Bensheim

Pfarreienverbund Runder Tisch strebt Kooperation mit Kliniken, Seelsorgern und Bestattern an

Familien trauern um Sternenkinder

Bensheim.Als im September vergangenen Jahres ein still geborenes Kind auf dem Auerbacher Friedhof beigesetzt worden war, wurde beim anschließenden Gespräch klar, wie bedeutsam das Grab für Sternenkinder in Bensheim als Ort zum Trauern ist. Darüber hinaus wurden weitere Angebote angeregt, um betroffene Familien optimal begleiten zu können.

Helga Schmidtke, Gründerin des Vereins „Sternenkinderzentrum Odenwald“, und Daniel Kretsch vom katholischen Pfarreienverbund Bensheim beschlossen, gemeinsam, einen „Runden Tisch“ einzuberufen. Ziel soll sein, eine lückenlose Begleitung von betroffenen Familien ab Diagnosestellung an der Bergstraße möglich zu machen. Kooperationen mit unterschiedlichen Institutionen – wie zum Beispiel Hebammen, Kliniken, Gynäkologen, Seelsorger und Bestatter – sind hierfür die Grundlage.

Größere Lobby verschaffen

Der „Runde Tisch“ fand nun zum ersten Mal im Heilig-Geist-Hospital in Bensheim statt. Zu Gast waren Almut Gallmeier von der evangelischen Stephanusgemeinde, Bestatterin Ute Schader und Bestatter Markus Lüft aus Bensheim, Andreas Kübler von der Pflegedirektion des Heilig-Geist-Hospitals, Karin Herrmann-Brandenburg von der evangelischen Klinikseelsorge, Andrea Jander und Doreen Pfeifer vom Friedhofsamt Bensheim.

Zu Beginn erläuterte Helga Schmidtke, wie wichtig es sei, Sternenkindern grundsätzlich eine größere Lobby zu verschaffen. Betroffene Mütter würden irgendwann eingeholt von diesem Thema. Karin Herrmann-Brandenburg von der evangelischen Klinikseelsorge bestätigte das und berichtete unter anderem von einer betroffenen Mutter, deren Kind einfach „klinisch entsorgt“ wurde. „Der Schmerz geht nie weg. Es wird für die Mutter immer ein Kind sein, das gestorben ist“, sagte Karin Herrmann-Brandenburg. Man war sich einig, dass würdevolles Sterben in Krankenhäusern weiterhin möglich gemacht werden muss.

Vier stille Geburten fanden allein in diesem Jahr im Heilig-Geist-Hospital in Bensheim statt. Alle begleitet durch Helga Schmidtke und ihr Team. Doch was passiert mit den ambulanten Fällen? Ziel soll sein, dass alle betroffenen Familien über Möglichkeiten der Trauerbegleitung informiert und dann auch begleitet werden.

Gesprochen wurde auch über die Kosten der Bestattungen für Sternenkinder. Auch verstorbene Kinder unter 500 Gramm dürfen nun bestattet werden. Es ist keine Pflicht, aber ein Recht. Hier bedarf es der frühen Information der Eltern durch Ärzte und Hebammen. Auch die Rückmeldung von Bestattern im Falle eines verstorbenen Babys an das Sternenkinderzentrum wurde von Helga Schmidtke ausdrücklich erwünscht.

Weitere Fragen, die erörtert wurden: Was kostet eine Kremierung für eine Sammelbestattung? Ist ein allgemeiner Trauerplatz besser als ein individueller? Wer kümmert sich um die Grabpflege?

Die katholischen Gemeinden der Stadt Bensheim möchten das bestehende Sternenkinderfeld optisch stärker hervorheben und auch neu bebauen. Im Fronleichnamsgottesdienst wurde in diesem Jahr in der Kollekte bereits für die Gestaltung des Grabes gesammelt.

Am 8. Dezember findet ein Erinnerungsgottesdienst auf dem Friedhof Bensheim-Mitte statt. Er ist für alle Menschen gedacht, die ein Kind verloren haben. Der Gottesdienst wird von Eltern des Sternenkindervereins mitgestaltet. Im Anschluss an den Gottesdienst sind alle nach Sankt Albertus, Familienzentrum und Kita der Gemeinde Sankt Georg, eingeladen. Dort besteht die Möglichkeit zum Austausch und Gespräch bei Kaffee und Kuchen.

„Wir müssen jetzt anfangen“, sagte Helga Schmidtke am Schluss des Treffens. Dieser Schritt ist gelungen. Der nächste „Runde Tisch“ ist noch für dieses Jahr geplant, teilt die Initiative mit. red

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