Bensheim

Interkulturelles Fest Großes Programm bei der zehnten Auflage im Rahmen des Bürgerfestes / Mehr als 240 Akteure

Eine Weltreise auf kleinem Raum

Archivartikel

Bensheim.In zehn Minuten von Marokko in die Türkei, zurück über Eritrea, Pakistan und Ecuador. Das ist beim Interkulturellen Fest in Bensheim durchaus möglich. Die zehnte Ausgabe lockte am Samstag zahlreiche Gäste auf die bunte Meile zwischen Hospitalbrunnen und Storchennest, wo 25 Stände und ein kurzweiliges Programm die Welt zusammengebracht haben. Auf den beiden Bühnen boten mehr als 240 Akteure aller Altersgruppen Musik und Tanz von rund um den Globus.

Auch, wenn hier nur der lokale Mikrokosmos lebte: Die Veranstaltung, die seit 2008 – mit Unterbrechung zum Hessentag 2014 – alljährlich ans Bürgerfest angekoppelt ist, spiegelte kulturelle Vielfalt in komprimierter Form.

Menschen unterschiedlichster Nationalität kamen im Herzen der Stadt zusammen, um gemeinsam zu feiern, zu sprechen und sich kennenzulernen, wie Bürgermeister Rolf Richter bei der Eröffnung betonte. Sein Stadtrat Adil Oyan hatte auch noch etwas anderes im Sinn: „Integration geht durch den Magen“, meinte er angesichts der internationalen kulinarischen Genüsse, die am Bürgerfest-Samstag in der unteren Fußgängerzone serviert wurden. Oyan ist unter anderem für den Bereich Integration zuständig.

Seit 2011 findet das Fest an diesem Tag statt. Geschultert von etlichen Vereinen, Verbänden, Organisationen und Religionsgemeinschaften, die für ein paar Stunden zusammenrücken und sich dem widmen, was sie eint und verbindet, wie es ein pakistanischer Gast formulierte.

Dynamischer Integrationsprozess

Auch zum Jubiläum fand wieder ein interkulturelles Friedensgebet statt: „In diesen Zeiten wichtiger denn je“, so der städtische Integrationsbeauftragte Manfred Forell, der das Fest gemeinsam mit dem Ausländerbeirat und der Stadtverwaltung initiiert hatte. „Aus den Geflüchteten der Jahre 2015 und 2016 sind Mitbürger geworden“, kommentierte er den dynamischen Integrationsprozess vieler Menschen, die in Bensheim wohnhaft geworden sind. Aus einer ersten Hilfe zur Orientierung sei ein Miteinander im Alltag geworden, so Forell.

„Integration bedeutet echte Teilhabe und Dazugehören, nicht nur geduldetes Dasein.“ Yvonne Dankwerth, Vorsitzende des Ausländerbeirats, freute sich über den Zusammenhalt der Nationalitäten, die in Bensheim vertreten sind.

Das gemeinsame Gebet war ein symbolischer Schulterschluss der Weltreligionen – eine Geste für Frieden und Freiheit in einer bunten Gesellschaft. Neben Pfarrer Tillmann Pape vom Evangelischen Dekanat Bergstraße und seinem katholischen Kollegen Thomas Catta aus der Pfarrei Sankt Georg nahmen daran auch der Imam und islamische Theologe Afaq Ahmad (Ahmadiyya Muslim Jamaat Bensheim), die Vorsitzende der Alevitischen Gemeinde Bergstraße in Bensheim, Hüseyin Canoglu, sowie Schiwa Zierau von der Bahá’í Gemeinde teil. Das Gebet betonte die Vielfalt des Lebens und die Sehnsucht nach Frieden und Gerechtigkeit. Pfarrer Pape sagte, das Interkulturelle Fest sei ein sichtbares Zeichen dafür, wie eine bunte Gesellschaft das Leben in einer Stadt bereichern könne. „Wir wollen Hass in Liebe und kriege in Frieden verwandeln“, sagte Hüseyin Canoglu.

Kulturelle Vielfalt

„Kulturelle Vielfalt findet ja nicht nur heute statt“, so eine Frau aus Eritrea. Doch das Fest habe eine starke öffentliche Wirkung, die nicht zu unterschätzen sei. „Vielleicht erkennen viele erst an einem solchen Tag, wie facettenreich und spannend Bensheim wirklich ist.“

Auf den Bühnen hörte man Folklore und Jazz, Orient und Balkan, Lateinamerika und Westeuropa. Man lauschte einem russischen Chor und dem Bensheimer Bluesmusiker Rainer Scheffler, erlebte kurdische Gesänge und litauische Tänze. Auch die städtische Musikschule, die DJK-SSG Bensheim, der TV Bensheim (beide mit Tanzgruppen) und die Kinder der Joseph-Heckler-Schule waren mit dabei. In der Hand Leckereien aus aller Herren Länder, in den Ohren eine duftende Collage aus Klängen und Sprachen. Dazu geballte Informationen zu den Themen Integration aus allen Perspektiven.

Dass auch das Wetter gepasst hat, zauberte Organisatorin Simone Meister ein doppeltes Lächeln ins Gesicht. Sie stellt im Auftrag der Stadtverwaltung seit Jahren mit viel Engagement erfolgreich das Programm des Interkulturellen Fests zusammen, das bis in den späten Nachmittag hinein sehr viele Bürgerfestbesucher zum Storchennest lockte. tr

Info: Fotostrecke in der Digitalen Zeitung und im Internet unter www.bergstraesser-anzeiger.de

Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel