Bensheim

Goethe-Gymnasium Schülergruppe besuchte die Zwingenberger Partnerstadt / Anspruchsvolles Reiseprogramm sorgte für bleibende Eindrücke

Ein Kunstwerk aus Bensheim für Brisighella

Bensheim.Es waren drei neue Akzente, die die diesjährige Fahrt der Goethe-Schüler nach Brisighella, der Partnerstadt Zwingenbergs, von den Begegnungen in den vergangenen Jahren unterschieden und die zugleich neue Perspektiven eröffneten. An der Fahrt nahmen ältere Schüler teil als in den Jahren zuvor, die Unternehmung unter der Leitung von Martina Limp und Ute Ritter war deshalb stärker thematisch orientiert. Kunst, Sport und Geschichte waren die Schwerpunkte, die bleibende Eindrücke bei allen Teilnehmern hinterließen.

Den Auftakt bildete die Besichtigung der Mosaiken von Ravenna, die Kirchen San Vitale und Sant'Apollinare Nuovo und das Grabmal der Galla Placidia, der zu ihrer Zeit mächtigsten Frau des Weströmischen Reiches.

Für den obligatorischen Empfang im Rathaus von Brisighella hatte sich der Kunstkurs von Ute Ritter eine besondere Überraschung ausgedacht. Er hatte beim Wettbewerb zum Thema "Europa - Hort der gemeinsamen Werte?", den die Hessische Staatskanzlei anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Regionalpartnerschaft Hessen - Emilia-Romagna ausgeschrieben hatte, den ersten Preis gewonnen (wir haben berichtet).

Die ebenfalls prämierte inszenierte Fotografie mit dem Titel "Italia-Germania", eine künstlerische Neufassung des romantischen Gemäldes von Friedrich Overbeck aus dem Jahr 1828, transformiert die idealisierten Fantasielandschaften des Originals in Silhouetten von Brisighella und der Bergstraße, die allegorischen Frauenfiguren werden jetzt dargestellt von einer deutschen und einer italienischen Schülerin. Die romantische Sehnsucht nach einer Verbundenheit von Nord und Süd wurde Realität, das Werk des Kunstkurses ziert von jetzt an das Amtszimmer des Bürgermeisters Davide Missiroli.

Neue Sportart "Baskin"

Einen wichtigen Platz in der Schul- und Bildungslandschaft nimmt seit einigen Jahren auch in Deutschland der Begriff der Inklusion ein. Während hierzulande die Probleme der Umsetzung dominieren, hat sich in der Umgebung von Brisighella vor allem durch das Engagement zweier Trainer die neue Sportart "Baskin" auch auf der Ebene von organisiertem Verbands- und Wettkampfsport etabliert.

Hier handelt es sich um eine Wortschöpfung aus "Basketball" und "Inklusion", die Mannschaften sind gemischt, Spieler mit unterschiedlichen Graden von Behinderung bilden eine Mannschaft zusammen mit Spielern ohne Handicap. Ein verbindliches Regelwerk ermöglicht den konstitutionell Unterlegenen Erfolgserlebnisse, es nötigt den Überlegenen im Spielverhalten Respekt ab gegenüber den Schwächeren.

Hier konnten die Schüler aus Bensheim, die in den jeweiligen Mannschaften mitspielten oder auf der Tribüne als Zuschauer dabei waren, erleben und erfahren, was es heißt, wenn man Inklusion nicht thematisiert, sondern praktiziert.

Der Besuch einer Gedenkstätte stand ebenfalls auf dem Programm der Reisegruppe aus Bensheim. Während des Zweiten Weltkriegs, vom 29. September bis zum 1. Oktober 1944, verübte die 16. SS-Panzergrenadierdivision in der Umgebung von Marzabotto, einem Apenninendorf etwa 60 Kilometer nordwestlich von Bologna, eines der grausamsten Massaker in Italien.

Authentische Führung

Mehr als 700 Menschen aus der Zivilbevölkerung, darunter mehr als 200 Kinder unter 13 Jahren, wurden unter Beteiligung der Wehrmacht durch Gewehrsalven und Handgranaten ermordet. Die Aktion galt dem Kampf gegen Partisanen, Männer im wehrfähigen Alter waren nicht unter den Toten, die Opfer wurden "Banditen" genannt. Gegen die Kriegsverbrecher wurde Anklage erhoben, die hohen Haftstrafen wurden nie vollstreckt, deutsche und italienische Gerichte hoben erstinstanzliche Urteile wieder auf, bei Todesurteilen wurden Begnadigungen ausgesprochen.

Der Besuch der Gedenkstätte Parco Storico di Monte Sole macht sprachlos, eine außerordentlich authentische und für das jugendliche Publikum sehr zugängliche Führung in englischer Sprache will keine Antworten geben, die Triebfedern für solche Massenmorde bleiben auch der heutigen Psychologie verschlossen.

Die Fahrt wurde beendet mit einem Ausflug nach Florenz, Boboli-Gärten, Medicikapelle und der Blick vom Campanile über die Stadt und das Arnobecken begeisterten. Ein gemeinsamer Abend mit den italienischen Freunden vom dortigen Partnerschaftsverein Zwingenberg festigte einmal mehr die mittlerweile enge Verbindung zwischen den beiden Städten und dem Goethe-Gymnasium. Rudolf Wein

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