Bensheim

Vokalklang Mit facettenreichem Konzert verabschiedet sich Chorleiter Markus Detterbeck nach Südamerika

Ein bewegendes und mitreißendes Lebewohl

Schwanheim.Sogar der liebe Gott hat sich gemeldet: Bei der Generalprobe des Chors Vokalklang am Samstagabend schlugen zwei Blitze in die Schwanheimer Kirche ein. Die komplette Elektrik war daraufhin ausgefallen. Die Kirchenuhr blieb bei 22.23 Uhr stehen – und das Ensemble stand im Dunkeln.

Vielleicht ein elementarer Gruß zum Abschied von Chorleiter Markus Detterbeck, der sich nach fünf Jahren als Kopf des Kammerchors Richtung Südamerika verabschiedet. In Ecuador warten ab Juli zwei Jahre lang neue Projekte auf den Dirigenten, Komponisten und Schulmusiker, der Vokalklang zu einem vielseitigen und musikalisch erfolgreichen Chor weiter entwickelt hat. Es war ein bewegender, mitreißender und für viele am Ende durchaus auch emotionales Lebewohl. Zu Gehör kamen viele Stücke, die man aus den Konzerten der vergangenen Jahre kennt, ausgarniert mit neuen Arrangements und einigen internationalen Einflüssen, die bei etlichen musikalischen Begegnungen hängen geblieben sind. Langer Applaus für Chor und Leiter am Sonntag in der wieder erhellten Schwanheimer Kirche.

In vier Genre-Blöcken präsentierte Vokalklang einen Querschnitt seines kontrastreichen Repertoires. Zu Beginn präsentierten die Sängerinnen und Sänger geistliche Werke aus Südamerika, die bei den Workshops mit der argentinischen Chorleiterin Virginia Bono einstudiert wurden. Darunter das „Gloria“ des Komponisten Athos Palma und das zeitgenössische „Ave Maria“ von Marcelo Valva, die durch filigrane Intonation und kontemplative Kraft gekennzeichnet waren und durch die Akustik der Kirche eine leise monumentale Raumtiefe und betörende Klangschönheit entfalten konnten. Immer wieder hat sich das Ensemble in den vergangenen fünf Jahren neuen Kulturen und Stilen gegenüber geöffnet und durch die Zusammenarbeit mit Gastdirigenten neue Horizonte erschlossen. Proben auf hohem Niveau, ohne Berührungsängste und kategorische Barrieren waren und sind zentrale Ursachen für die Qualität des Chors, der bei etlichen nationalen und internationalen Wettbewerben eine glänzende Visitenkarte abgegeben hat. beim internationalen Harmoniefestival 2017 in Lindenholzhausen haben die Bensheimer je ein Zertifikat in Silber und in Bronze gewonnen. Auch beim Chorwettbewerb des Deutschen Chorverbandes im Rahmen des Deutschen Chorfestes Stuttgart 2016 nahmen die Sänger einen ersten Preis in der Kategorie Folklore/Weltmusik mit nach Hause.

Das Stück „Zu Regensburg auf der Kirchturmspitz“ wurde dort mit einem ersten Platz belohnt. Eine Volksweise aus dem 19. Jahrhundert aus der Geburtsstadt des Chorleiters, der Vokalklang im Februar 2013 zunächst als Projektchor gegründet und innerhalb von einem guten Jahr zu einem gemischten Ensemble formiert hat, der aktuell aus 23 Sängerinnen und Sängern besteht. Geprobt werden Werke aus allen Epochen und Stilen. Auch nach Detterbecks Rückzug soll es in diesem Sinne weitergehen. Ein Nachfolger ist bereits gefunden, heißt es aus dem Verein.

Auch das schwedische Volkslied „Uti var hage“ wurde in Stuttgart als Siegertitel ausgezeichnet. „Die Gedanken sind frei“ erstrahlte in Schwanheim als Klassiker im 5/4-Takt, der südafrikanische Traditional „bawo thixo somandla“ ist ein musikalisches Andenken an eine Begegnung mit einem Gastchor im Jahr 2015 in St. Georg. Ein Stück voller Rhythmik und Lebensfreude, bei dem die Klangkultur, Gesangsfreude und eindrucksvolle Homogenität des Ensembles wunderbar zum Ausdruck kam.

Das Finale gehörte der Popmusik. „Java Jive“ ist eine anregend swingende Hymne an den Kaffeegenuss, der unter anderem durch das New Yorker Vokalquartett Manhattan Transfer bekannt wurde. Und mit „Don’t Stop Me Now“ von Queen und einem vielsagenden „Thank You For The Music“ (ABBA) – beides in Arrangements von Oliver Gies – warteten noch zwei dynamische Chorwerke voller Harmoniegesang, Dynamik und eingängiger Melodien.

„Wer kann ohne Wind segeln, wer kann ohne Ruder rudern, wer kann sich von seinem Freund trennen, ohne Tränen zu vergießen?“ hießt es in dem schwedischen Song „Vem kann segla“. Emotionale Zugabe eines hochklassigen Abschlusskonzerts mit Markus Detterbeck, der mit dem Publikum noch das afrikanische „Siya hamba“ angestimmt hat. So dunkel es am Vorabend gewesen war, so hell leuchtete die Schwanheimer Kirche in diesem besonderen Moment.

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