Bensheim

Liebfrauenschule Oberstufenschülerinnen besuchten die italienische Hauptstadt und den Golf von Neapel

Faszinierendes Pompeji, verregnetes Rom

Archivartikel

Bensheim.An der Liebfrauenschule gibt es die schöne Einrichtung, dass jede Lateinschülerin an einer Studienfahrt nach Italien – an den Golf von Neapel und nach Rom – teilnehmen darf. Dieses Jahr fand die Fahrt zum sechsten Mal statt. Sie wurde begleitet und organisiert von den Lateinlehrern Gertrud Möller, Peter Donié und Markus Leyh sowie von dem Klassischen Archäologen und Kulturwissenschaftler Jörgen Welp.

Überraschungen gab es bei der Reise viele: Schon bei der Ankunft in Pozzuoli am Golf von Neapel erhielt die Gruppe von einem Museumsmitarbeiter eine ausgezeichnete lebendige Führung zur Ausgrabungsgeschichte des Amphitheaters – eines der besterhaltenen Italiens.

Architektur der Antike

Die herrlich gelegenen Tempel in Paestum, die schon Goethe auf seiner Italienreise begeisterten, aus der Zeit der Kolonisation Süditaliens durch die Griechen, durften die Schülerinnen zum ersten Mal begehen und nicht nur von außen betrachten. Die Architektur der Antike wurde so zu einem einmaligen „Begehungserlebnis“. Besonders beeindruckend war diesmal der Besuch von Pompeji, da die Bensheimer frühmorgens als erste Besucher den Ort betraten und ihn für eine Stunde fast für sich allein hatten, bevor die übrigen Besucher eintrafen.

Seit Jahrzehnten stand das Haus der Vettier, einer berühmten Kaufmannsfamilie, wieder offen – mit der berühmten nicht ganz jugendfreien Wandmalerei am Eingang, die einen seinen überdimensionalen Phallus wiegenden Priapen, eine Frühlingsgottheit, zeigt. Aber auch sonst gab es einiges zu sehen, was bewies, dass die Alten in dieser Hinsicht nicht eben zimperlich waren.

Eher etwas konservativer ging man das archäologische Nationalmuseum in Neapel an: Fantastisch erhaltene Wandmalereien aus Pompeji und Herculaneum, das berühmte Alexandermosaik aus dem Haus des Faun, die Rekonstruktion des Isistempels. Zudem die unglaublichen Funde aus der Villa dei Papyri: weibliche Bronzestatuen mit den eindringlichen Augen, deren Blick man nicht vergessen kann.

Ein Höhepunkt war für die meisten der Natureindruck auf der Akropolis von Cumae bei atemberaubendem Abendlicht – dem Ort der orakelhaften Sibylle, die Aeneas in Vergils Werk so eindringlich zuredete: Der weite Blick aufs Meer lud dazu ein, die Zeit endlos auszudehnen, so lange, dass fast der allabendliche kulinarische Höhepunkt in Vergessenheit geriet: die Künste der Pizzabäcker in der Altstadt Pozzuolis, die das Hotel geradezu umsäumten.

Sollte man den Bericht hier abbrechen, um nicht an das scheußliche Wetter in Rom erinnert zu werden, das auf die Gruppe wartete? Aber nein, denn von den sintflutartigen Regenfällen werden die Teilnehmer sicher noch in ein paar Jahren erzählen.

Während der Papstaudienz auf dem Petersplatz regnete es mal nicht, jedenfalls nicht wesentlich, und für den Besuch der Vatikanischen Museen standen die Schülerinnen und ihre Betreuer „nur“ zwei Stunden in der Schlange. Das übt die Geduld – und hebt die Vorfreude.

Immerhin entschädigte der zweimalige Besuch eines Spezialitätenrestaurants in dem Weinort Frascati mit hausgemachten Fettucine mit Steinpilzen und Trüffel für vieles. Auch verlor keine der Schülerinnen beim Einführen der Hand oder gar des ganzen Arms in den „Mund der Wahrheit“ irgendwelche Gliedmaßen. Schon dies Grund genug, bald nach Rom zurückzukehren – bei besserem Wetter! Markus Leyh

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