Bensheim

Woche junger Schauspieler Morgen zeigt das Deutsche Nationaltheater Weimar im Parktheater eine Inszenierung von „Michael Kohlhaas“

Ein Pferdehändler rächt sich mit Selbstjustiz

Bensheim.Wie komme ich zu meinem Recht, wenn der Staat sich nicht darum kümmert? Eine Frage, die sich heutzutage viele Menschen stellen – sie fühlen sich ungerecht behandelt und wollen sich dagegen wehren. So aktuell dies klingen mag, schon Heinrich von Kleist beschäftigte sich im 19. Jahrhundert mit dem Thema Selbstjustiz und veröffentlichte zu diesem Thema seine Novelle „Michael Kohlhaas“.

Das Deutsche Nationaltheater Weimar interpretierte dieses Werk unter Regisseur Sebastian Martin neu, passte es dem aktuellen Zeitgeschehen an und zeigt die Inszenierung nun im Rahmen der Woche junger Schauspieler am morgigen Mittwoch (13.) um 19.30 Uhr im Parktheater.

Michael Kohlhaas, „einer der rechtschaffensten und zugleich entsetzlichsten Menschen seiner Zeit“ – wie Heinrich von Kleist seinen Protagonisten beschreibt – ist ein angesehener Pferdehändler und wird mit einigen seiner Pferde, die er in Sachsen verkaufen möchte, an der Grenze angehalten. Er benötige einen Passierschein, so der Zöllner. Da er diesen nicht vorlegen kann, werden zwei seiner Pferde verpfändet und bei Junker Wenzel von Tronka untergestellt.

Kohlhaas reist sogleich nach Dresden, um sich einen solchen Schein ausstellen zu lassen, doch es stellt sich heraus, dass es diesen gar nicht gibt. Er kehrt zurück zur Tronkenburg und möchte nun seine Pferde abholen, doch die sind vollständig verwahrlost und nicht mehr zu gebrauchen. Kohlhaas klagt gegen das ihm widerfahrene Unrecht, doch seine Klage wird abgelehnt.

Seine Frau Lisbeth möchte sich in Berlin Gehör verschaffen, doch dieser Versuch, ihrem Mann zu seinem Recht zu verhelfen, scheitert und endet mit ihrem Tod. Kohlhaas schwört nun Rache und brennt Stadt um Stadt nieder, versetzt das ganze Land in Angst und Schrecken, um Tronka zur Rechenschaft zu ziehen. Der Adel, darunter der Kurfürst von Sachsen und der Kurfürst von Brandenburg, stehen nun vor der Entscheidung, wie dem Rosshändler zu begegnen sei: Ihm Recht geben oder ihn aus dem Verkehr ziehen?

Erzählt wird die Geschichte des Michael Kohlhaas in der Weimarer Inszenierung von vier rechtsextremen Figuren, gespielt von Marcus Horn, Thomas Kramer, Jonas Schlagowsky und Isabel Tetzner. Sie interpretieren das Geschehen auf ihre Weise und werfen Fragen und Gedanken auf, denen sich das Publikum stellen sollte.

Der Trailer, gedreht von Marius Böttcher und einsehbar auf YouTube, zeigt bereits das außergewöhnliche Bühnenbild (Kaja Bierbrauer), eine große Fensterfront hinter der sich einiges abspielt, und ungewöhnliche Requisiten wie Pferdeköpfe und -körper. Auch die Intensität des Stückes, die schauspielerische Leistung der vier Darsteller macht neugierig, das ganze Stück auf der Bühne gespielt zu sehen.

Pia Ganser, Jahrgangsstufe Q2, AKG Bensheim

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