Bensheim

Hospiz-Verein Wolfgang Nieswandt auf Einladung von Frank-Walter Steinmeier in Berlin / Buchpräsent für ehemalige Patientin

Ein Geschenk vom Bundespräsidenten

Archivartikel

Bensheim.Bei seinem Antrittsbesuch in Hessen vor einem Jahr fand der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an der Bergstraße nahe beieinander, was er sich bei seiner Vereidigungsrede für seine Deutschlandreise so weit gespannt vorgestellt und gewünscht hatte: vom Kindergarten in Darmstadt bis zum Hospiz in Bensheim am Kirchberg.

Auch seine Ehefrau Elke Büdenbender war von diesem Besuch beeindruckt. Sie erwähnte unter anderem die jungen Zimmerleute von der Metzendorfschule, die mit ihren Lehrern ein Gartenhaus für den Hospizgarten in Bensheim aufgebaut haben.

Zur Abschlussveranstaltung seiner Deutschlandreise hatten der Bundespräsident und seine Frau Repräsentanten aus allen Orten, die sie besuchten, vor ein paar Tagen ins Schloss Bellevue eingeladen. Für Bensheim war Wolfgang Nieswandt als Vertreter des Hospiz-Vereins in Berlin dabei.

„Staatsform der Mutigen“

Steinmeier nannte in seiner Rede die Demokratie eine „Staatsform der Mutigen“, die Mut zum Neuen und Mut für Veränderungen haben. Er selbst wolle ein Präsident sein, der seine Rolle nicht nur am Rednerpult sieht, sondern im persönlichen Austausch mit Menschen über deren Ideen von einem gelingenden Zusammenleben in Deutschland.

Der aber auch wissen will – und zu hören bekam –, wo es hapert und wo neue Herangehensweisen gebraucht werden. In Bensheim war deshalb bewusst auf den großen Empfang verzichtet worden, zugunsten einer intensiven Gesprächsrunde im Hospiz (der BA berichtete).

Auch in Bellevue diskutierten die 16 Vertreter aus den Bundesländern moderiert von Linda Zervakis mit Steinmeier und Büdenbender über Motivation, Schwierigkeiten aber auch Erfolge ihrer Arbeit. Dass es in der heiteren Würde von Schloss Bellevue nicht steif zugehen konnte, dafür sorgte die Duke Brass Band aus Potsdam. Fünf junge Leute zogen fetzig mit „Shape of you“ von Ed Sheeran ein.

Besonders bei den Themen Integration, Zuwanderung und Asyl sieht das Staatsoberhaupt großen Bedarf an freiem Gedanken- und Erfahrungsaustausch. Ganz bewusst wolle er die mediale Aufmerksamkeit, die sein Amt und die Reise genießen, denen zugutekommen lassen, die im Schatten stehen. Das ist ihm nicht nur in Bensheim gelungen, sondern an allen Orten seiner Reise.

Auch die „große Politik“ klang bei der Begrüßungsrede an, „vor dem Hintergrund beunruhigender Entwicklungen in der Europäischen Union und weltweit“. Steinmeier sagte: „Mein Besuch in den USA vergangene Woche hat mich darin bestärkt, die vermeintlichen Gewissheiten, die wir in den westlichen Demokratien vor fünf oder zehn Jahren noch für breit akzeptiert gehalten haben, neu zu thematisieren – wo es sein muss: auch laut zu verteidigen.“

Demokratie bedeute nicht nur, alle vier Jahre zu wählen, Demokratie sei nicht auf Ewigkeit garantiert, sie müsse stets neu gelebt werden, sie sei ein immerwährender Beteiligungsprozess. Die Menschlichkeit, wie auch Schutz der Schwachen und von Minderheiten als eine ihrer Voraussetzungen, müsse unbedingt bewahrt werden.

Zeichen der Wertschätzung

Als Zeichen der Wertschätzung für in diesem Sinne engagierte Mitbürger sei Schloss Bellevue heute offen für seine Gäste, die sein Angebot und die Aufforderung zum Gespräch gern und ausgiebig nutzten. Aus Bensheimer und hospizlicher Sicht war berührend, dass sich der Präsident an Frau K. erinnerte, die er vor einem Jahr im Hospiz begrüßt hatte und die zwischenzeitlich sogar nach Hause entlassen werden konnte.

Mit einer persönlichen Widmung im Buch zur Deutschlandreise „Stimmen der Demokratie“ sendete ihr das Berliner Präsidentenpaar gute Wünsche nach Bensheim. Wolfgang Nieswandt überreichte es am vergangenen Freitag mit großer Freude. red

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