Bensheim

Old Table Willy Helm vom Förderverein Tongruben war zu Gast bei einem Informationsabend

Einzigartiges Naturschutzgebiet

Archivartikel

Bensheim.Die Vereinigung Old Table 120 Bensheim hatte jüngst zu einem Informationsabend über den Förderverein Tongruben eingeladen. OT-Mitglied Jürgen Wienhold hatte für das Treffen als Referenten Willy Helm gewinnen können – „einen Mann der ersten Stunde“, was die Geschichte der Tongruben betrifft, dazu Naturschützer, Kenner dieses Naturschutzgebiet und Gründungsmitglied des betreffenden Fördervereins.

Das Gebiet Tongruben zwischen Bensheim und Heppenheim westlich der Bahntrasse ist Ende des 19. Jahrhunderts bis Anfang der 1970er Jahre zur industriellen Tonförderung genutzt worden. In die entstandenen Abbaugruben lief Grundwasser nach, und es entstanden durch Flachwasserteiche ökologisch wertvolle Biotope für zahlreiche, auch seltene Wasservögel und Amphibien.

Im Rahmen eines Verfahrens der Flurbereinigung wurde im Jahr 1964 die gesamte Heppenheimer Westgemarkung komplett entwässert, nicht zuletzt, um neues Land für Wohn- und Gewerbegebiete gewinnen zu können. Durch weitere städte- und straßenbauliche Maßnahmen (Bundesstraßen und A5) folgte auf die Grundwasserabsenkung eine Verlandung der Teiche und das Entstehen von Gestrüpp, vor allem Weiden. Das hätte ein Ende der Tongruben bedeutet.

Durch die 1977 erfolgte Ausweisung als Naturschutzgebiet Tongruben von Bensheim und Heppenheim – und vor allem durch die unermüdlichen Aktivitäten des entsprechenden Fördervereins – ist es laut Willy Helm gelungen, einen Teil der ehemaligen Tongruben durch Fluten des Gebiets über den Meerbach, und durch Ausbaggern und Anschneiden des Grundwassers, zu regenerieren. Es konnten – fast wie früher – neue ökologisch wertvolle Flachwasserteiche entstehen.

Beliebter Überwinterungsplatz

So besteht das 90 Hektar große Areal heute aus verwilderten Gruben, die mit Bäumen bewachsen und zum Teil mit Wasser gefüllt sind – wichtige Biotope für einen beliebten Überwinterungsplatz von Reihern, Enten und Gänsen, sowie Brutplatz von Graureihern und vielen versteckt lebenden und schilfbewohnenden Arten.

Durch eine Vielzahl von Maßnahmen könnte es gelingen, dass das Biotop seine Artenvielfalt mindestens erhält, idealerweise ausweitet, so Helm. Dazu gehören immer wieder Entbuschungsaktionen, Vertiefung von Teichen oder das Neuanlegen von Tümpeln, um die Entwicklung zu steuern und um auf unterschiedliche Bedürfnisse der Wasservögel und Amphibien einzugehen.

Die zuweilen idealistischen Bemühungen der Vereinsmitglieder würden leider immer wieder gestört durch unbedachte Verhaltensweisen von Besuchern, die die Sensibilität des Gebietes nicht richtig einschätzten. Die 2017/18 errichtete Beobachtungshütte an den Jägerteichen soll Besuchern beste Möglichkeiten bieten, die Vogelwelt zu erkunden und dabei auf einen störenden Spaziergang an oder um die Teiche zu verzichten.

Künftige Bedrohung der anderen Art seien allerdings auch die zunehmende Klimaerwärmung, der fehlende Niederschlag und die Ausweitung der Besiedlung rundum, erläuterte Helm. Man hoffe, durch Aufklärung und Hinweise, wenigstens die Besucher zu respektvollem Umgang mit diesem einzigartigen Naturschutzgebiet zu bewegen.

Die anwesenden Mitglieder von Old Table dankten Willy Helm, der sich bereits über 50 Jahre für Erhalt und Förderung dieses Naturschutzgebietes einsetzt, für seine engagierten Ausführungen. Beitrittsformulare für den Förderverein hatte er gleich mitgebracht. Vielleicht sei auch ein Miteinsatz der Tabler-Freunde möglich, die sich nicht nur unterstützend für soziale und kulturelle Projekte begeistern lassen, sondern auch die Natur und den Naturschutz nicht aus den Augen verlieren.

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