Bensheim

Theater Verleihung und Gala nicht am 20. März / Sandra Hüller und Florian Fischer konnten noch nicht geehrt werden

Eysoldt-Preis wird erneut verschoben

Archivartikel

Bensheim.Weil die Planungssicherheit in Pandemiezeiten fehlt, muss die angepeilte Verleihung des Gertrud-Eysoldt-Rings erneut abgesagt werden. Die Stadt und die Deutschen Akademie der Darstellenden Künste haben sich nun für diesen Schritt gemeinsam entschieden. Das teilte die städtische Pressestelle mit.

Ursprünglich war der 20. März als Tag der Verleihung vorgesehen. Sobald der Verlauf der Pandemie eine konkrete Planung zulässt, werde erneut in Abstimmung mit der Akademie ein neuer Termin ins Auge gefasst, heißt es. Die Sponsoren und Vertragspartner wurden von der Entscheidung bereits in den vergangenen Tagen unterrichtet.

Die Preisverleihung im Parktheater und die anschließende Gala im Luxor-Filmpalast zählten in diesem Jahr zu den ersten Großveranstaltungen in Bensheim, die wegen der Corona-Pandemie abgesagt wurden. Preisträger sind nach wie vor Sandra Hüller und Florian Fischer (Kurt-Hübner-Regiepreis).

Eigentlich wollten Stadt und Akademie die Auszeichnung nach dem Aus im März 2020 im Herbst nachholen. Im Sommer kam jedoch auch das Aus für den Ersatztermin.

Seit 1986 erhalten Schauspieler für herausragende Leistungen den Gertrud-Eysoldt-Ring. Traditionell wird der mit 10 000 Euro dotierte Theaterpreis im Frühjahr verliehen. Der Preis geht auf ein Vermächtnis des Journalisten und Theaterkritikers Wilhelm Ringelband zurück, der in Bensheim lebte und in seinem Testament einen Schauspielerpreis mit dem Namen seiner Lieblingsschauspielerin verfügte.

Kritiker für 50 Zeitungen

Geboren wurde Wilhelm Ringelband am 7. Oktober 1921 in Frankfurt. Da Ringelband vermögend und damit finanziell weitgehend unabhängig war, widmete er sich nach dem Krieg fast ausschließlich dem Theater. In seiner Blütezeit schrieb er Theater- und Film-Kritiken für über 50 Zeitungen – auch für den Bergsträßer Anzeiger. Er wurde von Schauspielern wie Hildegard Knef, Inge Meysel, O.W. Fischer und Volker Schlöndorf verehrt und hoch geschätzt.

Seine eigene Verehrung galt vor allem der Max-Reinhardt-Schauspielerin Gertrud Eysoldt (1870 bis 1955). Die beiden pflegten über Jahre hinweg eine intensive Brieffreundschaft, sind sich aber nie persönlich begegnet. Die Schauspielerin soll eine entscheidende Ratgeberin für Ringelband gewesen sein.

Nach schwerer Krankheit starb Wilhelm Ringelband am 11. Oktober 1981 – wenige Tage nach seinem 60. Geburtstag. Er hatte ein beträchtliches Vermögen zu vererben, das allerdings an strikte Auflagen gebunden war. Unter anderem hatte er in seinem Testament verfügt, dass zu Ehren von Gertrud Eysoldt künftig ein Schauspielpreis mit ihrem Namen zu vergeben sei. Als Alleinerbin seines Vermögens war Ringelbands Geburtsstadt Frankfurt genannt, die jedoch aufgrund der komplizierten Bedingungen des 19 Seiten umfassenden Testaments ablehnte – ebenso wie die Stadt München, die als nächstes genannt war.

So kam Nummer drei zum Zuge – seine Wahlheimat Bensheim. Der damalige Bürgermeister Georg Stolle bewies Weitblick und ein glückliches Händchen, ließ das Testament auf seine Durchführbarkeit prüfen – und sagte dann zu.

Ehrenplakette der Stadt

Aus Anlass seines runden Geburtstages hatte die Stadtverordnetenversammlung kurz zuvor beschlossen, Ringelband mit der Ehrenplakette der Stadt Bensheim auszuzeichnen. Die Ehrung kam jedoch nicht mehr zustande. Im Wohngebiet Kappesgärten ist ein Weg nach dem Vater des Eysoldt-Rings benannt. Zu den bisherigen Preisträgern gehören unter anderen Klaus Maria Brandauer, Corinna Harfouch, Nina Hoss, Ulrich Matthes, Tobias Moretti, Charly Hübner und Sophie Rois.

Schauspielerin Sandra Hüller soll für ihre Rolle als Hamlet am Schauspielhaus Bochum geehrt werden, Florian Fischer für seine Inszenierung „Operation Kamen“ am Staatsschauspiel Dresden in Kooperation mit dem Archa Theater Prag. Besondere Bekanntheit erlangte Hüller durch ihre Hauptrolle im Kinofilm „Toni Erdmann“, der für einen Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert war. /ps

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