Bensheim

Woche junger Schauspieler Schauspiel Düsseldorf überzeugte mit Inszenierung von "Jugend ohne Gott" von Ödön von Horváth

Einzigartig durch außergewöhnliches Bühnenbild

Bensheim.Lässt sich die Religion durch eine staatliche Herrschaftsform ersetzen? Inwieweit ist es als einzelne Person möglich, sich den Werten eines autoritären Staates zu widersetzen? Mit diesen Themen befasste sich Ödön von Horváth 1937 in seinem Roman "Jugend ohne Gott" und übte damit Kritik an der Erziehungspolitik der Nazis. Inszeniert wurde Horváths Werk im Rahmen der Woche der Jungenschauspieler durch das Düsseldorfer Schauspielhaus in einer Fassung von Kristo Šagor. Sprachlich ist das Stück eng an Horvaths Roman angelegt, was Kennern des Romans einen sehr guten Bezug lieferte.

 

Der Auftritt dauerte zwei Stunde und beinhaltete eine viertelstündige Pause, insgesamt eine angenehme Länge. In der Einführung gab die Dramaturgin Kirstin Hess erste Informationen zur Inszenierung, die v.a. auch Jugendliche ansprechen sollte. Dementsprechend war das Parktheater voll besetzt. Das fünfköpfige Ensemble stand bereits auf der Bühne, bis jeder einen Platz gefunden hatte.  Dann nahmen die Schauspieler Thomas Kitsche, Paul Jumin Hoffmann, Jonathan Gyles, Marie Jensen und Selin Dörtkardeş neben ihrer Hauptrolle jeweils weitere Nebenrollen ein. Jeder Charakter wurde durch markante Attribute, wie Brillen oder Kopfbedeckungen, für die Zuschauer deutlich erkennbar. Auf andere Requisiten wurde größtenteils verzichtet, wodurch der Handlungsort durch die Schauspieler in Form eines Erzählers beschrieben wurde. Häufiges gemeinsames Sprechen vermittelte einen militärischen Eindruck. Einzigartig wurde das Stück durch das außergewöhnliche Bühnenbild, das aus einem kippbaren Untergrund bestand. Durch die perfekte Abstimmung der Schauspieler untereinander wurde es möglich, diesen durch Gewichtsverlagerungen zu steuern, um Machtverhältnisse zwischen den Personen zu verdeutlichen oder deren Gefühlslage zu untermalen. Zusätzlich wurden gezielt bestimmte Szenen mit passender, eigenkomponierter Musik von Felix Rösch begleitet.

Das Stück handelt von einem Lehrer, der mit seinen 14-jährigen Schülern in ein militärisches Zeltlager fährt. In Folge eines Streites und weiterer Geschehnisse kommt es zum Tod eines Schülers, der ein Kriminalverfahren auslöst. Im Laufe der Mordermittlungen wird der Lehrer von Schuldgefühlen wegen einer möglichen Mitschuld am Tod des Jungen geplagt. Diese führen dazu, dass er sich Gedanken über Gott und dessen Handeln macht. Schließlich entscheidet der Lehrer, selbstständig nach dem Mörder des Jungen zu suchen, setzt sich während des Gerichtsprozesses für die Angeklagten ein und riskiert somit seine Arbeitsstelle. Das Stück thematisiert zudem das Bedürfnis Jugendlicher nach einer Gemeinschaft, Parallelen zur Hitlerjugend sind offensichtlich. Durch die rassistische Gruppenbewegung bietet das Stück einen Bezug zur heutigen Welt, in der Rassismus und Fremdenhass zu immer aktuelleren Themen werden.

Die Rückmeldung der Zuschauer war sehr positiv, was durch minutenlangen Applaus deutlich wurde.  Unter den Zuschauern wurde das Stück bereits als größten Anwärter auf den Zuschauerpreis bezeichnet. Bereits letztes Jahr war das Düsseldorfer Schauspielhaus bei der Woche der Jungen Schauspieler in Bensheim mit dem Stück „Ellbogen“ vertreten und übertraf dieses Jahr die Erwartungen erneut. Unsere hohen Erwartungen an das Stück wurden erfüllt. Wir empfehlen das Stück an jeden ab 13 Jahren weiter und würden uns freuen, das Düsseldorfer Schauspielhaus im nächsten Jahr wiedersehen zu können.

 

Von Luca Stoiber und Christoph Pitz, Q2, AKG Bensheim

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