Bensheim

Gedenkfeier Ehemaliger Leiter der Gedenkstätte Hadamar Georg Lilienthal am 10. November zu Gast

Erinnern an Synagogenbrände

Archivartikel

Bensheim.Am 10. November 1938 wurde die letzte Bensheimer Synagoge auf dem heutigen Bendheim-Platz zerstört. Synagogen und jüdische Bethäuser brannten im damaligen Deutschland und in Österreich. Tausende Juden wurden – wie in Buchenwald – gefangen gehalten, viele von ihnen fanden den Tod. Dies war der Auftakt zu dem millionenfachen Mord an den europäischen Juden.

Die Stadt Bensheim und die Geschichtswerkstatt Jakob Kindinger erinnern am Sonntag, 10. November, mit einer Gedenkfeier an die damaligen Pogrome. Die Veranstaltung auf dem Bendheim-Platz (Nibelungenstraße) beginnt um 18 Uhr. Die Gedenkrede hält der ehemalige Leiter der Gedenkstätte Hadamar Georg Lilienthal. Zu Beginn der Veranstaltung und zwischen den einzelnen Beiträgen tragen Schüler der Geschwister-Scholl-Schule Texte zu den NS-Verbrechen vor.

Nach der Gedenkveranstaltung ab ca. 19 Uhr berichtet Lilienthal im Museum der Stadt Bensheim von seinen neueren Forschungsergebnissen unter dem Titel „Anstaltsmord an Kindern und Erwachsenen aus Bensheim und der Landesheilanstalt Heppenheim (1941-1945)“.

Er stellt Erkenntnisse über die Psychiatrie in Heppenheim in der NS-Zeit vor. Aufgrund spezieller Quellen kann Lilienthal Transporte in die Gasmordanstalt Hadamar 1941 und die Tötungsabläufe anschaulicher darstellen.

Auch ist es ihm gelungen, für die zweite Mordphase von 1942 bis 1945 den bezeichnenden Fall der Patientin Frieda S. ausfindig zu machen. Nach verschiedenen Aufenthalten in der Universitäts-Nervenklinik Frankfurt und Heil- und Pflegeanstalten kam sie in einem Transport mit 28 Frauen aus der Landesheilanstalt Eichberg im April 1943 in die Tötungsanstalt Hadamar.

Zu den früher schon bekannten Transporten, die mit 240 Frauen und Männern zwischen März und Mai 1941 von der Landesheilanstalt Heppenheim über die sogenannten Zwischenanstalten Eichberg, Idstein und Weilmünster in die Hadamarer Gaskammer führten, ermittelte Lilienthal vor wenigen Jahren einen weiteren Transport aus Heppenheim. Es handelt sich dabei um einen Kindertransport mit 14 Jungen und Mädchen. Er traf am 27. Mai 1941 in Eichberg ein.

Die meisten wurden auf die „Kinderfachabteilung“ gelegt, auf der sie im Rahmen der sogenannten „Kindereuthanasie“ mit überdosierten Medikamenten ermordet wurden. In der Kinderfachabteilung befand sich auch Erika Heftrich. Sie wurde 1934 geboren und wuchs bei ihren Eltern in der Nähe von Bensheim auf. Von Geburt an geistig behindert wurde Erika im Februar 1945 in die Kinderfachabteilung eingewiesen. Nach 16 Tagen war sie tot, nur knapp zwei Wochen bevor amerikanische Truppen das Tötungszentrum Eichberg befreiten. Sie starb angeblich an „Lungenentzündung“, einer typischen Folge überdosierter Beruhigungsmittel. Insgesamt stammten, soweit bislang bekannt, 19 Euthanasieopfer aus Bensheim, darunter drei Kinder.

Im Anschluss an den Vortrag steht Lilienthal für Fragen zur Verfügung. Es wird kein Eintritt erhoben. Die Veranstalter freuen sich über eine Spende. red

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