Bensheim

CDU Seniorengruppe unternahm unter Leitung von Brigitte Sattler interessante Reise nach Russland

Entdeckungen und Begegnungen in Ostpreußen

Archivartikel

Bensheim.Die CDU-Seniorengruppe Bensheim reiste unter der bewährten Leitung ihrer Vorsitzenden Brigitte Sattler in das ehemalige Nordostpreußen. Kompetent begleitet wurde die Fahrt durch Reiseleiterin Larisa Prudnikova.

Mit dem Flugzeug ging es nach Danzig und von dort mit dem Bus über Elbing zum Grenzübergang Mamonowo/Heiligenbeil und weiter nach Russland in die Oblast Kaliningrad nach Svetlogorsk/Rauschen. Das traditionelle Seebad war Ausgangspunkt aller Unternehmungen. Die kleine Stadt wurde im Zweiten Weltkrieg nicht bombardiert, so dass die schönen Bauten (Jugendstil und klassische Bäderarchitektur) nicht nur erhalten geblieben, sondern inzwischen auch fachgerecht restauriert sind. Käthe Kollwitz, Thomas Mann und E.T.A. Hoffmann holten sich hier Inspiration.

Ein besonderes Erlebnis war das eigens für die Gruppe veranstaltete Konzert in der ehemaligen Maria-Seestern-Kapelle, die Andrej Makarov, selbst Komponist und Förderer junger begabter Musiker, zu einer Konzerthalle mit Orgel umbauen ließ.

Überwältigende Aussicht

Ein Besuch Palmnickens im 2018 neu eröffneten Bernsteinmuseum stand ebenso auf dem Programm, wie eine Fahrt an die Kurische Nehrung. Hier wurde die Epha-Düne erklommen, die eine überwältigende Aussicht über das Haff, die Ostsee bis nach Litauen bot. In der ältesten Vogelwarte der Welt (1902) in Rossitten konnte man beim Wiegen, Messen und Beringen einiger Singvögel zuschauen. Und bei Pillkoppen gab es die Möglichkeit, in der brandenden Ostsee zu baden.

Sehr eindrücklich war auch der Besuch eines russisch-orthodoxen Klosters (Elchniederung), das nach dem Zusammenbruch der UdSSR gegründet wurde. Es ist der Heiligen Elisabeth gewidmet, einer Angehörigen des Zaren Nicholas, die trotz ihrer Wohltätigkeit 1918 im Zuge der Revolution hingerichtet wurde.

In Kaliningrad/Königsberg erhielt die Gruppe das Vorrecht, die noch im Bau befindliche Synagoge zu besichtigen, die an alter Stelle errichtet wird und am 9. November dieses Jahres eingeweiht werden soll. Sie war die erste, die in der Pogromnacht zerstört wurde.

Es folgten eine Flussfahrt auf dem Pregel, eine Führung im Dom mit Orgelkonzert und eine Besichtigung der russisch-orthodoxen Kathedrale Christ-Erlöser, der zweitgrößten Russlands. Sie wurde 2009 errichtet auf dem ehemaligen Hansaplatz, auf dem zuvor eine Leninstatue stand.

Sehr herzlich wurde die Gruppe von der evangelischen Auferstehungsgemeinde empfangen, wo sie am sonntäglichen Gottesdienst teilnahm.

Rundfahrt durch Kaliningrad

Eine Rundfahrt mit dem Bus zeigte ein Kaliningrad mit Plattenbauten aus sowjetischer Zeit, Hochhausneubauten mit sehr geschmackvollen Fassaden und Innenhöfen, zauberhaften Villenvierteln aus Vorkriegszeiten, Park- und Teichanlagen mit viel Grün – eine Stadt mit rund 450 000 Einwohnern und großem Interesse an der deutschen Vergangenheit.

Ehrensache war für die Bergsträßer Reisegruppe ein Besuch in der Partnerstadt Pollesk/Labiau. Die Beziehung ist eng mit der Person des inzwischen verstorbenen Hans Karalus verbunden. Er stammte aus Nordostpreußen, organisierte durch seinen Verein „Partnerschaft Bergstraße-Ostpreußen“ humanitäre Hilfsprojekte und Austausch im Bereich Bildung und Kultur, was schließlich 2007 in einen Kooperationsvertrag mit dem Kreis Bergstraße mündete.

Ein Besuch der alten deutschen Schule in Waldwinkel schloss den Besuch im Kreis Pollesk ab. Hier wurde noch bis Ende Januar 1945 unterrichtet. Die Tochter der damaligen Lehrerin unterhält dort ein kleines Museum mit Unterrichtsmaterial und Fundsachen aus der Vorkriegszeit. Zum Ende der Reise ging es über Frauenburg nach Danzig. An beiden Orten gab es Zeit für Führungen und Stadtbummel.

Was bleibt für die Teilnehmer von dieser Reise? Da sind einmal persönliche, schmerzliche Erinnerungen all derer, die einen Teil ihrer Kindheit hier verbrachten und noch um die Zeit im alten Ostpreußen wissen, dann das Sehnen der Jüngeren, die die Heimat ihrer Eltern und Großeltern nur aus Erzählungen kennen, aber auch das Interesse derjenigen, die sich ein Bild machen wollten von der Kultur und der schweren Geschichte dieses Gebietes.

Die Reise in das Land zwischen Haff und Moor zeigte vor allem eines: In allen Gesprächen vor Ort war zu spüren, wie stark der Wunsch nach persönlicher Begegnung ist und wie durch miteinander reden Vertrauen und Freundschaft wachsen können. red

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