Bensheim

Haupt- und Finanzausschuss Vorstand Manfred Vögtlin gab eine Bestandsaufnahme ab / Kritik an den Fusionsforderungen aus der Kommunalpolitik

Eine Fusion „würde mehr Stellen kosten“

Bensheim.Manfred Vögtlin arbeitet seit 27 Jahren im Vorstand der Sparkasse Bensheim. Man darf ihm unterstellen, dass er in diesen knapp drei Jahrzehnten beruflich einiges mitgemacht hat. Im Haupt- und Finanzausschuss gab der 63-Jährige, der nach der Vertragsauflösung des bisherigen Vorstands Eric Tjarks übergangsweise an der Spitze des Kreditinstituts steht, eine Einschätzung der aktuellen Situation seines Arbeitgebers ab.

Dabei vermittelte Vögtlin wenig überraschend nicht zwingend den Eindruck, ein sturmreif geschossenes Schiff auf rauer See navigieren zu müssen. Vielmehr wies er darauf hin, dass man zwar in turbulenten Zeiten arbeitet und in einem schwierigen Geschäftsumfeld antreten müsse. „Aber wir stehen ordentlich da und gehen unsere Herausforderungen an.“

In erster Linie bedeutet das: Die Sparkasse will – wie berichtet – Personalkosten sparen und muss in Sachen Kundenzufriedenheit zulegen. Denn in diesen Punkten „weichen wir negativ vom Hessendurchschnitt ab“, so Vögtlin. Um im Betriebsergebnis besser dazustehen, müsste man beim Personalaufwand drei bis vier Millionen Euro einsparen.

52 Stellen werden abgebaut

Bis 2024 sollen deshalb 52 Vollzeitstellen (von 260) wegfallen, in diesem Jahr habe man bereits zehn abgebaut. Wobei diese „ersten Erfolge“ (Vögtlin) nicht verhindern werden, dass im Corona-Jahr 2020 das Betriebsergebnis weiter sinken und die Sparkasse keine Gewinne ausschütten wird. Das hatte das Bensheimer Haus im vergangenen Jahr zum ersten Mal auf kommunalpolitischen Druck hin getan. „Der Gewinn 2019 wird für die Stärkung des Eigenkapitals verwendet. Das entspricht auch den Forderungen der Bankenaufsicht“, erläuterte der Vorstand.

Vögtlin sprach von einem massiven Druck auf das operative Geschäft, die Negativzinsen machten den Instituten weiterhin zu schaffen. Dennoch verzeichne die Sparkasse Bensheim einen deutlichen Zuwachs im Kreditgeschäft, im Wertpapiergeschäft habe man viel Kompetenz im Haus. Im Vergleich zu anderen Sparkasse stehe man in diesem Geschäftsfeld sehr gut da. Vögtlin betonte, dass man grundsätzlich den Anspruch verfolge, auch in schwierigen Zeiten ein verlässlicher Partner zu sein.

Als Stärke führte er – wie bei seinem Vortrag im Lorscher Haupt- und Finanzausschuss (wir haben berichtet) – das Geschäftsgebiet an – mit einer hohen Kaufkraft, vermögenden Kunden, einer niedrigen Arbeitslosenquote und starken sowie erfolgreichen Unternehmen. Von einer Fusion zum jetzigen Zeitpunkt riet der kommissarische Sparkassen-Vorstand erwartungsgemäß ab. Das gehe nicht ohne zusätzlichen Stellenabbau vonstatten, warnte er. Zudem hätte es negative Auswirkungen auf Gewerbesteuerzahlungen. „Und bei jeder Fusion werden Filialstandorte infrage gestellt.“ Hinzu komme, dass man dafür die richtigen Leute an der Spitze der Unternehmen brauche.

An der öffentlich geführten Fusionsdiskussion aus der Kommunalpolitik heraus übt er Kritik. „Das steigert die Motivation der Mitarbeiter nicht.“ Doch gerade auf deren Engagement sei man angewiesen, wenn man die Herausforderungen bewältigen wolle. Durch den Personalabbau und den Wechsel im Vorstand seien die Belastungen schon erheblich.

„Jeder kann sich ein Bild machen“

BfB-Chef Franz Apfel, dessen Fraktion den Besuch des Sparkassen-Vorstands (damals noch Eric Tjarks) per Antrag eingefordert hatte, gab sich gespielt verwirrt ob der Aussagen von Vögtlin und einer Stellungnahme von Bürgermeister und Verwaltungsratsvorsitzenden Rolf Richter. Während Vögtlin ausgeführt habe, dass die Sparkasse eigentlich gut dastehe, habe Richter das Geldinstitut in einem Gespräch mit dieser Zeitung zurzeit eher als „Übernahmekandidat“ klassifiziert. „Was stimmt denn?“, wollte Apfel wissen.

Die Äußerungen des Rathauschefs wollte Manfred Vögtlin nicht kommentieren. Er habe gerade erläutert, wie sich die Situation darstellt. „Aufgrund der Zahlen kann sich jeder selbst ein Bild machen.“ Richter selbst sah keine Diskrepanz. Er habe schließlich auch angemerkt, dass die Sparkasse gut unterwegs sei und man die Chance habe, zu alter Stärke zurückzufinden. So gesehen stehe das nicht im Widerspruch zur Präsentation des Vorstands.

„Wollen eine starke Sparkasse“

Richter blieb jedoch bei seiner Einschätzung, dass man aktuell ohne Vorstandsvorsitzenden und ohne Hauptstelle in Fusionsverhandlungen einen schwierigen Stand haben würde. Apfel entgegnete erneut, dass er es jetzt für angemessen halte, über die Zukunft nachzudenken, bevor man 35 Millionen Euro für einen Neubau ausgibt. „Wir wollen eine starke Sparkasse“, so Apfel. Die könne aber auch Sparkasse Bergstraße heißen.

Vögtlin erklärte auf Nachfrage des Ausschussvorsitzenden Tobias Heinz (CDU), dass man in Bensheim von der Größe her eine „mittlere Sparkasse“ sei. Es gebe Häuser, die seien nur ein Drittel so groß und „dort wird keine Not gesehen, eine Fusion anzustreben“.

Natürlich werde das Thema intern fortlaufend besprochen. Man sei aber nicht unter Zugzwang. „Die Risiken schätze ich zurzeit höher ein als die Chancen.“

Doris Sterzelmaier (GLB) mahnte an, dass es keine Denkverbote beim Thema Fusion geben dürfe und wollte wissen, ob man sich Kooperationen vorstellen könne, ohne zu fusionieren. Das scheint wiederum ein mögliches Zukunftsmodell zu sein. Vögtlin verdeutlichte, dass man sich in Gesprächen mit den Sparkassen in Heppenheim und Erbach befinde, was eine Zusammenarbeit bei bestimmten Themen betrifft.

Markus Woißyk (CDU) vertrat die Position, dass man vorausschauen und keine „alte Wäsche waschen“ sollte. Ein Neubau würde zu einer besseren Kundenzufriedenheit beitragen. Der Sparkasse müsse man Zeit geben, sich neu aufzustellen. Fusionsaufforderungen sollten daher nicht aus den Reihen der Politik kommen.

Alles in allem brachte die eineinhalbstündige Bestandsaufnahme im Fachausschuss, bei der auch ein Fragenkatalog von BfB und GLB abgearbeitet wurde, keine bahnbrechend neuen Erkenntnisse – weder in die eine, noch in die andere Richtung. Aber davon war auch nicht auszugehen.

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