Bensheim

Liebfrauenschule Sechstklässlerin Franziska Müller nahm am Landesentscheid des Vorlesewettbewerbs teil

Eine der besten Vorleserinnen in Hessen

Archivartikel

Bensheim.Schon die vierte Runde hatte Franziska Müller von der Liebfrauenschule erreicht, als sie kürzlich zum Wettbewerb der besten Vorleser aus den sechsten Klassen der hessischen Schulen antrat. Sie hatte also schon Übung im Verfahren, ein selbst ausgewähltes Buch kurz vorzustellen, anschließend drei Minuten daraus vorzulesen und dann in der zweiten Runde einen fremden Text vorzutragen. Auf dieser Ebene geht es manchmal um Nuancen. Bewertet werden Lesetechnik und Interpretation. Versprecher werden übrigens nicht bewertet, und engagiertes Vorlesen heißt hier nicht Schauspielerei.

Die Fans aus Bensheim besetzten eine ganze Reihe im Saal. Schließlich ist der Erfolg, bis hierher gekommen zu sein, auch eine Teamleistung von Mut machenden Eltern, Tipps gebenden Buchhändlern, Bibliothekarinnen, Lesescouts und unterstützenden Schulen. Im Klassenentscheid über Schulentscheid, Kreis- und Bezirksebene brachten die Vorleser neben dem Talent und professioneller Vorbereitung auch die zunehmende Übung mit, selbst im Stress das Beste geben zu können und die stets wachsende Aufregung im Zaum zu halten.

Die ausgewählten Bücher handelten von Geheimnissen und Alpträumen, Begegnungen mit Panthern und sprechenden Computern, Angst vor Verrat und Einsamkeit. Und mehr als einmal bekam das Publikum Herzklopfen, feuchte Hände oder Gänsehaut. Die bekam es ganz sicher bei dem Textausschnitt, den die Bensheimer Schülerin zum Besten gab.

Geschichte aus Afghanistan

Franziska Müller hatte sich das Buch „Über die Berge und über das Meer“ von Dirk Reinhardt ausgesucht – eine Geschichte über ein Mädchen aus einem Dorf in den afghanischen Bergen, das als siebte Tochter einem alten Brauch zufolge als Junge aufgewachsen ist und sich frei bewegen und die Schule besuchen durfte. Inzwischen hat sie das Alter erreicht, indem sie als Mädchen leben sollte und wird enttarnt.

In der Fachliteratur spricht man viel von der Wirkung des Vorlesens auf Fantasie und Vorstellungskraft. Eben das konnte man an den Gesichtern ablesen, wenn man ins Publikum schaute. Selbst als in der zweiten Runde ein und derselbe Textausschnitt – aus Gründen der Fairness und Vergleichbarkeit – achtmal vorgelesen wurde, blieb es spannend. Alle legten in ihren Vortrag viel Persönliches und Persönlichkeit hinein.

Die Jury, bestehend aus Vertretern aus Rundfunk und Literatur, einem Schauspieler und der Vorjahressiegerin, hatte es wahrhaftig nicht leicht. Siegerin wurde Tamina Fohrmann aus Kassel, die nun zum Bundesentscheid nach Berlin fahren darf. Allen Teilnehmern wurde der gebührende Beifall gezollt und am Schluss gar mehrmals kräftig mit den Füßen getrommelt.

Seit 60 Jahren gibt es den Vorlesewettbewerb nun schon. Er gehört zu den wichtigsten Schülerwettbewerben und ist Deutschlands größter Lesewettstreit. Er wird vom Börsenverein des Buchhandels veranstaltet und steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten.

„Die Liebfrauenschule ist stolz auf die fantastische Leistung von Franziska“, heißt es in einer Pressemitteilung der Schule. „Die Mitschülerinnen sehen: Mit viel Talent und guter Vorbereitung kann man Großes erreichen.“

Die Begeisterung für das Lesen habe sich jetzt schon als ansteckend erwiesen. Viele Mitschülerinnen nahmen die neuesten Lesetipps auch als Anregung für eigene Leseerkundungen und die Fünftklässlerinnen als Ansporn für den Wettbewerb im nächsten Jahr. red

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