Bensheim

Ausstellung Theresia Schug zeigt Malerei und Zeichnung im Fürstenlager

Explosive Natur in künstlerischer Freiheit

Auerbach.In ihren farbenstrotzenden Bildern fragt sie neugierig nach den Erscheinungsweisen der Natur. Die Motive spiegeln das malerische Repertoire von archaischen Begegnungen und emotionalen Erfahrungen mit der Schöpfung. Individuell interpretiert, dynamisch ausgelotet und in eine Bildsprache übertragen, die den Betrachter berührt und am persönlichen Empfinden der Malerin teilhaben lässt.

Theresia Schugs Arbeiten zeigen, dass visuelle Wahrnehmung kein passives Notieren, sondern aktives Erleben ist. Ihre Kompositionen strahlen vor Farbe und Plastizität, spannungsgeladenen Flächen und abstrakten Strukturen, die etwas auslösen – geistig wie physisch. Über 30 Werke der Weinheimer Malerin sind bis zum 2. Juni im Damenbau des Fürstenlagers zu sehen. Veranstalter ist die Gruppe „Kunst im Fürstenlager“. Gabriele Mundt begrüßte am Sonntag über 30 Gäste zur Vernissage einer Werkschau, die unter dem Titel „Frag die große Natur um Rat“ steht und vornehmlich Acrylbilder, Tuschezeichnungen sowie einige Fotocollagen umfasst.

Wichtig: Phasen des Loslassens

„Jede Form der Malerei braucht Phasen des Loslassens“, so Martin Kolbe in seiner Einführung. Der freischaffende Künstler und ehemalige Leiter der freien Kunstakademie Basel spricht von einer „verhaltenen Virtuosität, die in Außen- wie Innenräumen behutsam die Grenzen untersucht, innerhalb derer sich Bewegungen wie Kräftespiele auf eigenwillige Weise zu erkennen geben“. In jedem Bild Schugs bleibe etwas in der Schwebe und bewahre sich so ein Gleichgewicht, ohne die formnotwendige Spannung zu verlieren. In den Motiven offenbart sich das Resultat eines sinnlichen Erlebens, das auf der Leinewand zwar nur in Bruchstücken überlebt, aber durch Gestaltungsfreiheit und Ausdruckskraft auf eine neue qualitative Ebene gehoben wird. Malerische und zeichnerische Elemente fließen ineinander, Farben und Formen ziehen den Blick gleichsam ins Zentrum der Bilder, die von einer hohen Leuchtkraft und energetischen Wucht getragen werden. Auf diese Weise lösen sie Stimmungen und Assoziationen aus, die mit denen der Malerin korrespondieren können oder eine ganz eigene, persönliche gefärbte Dynamik entfalten können. Man könnte sagen, dass Theresia Schug einer erlebten Vergangenheit nachträglich vitale Farben und Konturen verleiht. Es blüht und wächst, rankt und gedeiht in einer schier endlosen Fülle an Formen und Farben.

Muskulöse Fülle

Neben opulenten Blumenbildern von muskulöser organischer Fülle und beinahe dschungelartiger Textur nähert sich die gebürtige Bambergerin – beinahe in überraschender Andersartigkeit – auch ihren menschlichen Artgenossen. Feingliedrige Silhouetten, stets harmonisch eingebettet in Flächen und Strukturen, wechseln sich ab mit malerischen Illustrationen oder abstrahierten Inszenierungen der Masse Mensch („Begegnungen 2“), in denen die Individualität des Einzelwesens sowohl technisch wie visuell aufgelöst wird.

Ein scharfer Kontrast innerhalb der Auerbacher Ausstellung bildet die Foto-Collage „Hommage an meine Mutter“, in der Theresia Schug, Jahrgang 1958, die Kleider der verstorbenen Mutter im elterlichen Garten inszeniert. Eine Installation, die verschiedene Textilien aus der Biografie der Frau umfasst und in einer Baumkrone versammelt. Ein Verweis auf die Vergänglichkeit des Menschen, aber auch ein wehender Hoffnungsstrahl für die Überwindung von Angst und Trauer. Die stoffigen Reste des nicht mehr Stofflichen „wachsen“ an einem Baum und heben die Trennung von Leben und Tod in einem absurden, existenziell aufgeladenen Kontext scheinbar auf.

Theresia Schug spielt mit Wahrnehmungen und Reaktionen, inszeniert kosmische Welten von pflanzlicher Dominanz und vieldimensionaler Tiefe, die zum Begegnen und Entdecken einladen.

Die Tuschezeichnungen sind schlanker und geordneter in ihrer stilistischen Qualität, doch auch hier gibt die Leichtigkeit der Komposition dem Bild eine schwebende Räumlichkeit, die von einer fantasievollen Formenvielfalt ausgarniert wird.

2004 begann Theresia Schug ein Intensivstudium Malerei und Zeichnung an der Europäischen Kunstakademie (EKA) in Trier. Es folgten Seminare an der Bundesakademie für kulturelle Bildung, Wolfenbüttel und der Association Académie Galan unter Prof. Rolf Thiele. Seit 2012 ist sie Mitglied der Künstlergruppe WO.02 - eine freie Vereinigung von Künstlerinnen, die im Jahr 2002 in Wolfenbüttel gegründet wurde.

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