Bensheim

Religion ZDF sendete am Sonntag aus der Bensheimer Hospitalkirche / Hohe Einschaltquote

Ein Gottesdienst für 1,4 Millionen Gläubige

Bensheim.In allen Diözesen Deutschlands dürfen inzwischen aufgrund der aktuellen Lage keine öffentlichen Gottesdienste mehr gefeiert werden. Umso wichtiger werden die Übertragungen im Fernsehen und Internet, und um diese gerade auch in Corona-Zeiten zu gewährleisten, hat sich am Sonntag eine kleine Schar in der Hospitalkirche zum Gottesdienst versammelt.

Dabei gab es praktisch keine Gemeinde, weshalb man vorab auch auf eine Ankündigung in der Presse verzichtet hatte. „Es war dringend geboten, die Zahl der Anwesenden während der ZDF-Produktion so gering wie möglich zu halten“, heißt es von Seiten der Katholischen Fernseharbeit.

Unter Beachtung der geltenden Hygienevorkehrungen verteilten sich die wenigen Mitwirkenden in den leeren Bänken, im Altarraum saßen Pfarrer und Messdiener mit viel Abstand voneinander. Vor Ort waren sie 15, in Wirklichkeit bildeten sie aber am Sonntag ab 9.30 Uhr live im ZDF eine Gemeinde mit 1,43 Millionen Menschen, die sich der Feier über das Fernsehen anschlossen. Erstmals wurde ein ZDF-Gottesdienst zusätzlich über Facebook, Twitter und Youtube live gestreamt und sorgte allein im Fernsehen für die höchste Einschaltquote bei einer Gottesdienstübertragung seit dem Papstwechsel von Johannes Paul II auf Benedikt XVI.

Die Menschen, die übers Fernsehen mitgefeiert hatten, waren tief bewegt von der Trostbotschaft, dankbar für den aufs Wesentliche reduzierten Gottesdienst, berührt von den Texten und ins Herz getroffen von der authentischen Predigt von Pfarrer Heinz Förg, die angesichts einer für alle so gespenstischen, beängstigenden Situation Zuversicht vermittelte.

Das gelang auch durch die treffende musikalische Gestaltung, zum Beispiel die Psalmvertonung von Felix Mendelssohn-Bartholdy „Auf Gott allein will hoffen ich“. A cappella berührend schön vorgetragen von einem Quartett aus dem Jungen Vokalensemble St. Georg unter der Leitung von Gregor Knop hat sie vielen Trost zugesprochen.

Überwältigende Resonanz

Das zeigte die Resonanz via Telefonhotline nach der Livesendung, die überwältigend war. 5000 Menschen versuchten anzurufen, 563 Gespräche konnten mittels acht parallel geschalteter Leitungen bis 15 Uhr geführt werden.

Das Feedback war durchweg positiv: Viele weinten vor Rührung, wollten unbedingt ihren Dank übermitteln, waren erfüllt von der persönlichen und Nähe schaffenden, frei gehaltenen Predigt von Pfarrer Förg, die sie als so aufbauend empfanden. Außerdem wurde Carola Simrock gelobt für ihren klaren Kantorengesang, überhaupt die jungen Sängerinnen und Sänger, die dazu beigetragen haben, dass der ganze Gottesdienst „wohltuend für die Seele“ war.

Besonders beeindruckt hat der erst neunjährige Laurenz Hoffmann mit einer Fürbitte für alle, „die grade Abstand voneinander halten müssen, obwohl sie die Gemeinschaft so sehr brauchen, Enkel von Oma und Opa, die Jüngeren von den Älteren“. Für sie alle stellte er schließlich eine Kerze auf den Altar, die, wie mancher am Telefon rückmeldete, „wirklich Licht gebracht hat“.

Eine schöne Bilanz für eine ZDF-Gottesdienstübertragung unter erschwerten Bedingungen: Normalerweise stehen die Übertragungsorte ein Jahr im Voraus fest und die Gottesdienste werden von langer Hand geplant. Aber was ist in diesen Wochen schon normal? Corona hat längst auch die ZDF-Gottesdienste erreicht, das Virus macht auch vor den Übertragungsgemeinden nicht halt. So kam es, dass die Gemeinde in Dormagen aufgrund der Erkrankung eines Mitarbeiters die für den 22. März vorgesehene Übertragung kurzfristig absagen musste.

Plan B hieß Bensheim

Innerhalb einer Woche brauchte es einen Plan B. Und Plan B hieß Bensheim. ZDF und Bischofskonferenz suchten binnen weniger Tage einen kameraerfahrenen Pfarrer, eine für die ZDF-Technik geeignete Kirche und gute Kirchenmusik. Pfarrer Heinz Förg erfüllt das erste entscheidende Kriterium voll und ganz. Seit vielen Jahren nimmt er für die Katholische Kirche Videoclips mit einer täglichen Kurzauslegung des Evangeliums und anschließendem Segen auf, den sogenannten Tagessegen. Dieses Format und einige ZDF-Gottesdienstübertragungen machten ihn zum Wunschkandidaten für diesen Notfallplan.

Die Heilig-Geist-Stiftung und die Pfarrei Sankt Georg ermöglichten, dass für die Übertragung die Hospitalkirche zur Verfügung gestellt wurde. Und Gregor Knop garantierte schließlich eine qualitätsvolle musikalische Gestaltung. So gelang es, binnen einer Woche einen Gottesdienst sendefähig zu konzipieren.

Das ZDF-Team, das ebenfalls hohe Flexibilität mitbringen musste, war sehr angetan von der angenehmen Atmosphäre vor Ort – obwohl sie die Bensheimer Gastfreundschaft anders erfahren mussten, als etwa durch freundliches Gemeinde-Catering während des Übertragungswochenendes. Die Hygieneverordnungen erlaubten nicht einmal eine Tasse Kaffee . . .

„Aber was letztlich zählte, war: Es haben sich viele eingesetzt und mitgeholfen, dass man sich in diesen drei Tagen trotz gefordertem Abstand „nah“ war – im Einsatz für eine gemeinsame Sache, die den Mitfeiernden sehr viel gegeben hat, in einer Zeit, in der es genau diese Lichtblicke braucht“, sagt die zuständige Redakteurin Karoline Knop. red

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