Bensheim

Ortsbeirat Schwanheim Ortsvorsteher Kunzelmann hatten die Koalitionsfraktionen eingeladen / BfB und GLB lehnen eine mögliche Trasse ab

Entlastungsstraße bleibt ein Streitthema

Archivartikel

Schwanheim.Wenn es um die Realisierung einer Entlastungsstraße für die Ortsmitte geht, können die Schwanheimer nicht mit der Unterstützung der Bürger für Bensheim (BfB) und der Grünen Liste (GLB) rechnen. Das wurde in der Ortsbeiratssitzung am Montagabend deutlich.

Genau um diese Standortbestimmung war es Ortsvorsteher Gerald Kunzelmann gegangen, als er die im Stadtparlament vertretenen Parteien in die Räumlichkeiten des Geflügelzuchtvereins eingeladen hatte. Nicht alle waren gekommen, was den Ortsvorsteher etwas enttäuschte, aber die aktuelle Mehrheitskoalition aus CDU, BfB und GLB war erschienen. Deutlich wurde, dass es in dieser Frage kein einheitliches Bild gibt. „Jeder steht für sich“, bekundete gleich zu Beginn seiner Stellungnahme der CDU-Stadtverordnete Carmelo Torre, dass die CDU das Thema anders sieht als die Koalitionspartner.

„Die Verkehrsströme und –mengen sind da“, könne sich die CDU grundsätzlich eine Straße zur Entlastung der Menschen in den Stadtteilen vorstellen. Auch müsse man das Projekt über einen längeren Zeitraum als eine Wahlperiode sehen, verwies Torre auf einen langen Planungs- und Entscheidungsweg. „Es muss aber auch mal angefangen werden“, sicherte er dem Ortsbeirat Unterstützung zu. Eine Einschränkung hatte er aber: „Für das Projekt muss es Akzeptanz geben“, verwies er auf die veränderte politische Willensbildung und meinte damit auch die Bürger, Behörden und Verbände. „Bei Gegenwind ist das Projekt nicht realisierbar.“

Gegenwind wird es ganz offenkundig von der BfB und von der Grünen Liste geben. Für die GLB sprach Thomas Götz von einem schwierigen Thema und verwies auf das in Zusammenhang mit dem Neubaugebiet in Fehlheim erstellten Verkehrsgutachten, laut dem es keine Probleme gebe. Neben der Flächenversiegelung als Gegenargument geht man bei den Grünen außerdem davon aus, dass mehr Straßen mehr Verkehr generieren.

Auch bei den Bürgern für Bensheim hat sich der schon in der Vergangenheit geäußerte Widerstand gegen eine Umgehungs- oder Entlastungsstraße nicht geändert. Wie Franz Apfel feststellte, sei die BfB ausdrücklich gegen weiteren Flächenverbrauch, der schon jetzt „enorm“ sei. Ebenso geht Apfel davon aus, dass eine neue Straße weitere bauliche Entwicklungen entlang der Trasse nach sich ziehe. Wie auch die GLB setzen die Bürger für Bensheim auf den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs. „Verkehrsplanung kann nicht weiter auf das Auto ausgerichtet sein.“

Blick auf die Kommunalwahl

Dass es nicht nur um Neubaugebiete gehe, sondern auch Verdichtung Auswirkungen auf die Zunahme von Verkehr haben, machte Ortsbeirat Udo Hölzel mit Hinweis auf die Umnutzung eines kleinen Bauernhofes zum Reiterhof deutlich. Hier verwies Torre darauf, dass die Stadt zu diesem Vorhaben eine negative Stellungnahme abgegeben habe. Die Genehmigung habe der Kreis erteilt, der aber nicht anders hätte entscheiden können, da ein Reiterhof oder Pferdebetrieb wie die Landwirtschaft als privilegiertes Bauvorhaben gelte und nach den gesetzlichen Regelungen im Außenbereich zulässig ist.

In Bezug auf die von Apfel genannte Alternative des öffentlichen Personennahverkehrs machte ein Bürger auf den aktuellen Ausbau der Ortsdurchfahrt aufmerksam. Die Art und Weise des Ausbaus (niveaugleich ohne Bürgersteig oder Radweg) sei „weit weg von der Stellungnahme der BfB“ und sei einzig wegen der Bezuschussung so entschieden worden.

Ziel der Schwanheimer ist es, eine Entlastungstraße zunächst textlich im neuen Regionalplan Süd aufzunehmen, der zurzeit überarbeitet und vermutlich Ende 2020 in die Offenlage kommt. Um das zu erreichen, bedürfe es der Unterstützung der Stadt und des Kreises. Im Hinblick auf die im März 2021 stattfindenden Kommunalwahlen wolle man als Schwanheimer wissen, auf welcher Seite die Parteien stehen.

Bis dahin wird auch Ortsvorsteher Kunzelmann an diesem Thema dranbleiben und sich für die Realisierung einer Entlastungstraße einsetzen. Danach wird allerdings ein anderer im Ortsbeirat voranschreiten müssen, denn wie Kunzelmann am Montagabend bekanntgab, wird er bei der Kommunalwahl 2021 nicht mehr kandidieren.

Diskutiert wurde im Ortsbeirat zudem die aktuelle Baustelle, die zum Teil zu chaotischen Situationen führe. In den ersten Wochen habe es noch funktioniert und es sei verkehrsmäßig relativ ruhig gewesen, doch inzwischen gebe es mehr und mehr Durchgangsverkehr. Entsprechende Hinweisschilder würden umgestellt oder entwendet, sprach Kunzelmann von einer unbefriedigenden Situation.

Vollsperrung als Lösung?

Für den Ortsbeirat stellt sich jetzt die Frage, ob eine Vollsperrung die bessere Lösung wäre. Dazu möchte man aber zuerst alle Möglichkeiten mit den jeweiligen Auswirkungen auf dem Tisch haben. Besonders schlimm und gefährlich muss es morgens für die Kinder auf dem Weg zur Schule in Fehlheim sein, wie von mehreren Seiten bestätigt wurde. Entsprechende Hinweise an den zuständigen Dezernenten würden aber ignoriert. In diesem Zusammenhang fordert der Ortsbeirat eine zeitnahe Schulwegsbegehung, zumal die letzte Begehung noch mit Helmut Glanzner erfolgt sei, der bereits seit fünf Jahren Bürgermeister in Einhausen ist.

Die Neufassung der Benutzungs- und Gebührenordnungen für die Gemeinschaftseinrichtungen der Stadt wurde vom Ortsbeirat einstimmig beschlossen.

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel