Bensheim

Musiktage Sankt Georg-Chöre und Churpfälzische Hofcapelle mit Werken von Schütz, Bach und Biber

Einzigartige Trauermusiken aus der Barockzeit

Archivartikel

Bensheim.Drei zentrale Trauerkompositionen der Barockzeit in einzigartiger Kombination: Heinrich Schütz‘ „Musicalische Exequien“, Johann Sebastian Bachs Kantate BWV 106 („Actus tragicus“) und Heinrich Ignaz Franz Bibers Salzburger „Requiem à 15 in Concerto“ erklangen unter Leitung von Regionalkantor Gregor Knop beim vierten Konzert der Bensheimer Musiktage in der Stadtkirche Sankt Georg. Das stattliche Musikeraufgebot umfasste neben Knops Formationen (Kammerchor plus Junges Vokalensemble Sankt Georg) die auf historischen Instrumenten spielende „Churpfälzische Hofcapelle“ und nicht weniger als sieben Gesangssolisten. Während Schütz‘ dreiteilige „Exequien“ (SWV 279 bis 281) und Bachs frühe Kantate zu den bekanntesten Gipfelwerken der Gattung zählen, dürfte Bibers wohl erstmals in Bensheim aufgeführtes A-Dur-Requiem für viele Konzertbesucher eine echte Entdeckung gewesen sein.

Wunderbar organisch

Schütz‘ halbstündiges Stück entstand 1636 für die Trauerfeier des Fürsten Heinrich Posthumus von Reuß, der die darin vertonten deutschen Bibeltexte und Kirchenliedstrophen sogar noch selbst ausgesucht hatte. Wunderbar organisch gelang unter Knops impulsstarkem Dirigat schon der ausgedehnte Eingangsteil („Begräbnis-Missa“) mit seinem charakteristischen Wechsel zwischen facettenreich beredten Solopassagen und sonor abgerundeten Choralabschnitten. Heike Heilmann (1. Sopran), Friderike Martens (2. Sopran), Thomas Nauwartat-Schultze (Altus), Rolf Ehlers (1. Tenor), Sebastian Seibert (2. Tenor) und Christoph Kögel (Bass) überzeugten dabei als makellos stilsichere Schütz-Kenner. Der dialogische Raumklangeffekt der nachfolgenden Motette „Herr, wenn ich nur dich habe“ wurde durch die Platzierung des mit Heilmann, Nauwartat-Schultze, Ehlers und Kögel besetzten Solistenchores in der Kirchenmitte gut gewährleistet. Ebenso suggestiv entfaltete sich das auf Simeons Lobgesang basierende Finale („Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren“), in dem die beiden Hauptchöre und zwei jeweils dreiköpfige Emporen-Ensembles („Seraphimchöre“) bravourös präzise zusammenwirkten. Mit Carola Simrock, Elena Armada Hamm und Daniel Schäfer waren hier auch Nachwuchskräfte von Sankt Georg solistisch beteiligt. Komplettiert wurde die exzellente Schütz-Crew durch das Continuo-Quartett Lydia Blum (Violoncello), Francesco Terra (Violone), Wolfgang Mücke (Dulzian bzw. Fagott) und Wolfgang Portugall (Orgel).

Sehr schön trafen Knop und seine Musiker danach die besondere Intimität von Bachs verblüffend reif und individuell gearbeitetem Frühwerk „Actus tragicus“ („Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit“). Erlesen das orchestrale Kolorit mit Altblockflöten (Angela Hug, Joachim Arndt) und Gamben (Heike Hümmer, Angela Knapp), fabelhaft sauber die vom Jungen Vokalensemble Sankt Georg intonierten Chorsätze, höchst beseelt das superb klar gestaltende Solistenquartett (Heilmann, Nauwartat-Schultze, Ehlers, Kögel): Dieses zwanzigminütige Bach-Juwel geriet zum lyrischen Herzstück des Abends.

Umso größer und effektvoller war der Kontrast zum programmkrönenden Biber-Requiem, das wohl für die opulente Bestattung des 1687 verstorbenen Salzburger Fürsterzbischofs Maximilian Graf von Kuenburg entstanden sein dürfte. Knops rund hundertköpfige Musikerschar blieb der auf dunkle Farben fast ganz verzichtenden A-Dur-Pracht des von barocker Repräsentation geprägten Werkes nichts schuldig. Der Kammerchor Sankt Georg zeigte sich dabei mit seiner ebenso ausgewogen wie kultiviert entwickelten Klangfülle in passend festlicher Verfassung.

Sensibel akzentuiert

Das sensibel akzentuierende Solistensextett bildeten Heilmann, Martens, Nauwartat-Schultze, Ehlers, Kögel und Christopher Jähnig (2. Bass). Stilvollste Orchesterfarben lieferte die von den Geigerinnen Katharina Wimmer und Hendrike Steinebach angeführte „Churpfälzische Hofcapelle“ – obenan ihre famosen Blechbläser (Friedemann Immer und Robinne Thibaud/ Trompeten; Matthias Sprinz, Bernhard Meier und Cameron Drayton/ Posaunen). Langer Applaus belohnte dieses außergewöhnliche Barockkonzert in der nur zur Hälfte besetzten Kirche.

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