstand die Idee, mit ihm eine gemeinsame Ausstellung in unserer Heimatstadt zu arrangieren. Lukasczyk ist außerdem als ku·nstlerischer Impresario und als Veranstalter der Kulturinitiative „temporary ART room“ bekannt. seit 25 Jahren leitet er Yogaschulen in Darmstadt und Kassel.

Zu seinen Tanzbildern wurde er - neben seiner eigenen Liebe zum Tanz – durch seine Tochter Helen inspiriert, die in Berlin und München Tanz studiert hat. Die Motive im Herrenhaus zeigen unter anderem Ausschnitte aus Ensembleproben der Tochter, choreografische Studien von Tänzerinnen und Tänzern und Auftritte des St. Petersburger Staatsballetts bei einem Gastspiel in Darmstadt.

In die Ausstellung einführen wird Anita Köhler, die im Herrenhaus federführend für die Kultur zuständig ist. Musikalisch umrahmt wird die Vernissage von der russischen Pianistin Marina Lebenson. Die Ausstellung dauert bis zum 30. Januar.

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