Bensheim

Umwelt Nabu-Ortsgruppen und Botanische Vereinigung zur Pflege von Weges- und Straßenrändern

Es muss nicht immer „sauber“ sein

Archivartikel

Bensheim.In einem gemeinsamen Arbeitskreis beschäftigten sich der Naturschutzbund (Nabu) Meerbachtal, der Nabu Bensheim/Zwingenberg und die Botanische Vereinigung für Naturschutz Bergstraße mit der Pflege der Wege- und Straßenränder im Raum Bensheim.

„Ausgelöst durch das rasante Artensterben hat sich die hessische Landesregierung den Schutz der Biodiversität auf die Fahnen geschrieben, was man der Einfachheit halber als den Schutz der Artenvielfalt erklären kann“, heißt es in einer Pressemitteilung der Verbände.

Warum ist der saubere Wegesrand für die Artenvielfalt eher hinderlich?

Damit Insekten, Eidechsen, Schlingnattern, Amphibien und weitere Tiere wandern können, brauchen sie „Trittstein- und Korridorbiotope“. So finden sie ihre Artgenossen, Inzucht wird vermieden und sie können ihre Plätze finden, die sie für ihre Brut und zur Nahrungsaufnahme brauchen. Dadurch wird gewährleistet, dass eine Art stabil bleibt.

Wie pflegt man Weges- und Straßenränder richtig?

Naturverträgliche Pflege kann gelingen, wenn man an Weg- oder Straßenrändern die natürliche Vegetation vom Blühen bis Aussamen das Jahr über fördert. Punktuelle Eingriffe können an wirklich notwendigen Stelle aus Gründen der Verkehrssicherheit angebracht sein.

Muss denn alles „sauber“ abgemäht werden?

Es sollte keinesfalls alles „sauber“ gemäht werden. Sind alle blühenden Pflanzen plötzlich verschwunden, gibt es keine Nahrung für viele Insekten mehr und die Wege, an andere Blüten zu gelangen, sind oft zu lang. Die Konsequenz: Viele Insekten sterben.

Welche Geräte sollten eingesetzt werden?

Der Einsatz von Mulchern wirkt sich verheerend auf die Kleintierwelt aus. Es werden nicht nur Insekteneier und Larven regelrecht zerhäckselt, zusätzlich sterben auch Schlangen, Eidechsen und Amphibien. Schonender erweist sich der Einsatz von Balkenmähern. Die Pflanzen werden abgeschnitten, bleiben vier bis fünf Tage liegen. Jürgen Schneider vom Nabu Meerbachtal erklärt, dass durch den Einsatz eines Balkenmähers, „nur“ ein Prozent der Amphibien getötet und neun Prozent verletzt sowie 5,6 Prozent der Insekten beschädigt werden.

Dagegen wird durch den im Stadtgebiet von Bensheim eingesetzten Mulcher „sauber gearbeitet“. Alles wird klein gehäckselt und zerschlagen, nur wenige Insekten und Säugetiere können entwischen. Außerdem „verfilzen“ derartig gemulchte Flächen zunehmend. Viele Pflanzen ersticken und keimen dann nicht mehr.

Muss die gesamte Fläche auf einmal gemäht werden?

Im Gegenteil: Es ist wichtig, dass nicht die gesamte Fläche auf einmal gemäht wird. So können die Tiere vom Mähgut aus auf die Fläche wandern, die noch nicht gemäht ist. Jürgen Schneider ist Experte für das Mähen von Orchideenwiesen in Gronau und Zell. Durch die richtige Pflege konnten sich hier viele seltene Pflanzenarten sogar deutlich vermehren.

Müssen Blühstreifen immer wieder neu ausgesät werden?

Das Anlegen von Blühstreifen kann sich mit der Zeit erübrigen. Durch die richtige Pflege des Straßen- und Wegebegleitgrüns entwickelt sich die Biodiversität von alleine. Außerdem siedeln sich die Pflanzenarten an, die hier heimisch sind und unseren Tieren als Futterpflanzen dienen. Das ist viel besser, als Samenmischungen auszubringen. Hier kann man nie sicher sein ob es sich um heimisches Saatgut handelt, das für die Tiere nützlich ist. „In Gronau und Zell können wir blühende Landschaften bewundern, die sich alleine durch eine hervorragende Pflege weiter ausbilden konnten“, heißt es in der Pressemitteilung abschließend. red

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